Projektdaten
| Kategorie | Realisierte Bauwerke |
|---|---|
| BauherrIn | SAP SE |
| PlanerIn | SCOPE Architekten |
| Fertigstellung | 03.2024 |
| Ort | Garching bei München |
| Bildnachweis | Zooey Braun |
Der Neubau bündelt die Entwicklungsbereiche eines internationalen Softwareunternehmens mit Forschungseinrichtungen der Technischen Universität München und schafft damit einen räumlichen Rahmen für die direkte Zusammenarbeit zwischen Industrie und Wissenschaft. Auf rund 25.500 Quadratmetern arbeiten hier etwa 600 Mitarbeitende des Softwarekonzerns sowie rund 120 Forschende und Lehrende der TUM gemeinsam an Zukunftsthemen wie Industrie 4.0, Mobilität und Nachhaltigkeit.
Das Gebäude versteht sich nicht als klassisches Bürohaus, sondern als räumlich verdichteter Campus im Kleinen. Seine Organisation folgt dem Prinzip, möglichst viele Funktionen, Austauschformate und Arbeitssettings innerhalb eines kompakten Baukörpers zusammenzuführen. Arbeitsbereiche, Forschungsflächen, Kommunikationszonen und öffentliche Nutzungen sind eng miteinander verzahnt und ermöglichen kurze Wege, spontane Begegnungen und flexible Projektstrukturen. Dadurch entsteht eine räumliche Infrastruktur, die kollaborative Entwicklungsprozesse gezielt unterstützt.
Zentrales Element dieses Konzepts ist ein fünfgeschossiges Atrium, das als räumliche und organisatorische Schnittstelle zwischen Unternehmen, Universität und Öffentlichkeit fungiert. Als gemeinsamer „Marktplatz“ verbindet es Arbeitsbereiche, Auditorium, öffentlich zugängliche Vitalbar und Experience-Flächen und bildet den kommunikativen Mittelpunkt des Gebäudes. Die bewusste Öffnung einzelner Funktionen schafft eine niedrigschwellige Schnittstelle zwischen Forschung, Wirtschaft und Campusöffentlichkeit. Damit erweitert das Gebäude seine Rolle über die interne Nutzung hinaus und stärkt die Vernetzung innerhalb der Science City Garching. Das Atrium wird so zur infrastrukturellen Plattform für Austausch, Präsentation und Wissenstransfer.
Die vertikale Erschließung über großzügige Freitreppen und eine zentrale Wendeltreppe verstärkt die physische und visuelle Vernetzung aller Ebenen und fördert den kontinuierlichen Austausch zwischen unterschiedlichen Nutzergruppen.
Konstruktiv basiert der Campus auf einem klar strukturierten Tragwerksraster, das eine hohe Nutzungsflexibilität ermöglicht. Ein zentrales Element dieses Konzepts ist die offene Parkgarage, die von Beginn an für eine spätere Umnutzung als Bürofläche ausgelegt wurde. Rückbaubare Bauteile, demontierbare Deckenelemente und eine anpassungsfähige Gebäudestruktur ermöglichen es, auf zukünftige Anforderungen technologischer Entwicklungsprozesse flexibel zu reagieren und den Lebenszyklus des Gebäudes nachhaltig zu verlängern. Damit entsteht eine langfristig anpassungsfähige Infrastruktur für dynamische Innovationsprozesse.
Das Prinzip einer „einfachen“ Bauweise zieht sich konsequent durch das gesamte Gebäude. Der bewusste Verzicht auf zusätzliche Ausbauschichten, die Verwendung möglichst sortenreiner Materialien sowie das Leitmotiv Reuse–Reduce–Recycle bilden die Grundlage für eine nachhaltige und ressourcenschonende Lebenszyklusstrategie. Die robuste Konstruktion gewährleistet dabei sowohl wirtschaftliche Betriebsfähigkeit als auch strukturelle Anpassbarkeit über lange Nutzungszeiträume hinweg. Städtebaulich markiert der Campus den Auftakt des „Science Loop“ und übernimmt eine Schlüsselrolle innerhalb der Science City Garching.
Die gestaffelten Baukörper formen gemeinsam mit den Freiräumen ein differenziertes Ensemble, das öffentliche, semi-öffentliche und interne Bereiche klar zoniert und zugleich miteinander vernetzt. Die Fassadengliederung aus silbern eloxierten Leichtmetall-Lisenen differenziert die Gebäudeteile nach Funktion und Geschossigkeit und verleiht dem Ensemble eine präzise, proportionale Ordnung.
Der SAP Labs Munich Campus zeigt exemplarisch, wie Architektur als kompakte Infrastruktur für industrielle Innovation wirken kann. Durch die räumliche Verdichtung von Forschung, Entwicklung und Austausch entsteht ein Gebäude, das nicht nur Arbeitsplätze bereitstellt, sondern die Produktion von Wissen und technologischen Lösungen aktiv strukturiert. In seinem Zusammenspiel aus funktionaler Flexibilität, nachhaltiger Bauweise und räumlicher Vernetzung formuliert es ein zukunftsweisendes Modell für die Architektur von Forschungs- und Entwicklungsstandorten im industriellen Kontext.





