Produktionsgebäude Medizintechnik, Neubau Produktionsgebäude für Medizintechnik

Projektdaten

KategorieRealisierte Bauwerke
BauherrInGeha-Tech GmbH
PlanerInlaub_muuhs architektur
Fertigstellung09.2025
OrtNeuhausen ob Eck
Weitere ProjektbeteiligteBreinlinger Ingenieure Hochbau GmbH (Tragwerksplanung), Maurer Energie- und Ingenieurleistungen GmbH & Co. KG (Fachplanung HLSE)
Bildnachweisfranziska.laub | laub_muuhs architektur

Es bietet zugleich Raum für eine zweistufige Erweiterung –
wirtschaftlich, klar strukturiert und gestalterisch hochwertig.


Gestalt und Funktion

Der Entwurf folgt dem Prinzip des „einfachen Bauens“: Eine klare Gebäudeform, funktionale Grundrisse und eine zurückhaltende, aber präzise Architektur. Daraus entstanden ist ein kompakter Baukörper mit 37m Länge und 18m Breite, der industrielle Klarheit mit einer eigenen architektonischen Handschrift verbindet.

Die Fassade spielt eine zentrale Rolle im gestalterischen Konzept. Im Sinne einer aussagekräftigen und
markenbildenden Architektur steht die präzise Metallfassade für den Hauptwerkstoff des Betriebes, sowie dem hohen Qualitätsanspruch, die Präzision und das Know-how des Unternehmens. Als bewusste Abgrenzung zur monotonen und gewöhnlichen Umgebung im Gewerbegebiet von Neuhausen ob Eck, wurde für die Metallfassade eine besondere Profilierung gewählt. Die Struktur und Farbgebung schaffen Tiefe und Lebendigkeit und greifen zugleich Elemente des Corporate Designs des Unternehmens auf. Durch Licht- und Schattenwirkung verändert sich das Erscheinungsbild im Tages- und Jahresverlauf – ein lebendiger Ausdruck von Dynamik und Agilität, passend zu dem jungen Unternehmen. Das Spiel aus großen Fensterflächen zur Nordseite und kleinen Fensterbändern auf der Südfassade, zusammengefasst in quadratischen gerahmten Fassadenelementen, gibt dem Gebäude eine gleichmäßige Struktur und reagiert gleichzeitig auf eine optimale Ausnutzung der sommerlichen Wärmeeinstrahlung, des Lichteinfalls und der Nutzung im Innenraum.

Das Gebäude versteht sich als funktionaler Arbeitsort und zugleich als sichtbares Statement des Unternehmens. Es verkörpert Präzision, Wertigkeit und Zukunftsorientierung – Eigenschaften, die auch die Produkte des Start-ups prägen. Reduzierte, technisch durchdachte Detaillösungen sorgen für eine klare architektonische Sprache unter Berücksichtigung der Erweiterungsmöglichkeit des Unternehmens in baulicher Hinsicht. So sind zwei Fassadenseiten bereits in Ihrer äußeren Gestaltung, sowie Ihrer konstruktiven Umsetzung für den Rückbau und den Wiedereinbau an den neuen Außenwänden der Erweiterungsflächen vorgesehen. Ein zweigeschossiger Einbau aus Betonfertigteilelementen, der Eingang und Erschließung, Sozialräume, Aufenthalts- und Verwaltungsräume beinhaltet, gliedert sich an die Produktionshalle. Der Masterplan sieht vor, dass dieser Bereich mit Erweiterung des 2. und 3. Produktionsabschnitts, zum zentralen Baukörper und laub_muuhs architektur Produktionsgebäude für Medizintechnik Bindeglied zwischen den Produktionsbereichen wird. Bereits jetzt sind die Bereiche über großflächige Verglasungen miteinander verbunden, die Einblicke schaffen und Offenheit und Transparenz vermitteln.

Konstruktion und Flexibilität

Das Betriebsgebäude ist auf Wachstum in verschiedenen produktionstechnischen Einzelschritten und insgesamt drei Bauabschnitten ausgelegt. Das Stahltragwerk ermöglicht eine modulare Struktur, stützenfreie Produktionsflächen und unterstützt eine flexible Nutzung und Erweiterung des Gebäudes in den weiteren Bauabschnitten, sowie die Anpassungen der Produktionsflächen im laufenden Betrieb. Damit bietet der Bau langfristige Perspektiven für die Entwicklung des Unternehmens. Alle wesentlichen Einbauten und Trennwände im Gebäude sind aus Betonfertigteilen hergestellt. Dies ermöglicht eine kurze Bauzeit, mit zugleich fertigen Oberflächen. Bei den Brüstungselementen aus Betonfertigteilen wurde bspw. bereits der Rückbau und das Versetzen an die neue Außenfassade für die Erweiterung der Produktionshalle vorgesehen. Die Logik der fertigen Oberflächen wurden auch auf die Böden übertragen. Es gibt im gesamten Gebäude keine Bodenaufbauten oder -beläge. Die Anforderungen an die Belastbarkeit, Oberfläche, Schallschutz und Wärmeversorgung, wurden rein über die schwimmende Bodenplatte mit Industrieflächenheizung und die eingespannten Betondecken realisiert. Das Dach aus Stahltrapezblech, liegt freispannend auf den Stahlpfetten des Stahltragwerks auf. Die Außenwände aus vorgehängten Stahlkassetten mit Steinwolledämmung und einer hinterlüfteten Metallfassade haben keinerlei konstruktive Funktion.


Gebäudetechnik, Ökonomie und Nachhaltigkeit

Die Gebäudetechnik wurde funktional in das Gesamtkonzept integriert. Kosteneffizienz und damit verbunden der genau abgestimmte Einsatz von technischer Gebäudeausrüstung waren maßgeblich. So erfolgt die Wärmeerzeugung über das vorhandene Fernwärmenetz, ergänzt durch eine umschaltbare Luft/ Wasser Wärmepumpe zur Heizung und Kühlung. Der Produktionsbereich und die angrenzenden Sozialräume im Erdgeschoss werden über eine Industrieflächenheizung in der Bodenplatte versorgt. Die Verwaltungsräume im Obergeschoss über Umluftheizgeräte. Eine RLT-Anlage auf dem Dach sorgt für die Be- und Entlüftung des Verwaltungsbereichs und der Nebenräume. Die Be- und Entlüftung der Produktion ist für den ersten Produktionsschritt mit zwei Maschinen rein über eine natürliche Fensterlüftung und Nachtauskühlung durch Oberlichtkuppeln realisiert. Die Umsetzung einer aktiven Lüftung des Gebäudes ist für die Erweiterung des Produktionsbetriebs mit dem Hinzukommen weiterer Maschinen bereits anlagentechnisch und konstruktiv geplant und vorgesehen. Die Anforderungen an das schrittweise Wachstum der Produktion mit einer maximalen Maschinenaufstellung, gibt das Konzept und die Umsetzung der Gebäudetechnik in mehreren Einzelschritten vor. So können Gebäude und Haustechnik mit dem Unternehmen wachsen und dem jungen Start-Up gleichzeitig ermöglichen sich wirtschaftlich weiterzuentwickeln.

Die Belegung der Dachfläche mit einer Photovoltaikanlage von insgesamt 53 kWp wird zur Eigenstromnutzung mit Überschusseinspeisung genutzt. Bei einem jährlichen Energieverbrauch von 150.000 kWh ergibt sich eine Eigenverbrauchsquote von ca. 75%. Ein Primärenenergiebedarf von 57kWh/(m²a) und somit eine Unterschreitung des zulässigen Werts nach GEG 2023 um 42%, trägt maßgeblich zur entstandenen ökonomischen Qualität des Projekts bei. Durch ein konsequent eingehaltene Kostenkonzept, eine kompakte Gebäudekubatur, standardisierte Bauteile und einer konstruktiven Logik konnte eine wirtschaftliche Realisierung gewährleistet werden, die für ein optimales Verhältnis von Investitions- und Betriebskosten sorgt. Gleichzeitig wurde der Fokus auf langlebigen Materialien, deren minimierten Einsatz und Flexibilität, im Hinblick auf ihre Rück- und Umbaufähigkeit, sowie einem reduzierten, aber effektivem Einsatz von Gebäudetechnik gelegt.