Entwicklungsgebäude Preh GmbH

Projektdaten

KategorieRealisierte Bauwerke
BauherrInPreh GmbH
PlanerInKauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB
Planungs- und Realisierungszeitraum07.2017
OrtNeustadt an der Saale

Als Automobilzulieferer fertigt die Firma Preh Fahrerbediensysteme und entwickelt und produziert Systemlösungen für Montage- und Fertigungsanlagen. Als 2014 neue Räumlichkeiten für das Technikum zur Entwicklung von Prototypen und zusätzliche Büroflächen für die Entwicklungsabteilung notwendig waren, wurde ein Einladungswettbewerb ausgeschrieben. Der Beitrag von Kauffmann Theilig & Partner konnte überzeugen, und das neue Entwicklungsgebäude wurde im Sommer 2017 eingeweiht.

Das neue Entwicklungsgebäude prägt die Ansicht des Unternehmens am Rande des Betriebsgeländes von Südosten und profitiert in dieser Lage von den Qualitäten des Landschaftsraums der Saale. Entsprechend behutsam ist das neue Gebäude in den Kontext der bestehenden Bebauung an der Schnittstelle zur Landschaft eingefügt.

Das bestehende Nachbargebäude im Nordosten ist integriert und über ein Treppenhaus auf allen fünf Ebenen angebunden. Der der Stadt zugewandte, östliche Schenkel des Neubaus ist ein Geschoss niedriger und gibt so den Blick auf die Silhouette der Stadt frei. Das so entstehende Gebäudeensemble öffnet sich zu den Saaleauen und schafft einen attraktiven Außenraum für die Mitarbeiter.

Von den beiden Büroriegeln umgeben, bildet das Technikum das Herzstück des Neubaus. Erschlossen wird das Gebäude aus dem Norden über ein großzügiges Foyer, von dem aus das Technikum als räumlicher und inhaltlicher Mittelpunkt des Neubaus für Besucher und Mitarbeiter einsehbar ist. Die Herstellung der Prototypen im etwa 600 m² großen und 8 m hohen Technikum, ist so direkt für Gäste erlebbar. Die beeindruckenden Maschinen, die Kranbahn und der Gabelstaplerverkehr werden stolz präsentiert.

Die (Ausbildungs-) Werkstatt im Ostflügel und das Prüflabor im Nordflügel ergänzen die Erdgeschossnutzungen. Die unterschiedlichen Bereiche sind statisch, schalltechnisch und geometrisch getrennt. Das erste Obergeschoss ist über eine Galerie räumlich an das Foyer angebunden und stellt, mit einem Showroom, Besprechungsmöglichkeiten und wiederrum dem Blick in das Technikum (aus anderer Perspektive), einen repräsentativen Bereich im Obergeschoss dar. Die Tiefe von etwa 16 Metern in den Büroriegeln sorgt für eine energiesparende Tagesbelichtung. Die Multizone in der Mitte, die offenen Teeküchen, die Besprechungsräume auf allen Geschossen und die zwei Terrassen schaffen einladende Begegnungsmöglichkeiten und werden verschiedenen und zukünftigen Arbeitsweisen gerecht.

Ein großzügiger, beidseitig belichteter Konferenzbereich im obersten Geschoss ergänzt das Raumprogramm des Neubaus. Zwei Aufzüge und breite Flure sorgen für die Barrierefreiheit des Gebäudes.

So sind insgesamt 400 Arbeitsplätze auf etwa 7.000 m² entstanden. Mit einer Bruttogeschossfläche von 8.200 m², bzw. einem bebauten Raum von 35.000 m³ wird das Grundstück effizient ausgenutzt.

Aufgrund des Heilwassers in Bad Neustadt ist der Neubau nicht unterkellert. Die Haustechnik liegt an zentraler Stelle mit kurzen Versorgungswegen im nichtbelichteten Bereich neben dem Technikum. Der Neubau ist behutsam auf Pfählen, mit einer Tiefe von bis zu 18 Metern in den eher heterogenen Untergrund gegründet. Beim gewählten Skelettbau aus Stahlbeton liegen die Stützen in der Fassadenebene um keine Einschränkungen für die Büronutzung zu schaffen.

Die Brüstungen in den Büros sind 50, bzw. 70 cm hoch, so dass auch im Sitzen ein Blick ins Freie besteht. Ein automatisch geregelter Sonnenschutz ist über Prallscheiben windgeschützt und kann Licht- und Sonneneinfall steuern. Die raumweise angeordneten Öffnungsflügel ermöglichen eine natürliche Belüftung mit direktem Bezug nach außen.

Die Speichermasse der Betondecke wird durch eine Niedertemperaturheizung genutzt, die auch zur Kühlung im Sommer herangezogen wird. Ca. 50 % der Deckenflächen sind mit Deckenelementen belegt, die zur akustischen Dämpfung und zu einer reduzierten Geräuschkulisse führt, so dass technisch innovative und kommunikative Arbeitsplätze in guter Atmosphäre und Behaglichkeit entstehen. Die persönliche Eingriffsmöglichkeit in Temperierung, Lüftung, Blend- und Sonnenschutz erlaubt die Anpassung des Raumklimas auf individuelle Bedürfnisse.
Die Fassade schafft, mit einem hohen Anteil an verglasten Flächen, eine hervorragende Tagesbelichtung – auch in der Tiefe der Räume. Die opaken Flächen bestehen aus großformatigen Aluminiumtafeln und schaffen so ein präzises, technisch innovatives Erscheinungsbild und ergeben eine weitgehend wartungsfreie Fassade.

Die gegliederte rhythmische Anordnung der Sonnenschutzelemente und der Öffnungsflügel sorgen für ‚tiefe Oberflächen‘ und unterschiedliche Ansichten. Dabei wird mit den einzelnen Elementen in den beiden Büroriegeln unterschiedlich umgegangen, sodass ein einheitliches, jedoch spannendes Fassadenbild entsteht.

Durch eine raumhohe Pfostenriegelfassade sind Foyer und Technikum lichtdurchflutet und unterstreichen den offenen Charakter des Gebäudes.