Heizwerk im B&O Bau ForschungsQuartier

Projektdaten

StatusNominierung
KategorieRealisierte Bauwerke
BauherrInB&O Bau GmbH
PlanerInensømble Studio Architektur
Fertigstellung09.2025
OrtBad AIbling
Weitere ProjektbeteiligteShortlist Ingenieur:innen, M.Eng. Johanna Arnold (Tragwerksplanung) | Fire + Timber.Ing. GmBH (Brandschutz) | Ing. Büro Kury und Fischer (Lärmschutz) | Ing. Büro Weiser GmBH (Entwässerung) | Mawera GmBH (Heiztechnik) | B&O Bau (Bauleitung)
BildnachweisSebastian Schels

Das Heizwerk versorgt diese Gebäude mit Wärme und ist für den Bauherrn Ausdruck für den Wunsch, dass auch ein Infrastrukturgebäude als Industriebauwerk einen baukulturellen, gestalterischen, sowie experimentellen Beitrag auf dem Gelände leisten soll. Das neue Heizwerk, im B&O Parkgelände in Bad Aibling-Mietraching, entsteht in Nachbarschaft zu dem prägnanten, hoch aufragenden Baukörper des ehemaligen Heizwerks, aus der Zeit der militärischen Nutzung des Geländes. Der Ort ist im permanenten Wandel und Ausbau zu einem aktiven Gewerbeviertel aus bestehenden und neuen Gebäuden mit unterschiedlichen Nutzungen und einer selbstverständlichen Robustheit. Das Heizwerk als kleiner Solitär hat einen eigenständigen Ausdruck, eine ungewöhnliche Erscheinung für seine einfache Nutzung, mit gebrauchten Bauteilen, stadträumlichen Qualitäten und gut sichtbar verordnet an der Einfahrt zum Gelände. Das Heizwerk als Auftakt widerspiegelt den gestalterischen und inhaltlichen Anspruch für das gesamte Gelände.

Städtebau und Auftakt
Die Lage des neuen Heizwerks wurde in einer städtebaulichen Untersuchung, im gewerblich genutzten Bereich des Parkgeländes, als eigenständiger Baukörper verortet. Fest stand nur, dass es in der Nähe des ehemaligen Heizkraftwerks stehen sollte, um die bestehenden Rohrleitungen weiter zu nutzen. Das Areal ist im Wandel und die baulichen Anlagen sollen mehrere Zukunftsszenarien aufnehmen können. Analog zum ehemaligen Heizkraftwerk, bildet der Solitär den Auftakt für eine Reihe von erdgeschossigen Lagergebäuden, die erhalten und möglicherweise im Zukunft aufgestockt werden können. Mit dem hohen Anspruch an die gestalterische Qualität, ermöglicht es dem Gebäude auch, als Auftakt einer straßenbegleitenden Reihe von Gewerbe- und Bürobauten zu wirken.

Dialog mit Bestand
Die prägnante Form des Heizkraftwerks ist zwar heute außergewöhnlich für einen Zweckbau, folgt aber dem funktionalen Aufbau des Infrastrukturbaus und damit den Anforderungen an die Holzhackschnitzelheizung. Seine eigenständige Form, sowie die Materialität, trägt dazu bei, dass der Neubau zu einem zeitgemäßen, wertigen Gegenüber zu dem fein detaillierten bestehenden Heizwerk wird. Eine umgreifende, flach geneigte Dachfläche folgt dem Materialfluss. Daraus erhebt sich in der Mitte, über dem eigentlichen Heizraum, ein aufragendes asymmetrische Giebeldach. Die Höhenentwicklung entspricht der Höhe des Pufferspeichers im Inneren des Gebäudes. Die Holzfassade mit unterschiedlichen Verschalungsarten, zieht sich über das Dach, um das Gebäude als Gesamtvolumen wahrnehmbar zu machen.

Heizwerk aus Holz
Obwohl es im Inneren des Gebäudes im Ofen brennt, ist das Heizwerk überwiegend aus Holz konstruiert. Nur der Brennstoffbunker und die Bodenplatte des Gebäudes sind aus Brandschutz- und Tragfähigkeitsgründen aus Stahlbeton. Die Bauweise in Holz, als nachwachsendes Baumaterial, zeigt die Verantwortung des Bauherrn und Planers, zur Treibhausgas-Reduktion in der Bauwirtschaft beizutragen. Das Holz erhält eine kräftige rote Färbung aus mit natürlichem Pigment versetzter Beschichtung. Die Farbigkeit verweist sowohl auf die Farbtöne des ehemaligen Heizwerks, sowie auf das Feuer der Nutzung.

Im Inneren brennt es
Im Gebäude wird die Technik für die Biomasse-Feuerungsanlage mit 1.100 KW zur Hackschnitzelverbrennung eingebaut. Hackschnitzelheizanlagen gelten im Vergleich zu Heizanlagen für fossile Brennstoffe als umweltverträglicher, da der Wirkungsgrad beim Verbrennen vom Holz hoch ist und der Brennstoff aus nachwachsendem, biogenem Material ist. Der Feinstaub, der bei der Verbrennung der Holzreste entsteht, wird über Elektro-Filter weitgehend reduziert.

Gebrauchtes Material und Haptik
Unterschiedliche Materialien, die auf dem Parkgelände verfügbar waren, konnten die Architekt:innen ans Licht bringen und bei dem Projekt anwenden. Bei der Entsiegelung des Geländes wurden Natursteinbrocken gefunden und gesammelt. Die Entwurfsverfasser haben das gestalterische Potential dieses Material in einen drei Meter hohen Sockel als Bruchsteinwand gewandelt. Er bildet mit seiner robusten Natürlichkeit die feste Basis des aufragenden Holzbaus und verbindet ihn zugleich mit dem Erdreich. Die großen Tore sind mit wiederverwendeten gebrauchten und platt gedrückten Regenrinnen aus Kupfer beschlagen und bringen Patina mit vom ersten Tag. Sie schaffen sowohl zur Straße, wie auch zum Hof die benötigten Zugänge und verleihen der Infrastrukturgebäude Erhabenheit, was diese wichtige Funktion verdient. Der bestehende hohe Betonmauer zur Straße und der Einfahrt zum Gelände wurde unkompliziert auf Sockelhöhe abgeschnitten und bilden heute einen gefassten urbanen Raum zu den umgebenden Gebäuden und der Straße.

Konstruktion und Flexibilität
Die Halle ist stützenfrei konstruiert und damit auch flexibel für Veränderungen. Die Konstruktion der Gebäudehülle aus Holz wird geprägt durch die markante Geometrie des Daches. Vier Fachwerkbinder überspannen die Halle für die Heizanlage mit 16 m Spannweite. Die Fachwerkbinder werden an einen wandartigen Brettsperrholzträger (CLTTräger) angeschlossen, der die Lasten aus den Fachwerken in Querrichtung über 12,50 m zu den Außenwänden verteilt. Somit entsteht ein stützenfreier Raum mit 16,00 x 12,50 m für eine flexible Planung der Anlagentechnik, zukünftigen Anpassungen oder auch anderen Nutzungen.

Ökonomie
Ein Gebäude mit dem hohen Anspruch an Funktionalität und Gestaltung erzielt sicher nicht den günstigsten Preis. Jedoch ist das Heizwerk eine Investition in die Zukunft, auch des Geländes und somit durchaus angemessen. Wiederverwendete Bauteile sind kostenfrei, jedoch in der Verarbeitung intensiver in den Arbeitszeitkosten. Hier hat der Bauherr beispielhaft ausprobiert, wie das Bauen mit wiederverwendeten Materialien in der Praxis umgesetzt werden kann. Die Gewerke wurden in Einzelvergaben und direkten Angeboten an lokalen Baufirmen vergeben. Die die Biomasse Feuerungsanlage wurde an den Hersteller mit den innovativsten Anlagen vergeben. Das Gebäude wurde innerhalb von 24 Monaten geplant, gebaut und in Betrieb genommen.