Projektdaten
| Kategorie | Realisierte Bauwerke |
|---|---|
| BauherrIn | Zorn Maschinenbau GmbH |
| PlanerIn | ARCHITEKTURBÜRO FX WUHRER |
| Fertigstellung | 05.2025 |
| Ort | Stockach |
| Weitere Projektbeteiligte | Ingenieurbüro Norbert Baur (Tragwerksplanung) | GSA Körner GmbH (Ingenieurgesellschaft für Bauphysik & Schallimmission) Halfkann + Kirchner PartGmbB (Fachplanung Brandschutz) | Planungsbüro Westhauser (Fachplanung HLSK) | Greiner Engineering (Fachplanung Elektro) |
| Bildnachweis | Peter Kuhnle Fotografie BFF |
Der Neubau des Verwaltungs- und Produktionsgebäudes der ZORN Maschinenbau GmbH im Gewerbegebiet Himmelreich II in Stockach-Hindelwangen steht für eine zukunftsorientierte Interpretation zeitgemäßer Industriearchitektur. Ziel des Projektes war es, einen leistungsfähigen Produktionsstandort zu schaffen, der funktionale Effizienz, architektonische Klarheit und ökologische Verantwortung miteinander verbindet. Die Gebäudeformation stellt sich der Herausforderung der gegebenen Geländevorgaben und reagiert präzise auf die ausgeprägte Hanglage zwischen der Straße „Im Eschle“ und der Messkircher Straße. Durch die teilweise erdüberdeckte Einbindung der unteren Baukörperbereiche wird das Bauvolumen deutlich reduziert und harmonisch in die Topografie eingebettet. Kraftvoll und zugleich zurückhaltend formuliert das Gebäude so eine eigenständige architektonische Haltung und setzt ein identitätsstiftendes Zeichen für die Firma Zorn & den Produktionsstandort Stockach.
Ausgangspunkt der Planung war die Erkenntnis, dass der bestehende Produktionsstandort den heutigen Anforderungen an zeitgemässe, flexible und zukunftsfähige Produktionsabläufe nicht mehr gerecht werden konnten. Der Neubau schafft nun die räumlichen, organisatorischen und technischen Voraussetzungen für eine langfristige Entwicklung des Unternehmens bei gleichzeitig klarem Bekenntnis zum historischen angestammten Firmenstandort.
Funktional gliedert sich das Gebäude in klar strukturierte, Team-übergreifende Bereiche der Entwicklung, Produktion, Verwaltung und fördert dadurch die Firmen angestrebte Tätigkeitswahrnehmung aller Mitarbeiter. Der großzügige Eingangs- und Empfangsbereich mit Lounge-Charakter bildet als kommunikatives Zentrum einen Ort der Begegnung für Mitarbeitende und Gäste. Blickbeziehungen in Wahrnehmung des Bodensee- Alpen-Seeland stärken die Aufenthaltsqualität und Firmen Identifikation. Ein zentraler, geschossübergreifender offener Erschließungskern gewährleistet kurze Wege und fördert bereichsübergreifendes Arbeiten.
Das Tragwerk des Gebäudes ist in Massivbauweise auf einem Stützenraster 10,00m*10,00m aufgebaut. Die konstruktive Aussenhülle / Fassade wird über alle Geschosse hinweg als Holz Pfosten-Riegel-Konstruktion ausgebildet.
Die Tragwerksplanung ist konsequent auf Flexibilität und langfristige Erweiterbarkeit ausgelegt. Das Gebäude wurde so konzipiert, dass jederzeit zusätzliche Erweiterungen auch von vollwertigen geschossübergreifenden Produktionsflächen ermöglicht werden. Vor diesem Hintergrund fiel die Wahl bewusst auf ein Pi-Deckensystem, eine wirtschaftliche, robuste Konstruktion, welche große Spannweiten und hohen Tragreserven vereint. Durch den Einsatz der Pi-Decke konnte das Stützenraster deutlich reduziert werden, wodurch großzügige, flexibel nutzbare Flächen entstehen um zukünftige Anpassungen der Produktionsprozesse zu erleichtern.
Die reduzierte Materialpalette aus Beton, Holz, Metall und Glas sorgt für eine klare zeitlose architektonische Lesbarkeit. Die Fassadengestaltung in Holz Aluminium, ist bewusst zurückhaltend und funktional. Umlaufende Fensterbänder und vorgehängte Fassadenpaneele gliedern den Baukörper. Eine energetische abgestimmte 3-fach Sonnen-Wärmeschutzverglasung in Kombination mit einer transluzenten außenliegenden Verschattungsanlage gewährleisten eine gleichmäßige natürliche Tageslichtversorgung der Produktions- und Arbeitsbereiche bei gleichzeitig wirksamem sommerlichem Wärmeschutz.
Ein zentraler Anspruch des Projekts war die konsequente energetische Optimierung. Das Gebäude wurde im Standard KfW-40 realisiert. Auf den Dachflächen installierte PV-Anlagen erzeugen regenerative Energie in einer Größenordnung, die den laufenden Gebäudebetrieb weitgehend abdeckt.
Besondere planerische Aufmerksamkeit erforderte die Lage des Grundstücks im Spannungsfeld mehrerer
sensibler Randbedingungen. Über das Gelände verläuft eine Hauptwasserleitung der Bodensee-Wasserversorgung, für die ein Schutzstreifen von rund 15m Breite einzuhalten war. Auf der gegenüberliegenden zwei Seiten des Grundstückes befindet sich eine Gas Hochdruckversorgungsleitung mit entsprechend hohen Schutzanforderungen. Beide Leitungen durften weder baulich noch durch Erdarbeiten beeinträchtigt werden und stellten erhebliche planerische Rahmenbedingungen dar. Zusätzlich grenzt das Grundstück an ein geschütztes Biotop an, dessen Erhalt und Schutz durch den planerischen Einbezug des entstehenden Niederschlagswasser in natürlicher Versickerung zukünftig sich positiv auf die natürliche Fortschreibung in Artenvielfalt auswirken wird.
Parallel der Strasse, auf der Vorderseite des Grundstücks war zudem ein bestehender Feuerwehr-Löschwassertank in Funktionserhalt und Zugänglichkeit dauerhaft sicherzustellen. Die Positionierung des Baukörpers, die Erschließung, Freiraumplanung sowie die Baustellenlogistik wurden konsequent aus diesen vierseitig planerischen Randbedingungen heraus entwickelt. Zur Sicherstellung der Einhaltung der strengen Sicherheits- und Schutzauflagen erfolgte während der gesamten Bauphase eine Überwachung, u.a. durch luftgestützte Kontrollen mittels Helikopter durch die Versorgungsunternehmen.
Aus den vorgenannten Vorgaben galt es die Erschließung und Logistik klar und zukunftsorientiert zu organisieren. Produktions- und Materiallogistik erfolgen über das Hanggeschoss, während das angehobene Erdgeschoss flexible Nutzungen und Erweiterungsmöglichkeiten erlaubt. Besucher- und Mitarbeiterparkplätze sind funktional in das Gelände integriert, das Grundstück ist umlaufend befahrbar.
Die räumliche Zonierung der Bürobereiche wird durch Holzrahmenelemente, mit Glas integrierten akustisch wirksamen Holz-Sichtschutzelementen gebildet. Der Eingangsbereich wird durch die raumgreifende Glaswand mit vorgelagerten Holzlamellen geprägt. Durch die flurseitige Anordnung der raumgreifenden Holzlamellen wird eine räumliche Tiefe, bezogen auf die angrenzenden Büros in Privatheit ohne räumliche Ausgrenzung provoziert. Diese durchlaufenden Holzsichtschutzlamellen erzeugen in Ihrer gleichförmigen linearen Homogenität einen warmen Kontrast zu den roh belassenen Betonflächen und den Pi- Deckenelementen. Zurückhaltend wahrnehmungsunterstützt durch die flächig in den Betonrippen angeordnete Beleuchtung. Ein eigenständiger, linearer eingestellter Raumkörper in Form eines SonderRaumMöbels, abgeleitet aus der Idee eines temporären Containers in raumzonierender Funktion, stärkt die Idee unterschiedliche Funktions- und Kommunikationsbereiche raumübergreifend über die zusammenhängende Deckenfläche erlebbar zu machen.
Durch das Spiel mit Enge und Weite, entstehen offene Raumabfolgen mit transparenten Übergängen der einzelnen Arbeitsbereiche. Textile-Behänge laden zur räumlichen Veränderung in Wahrnehmung und akustischer Vorteilnahme ein. Tageslicht, in Licht & Schattenwirkungen, erzeugen Abwechslungsreiche Tiefenwirkungen in wechselhafter Erlebbarkeit. Durch diese Dynamik werden die Grundrisse der einzelnen Nutzungseinheiten miteinander spürbar verwoben. … es entsteht ein Raumgefühl des Teams orientierten Miteinanders.
Der Neubau wurde haustechnisch als auch energetisch nach zukunftsorientierten Maßstäben im Standard KfW 40 ausgeführt. Wärmeerzeugung über zwei Luftgekühlte reversible Wärmepumpen in variabler Nutzung kühlen und heizen.
Der Jahres- Primärenergiebedarf Qp bezogen auf die beheizte Nettogrundfläche beträgt 26.9 [kWh/m2a]. Die bauteilbezogene Elektroinstallation im Bussystem, die komplette EDV-Installation in Glasfaser eingebunden im Standard Cat7 abgestimmt auf die Produktionsvorgaben in individueller Fortschreibung. Eine flächendeckende Brandmeldeanlage in Gewährleistung einer zukunftsfähigen Grundrissfortschreibung in Nutzungsflexibilität.









