Neubau eines Verwaltungs- und Logistikgebäudes

Projektdaten

KategorieRealisierte Bauwerke
BauherrInKyocera Fineceramics, Mannheim
PlanerInSTUDIO SF Simon Fischer & Architekten GmbH
Fertigstellung06.2025
OrtMannheim
Weitere ProjektbeteiligteFast + Epp GmbH
BildnachweisSTUDIO SF

Das Projekt versteht sich als bauliche Neuordnung und Weiterentwicklung eines gewachsenen Industrieareals hin zu einem klar strukturierten, campusartigen Standort mit langfristiger Perspektive.


Städtebau und architektonische Gestalt
Der Neubau des Verwaltungsgebäudes bildet den organisatorischen und kommunikativen Mittelpunkt des Areals. Der viergeschossige, kompakte Baukörper mit nahezu quadratischem Grundriss ist präzise proportioniert und klar gegliedert. Seine ruhige, materialgerechte Fassadengestaltung spiegelt das zugrunde liegende Ausbauraster wider und macht die innere Struktur nach außen ablesbar. Die hinterlüftete Holzfassade mit horizontaler und vertikaler Gliederung verleiht dem Gebäude eine hochwertige, zugleich zurückhaltende Erscheinung. Die Konstruktion wird nicht verkleidet, sondern bewusst gezeigt. Versetzte tragende Holzwandscheiben führen zu differenziert angeordneten Fensterelementen und erzeugen eine plastische Fassadentiefe. So entsteht eine identitätsstiftende Architektur, die sich selbstbewusst in das industrielle Umfeld einfügt. Das Logistik- und Produktionsgebäude ergänzt das Ensemble als funktional präzise gefasster Baukörper mit Holzrahmenkonstruktion und robuster Wellblechfassade. Während das Innere durch sichtbare Holzstrukturen geprägt ist, betont die äußere Hülle den industriellen Charakter. Der bewusste Kontrast zwischen natürlichem Werkstoff und metallischer Fassade formuliert konstruktive Ehrlichkeit und zeitgemäße Modernität.

Funktion und Organisation
Die funktionale Konzeption folgt einem klaren, wirtschaftlichen Ordnungsprinzip. Sämtliche Nutzungen des Verwaltungsgebäudes sind kompakt um einen zentralen Erschließungskern organisiert. Das Erdgeschoss übernimmt die Rolle der kommunikativen Schnittstelle mit Eingang, Administration und großzügigem Konferenzbereich. Die Obergeschosse gruppieren die Büroflächen U-förmig um eine zentrale Zone. Gemeinschafts- und Besprechungsbereiche sind bewusst kernnah angeordnet und fördern informellen Austausch sowie interne Kommunikation. Das durchgängige Ausbauraster minimiert Verkehrsflächen, gewährleistet kurze Wege und ermöglicht eine hohe Anpassungsfähigkeit an zukünftige betriebliche Anforderungen. Die klare Struktur schafft Übersichtlichkeit und Flexibilität gleichermaßen – ein wesentlicher Beitrag zur langfristigen Wirtschaftlichkeit. Im Logistik- und Produktionsgebäude ermöglicht die Holzrahmenbauweise wirtschaftliche Spannweiten bei geringem Eigengewicht. Der hohe Vorfertigungsgrad reduziert Montagezeiten, erhöht die Ausführungspräzision und sichert Planungssicherheit. Gleichzeitig verbessern sehr gute Wärmedämmeigenschaften und ein ausgeglichenes Raumklima die Arbeitsbedingungen nachhaltig.

Konstruktion, Materialität und Gebäudetechnik
Das Tragwerk des Verwaltungsgebäudes ist als Holz-Hybridkonstruktion konzipiert. Während das Erdgeschoss aufgrund hoher Lasten und Spannweiten in Stahlbeton ausgeführt wurde, bestehen die drei Obergeschosse aus Brettstapelwänden und Holz-Beton-Verbunddecken. Die unterseitig sichtbaren Brettstapeldecken mit integrierten Akustiklamellen prägen die Raumwirkung. Konstruktion und Gebäudetechnik sind integraler Bestandteil des architektonischen Ausdrucks. Auf abgehängte Decken wurde bewusst verzichtet. Lüftungs-, Kühl- und Elektroinstallationen sind offen geführt und klar strukturiert. Diese konstruktive Offenheit ermöglicht großzügige Raumhöhen, reduziert Materialeinsatz und erhöht die Wartungs- und Anpassungsfähigkeit der technischen Infrastruktur. Besondere konstruktive Anforderungen – etwa durch versetzte tragende Wandscheiben – wurden mittels gezielt eingesetzter Stahlrandträger gelöst. Zur Erfüllung erhöhter Schallschutzanforderungen im Gewerbegebiet wurde die Fassade als Masse- Feder-Masse-Konstruktion mit ergänzender Vorsatzschale ausgebildet. Das Gebäude ist der Gebäudeklasse IV zugeordnet und gemäß Musterholzbaurichtlinie geplant. Durch eine klare Rettungswegführung und eine flächendeckende Brandmeldeanlage konnten sichtbare Holzoberflächen in größerem Umfang realisiert werden. Der konstruktive Holzbau bleibt somit technisch abgesichert und zugleich gestalterisch prägend. Der hohe Vorfertigungsgrad der oberflächenfertigen Bauteile verkürzte die Bauzeit erheblich, reduzierte Emissionen auf der Baustelle und erhöhte die Ausführungsqualität. Konstruktion, Ökonomie und Nachhaltigkeit greifen hier unmittelbar ineinander.

Nachhaltigkeit und zirkuläres Bauen
Das Projekt folgt konsequent den Prinzipien des zirkulären Bauens. Ziel ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen, deren Herstellung energie- und CO2-intensiv ist. Der Energiebedarf wird durch den Einsatz von Passivhaus-Komponenten minimiert. Passive Maßnahmen – darunter eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, die Nutzung industrieller Abwärme aus dem Produktionsprozess sowie allseitig außenliegender Sonnenschutz – reduzieren den Betriebsenergiebedarf signifikant. Eine flächendeckende Photovoltaikanlage wirkt bilanziell als CO2-Senke. Die Konstruktion ist auf Rückbaubarkeit und Wiederverwendung ausgelegt. Rund 70 % der Bauteile sind auf Bauteilebene weiterverwendbar, etwa 20 % recyclingfähig. Schadstoffhaltige Materialien und Beschichtungen wurden konsequent vermieden. Extensive Dachbegrünung, intensiv begrünte Außenanlagen sowie ein integriertes Regenwassermanagement mit Rückhaltung und Versickerung reduzieren versiegelte Flächen und stärken die ökologische Qualität des Standorts. Durch materialgerechte Konstruktionen, langlebige Details und sortenreine Fügungen entsteht ein Gebäude, das nicht nur im Betrieb, sondern über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg eine positive ökologische Bilanz anstrebt.

Architektonische und konstruktive Gesamtkomposition
Der Neubau für Kyocera Fineceramics verbindet konstruktive Innovation mit funktionaler Präzision und architektonischer Klarheit. Das Projekt zeigt, dass Industriebauten heute mehr sein können als reine Zweckarchitektur: Sie können Identität stiften, Ressourcen schonen und langfristige Flexibilität sichern. Das innovative Zusammenspiel von Gestalt, Funktion, Ökonomie, Konstruktion und Gebäudetechnik manifestiert sich in einem Holz-Hybridbau, der technische Leistungsfähigkeit, wirtschaftliche Effizienz und ökologische Verantwortung zu einer konsistenten Gesamtstrategie verbindet.