Projektdaten
| Kategorie | Realisierte Bauwerke |
|---|---|
| BauherrIn | Intuitive Surgical Optics GmbH |
| PlanerIn | Vollack GmbH & Co.KG |
| Fertigstellung | 08.2025 |
| Ort | Freiburg im Breisgau |
| Weitere Projektbeteiligte | Hill International (Projektsteuerung) | Solares Bauen (HLSK Planung) | IB Hübner(Elektro Planung) | Ingenieurgruppe Bauen (Statik Verwaltungsgebäude) | Poetzsch Bauingenieure GmbH (Statik Produktionsgebäude) | freisign Landschaftsarchitektur (Freianlagenplanung) | Stantec (Innenarchitektur) |
| Bildnachweis | Daniel Wanders |
Auf rund 30.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche entstand im Industriegebiet Nord ein Ensemble aus Verwaltungsgebäude mit Schulungszentrum, Produktionsgebäude mit Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, Parkhaus mit integriertem Multifunktionsraum und einem zentralen Energiegebäude. Am neuen Standort werden verschiedene deutsche Intuitive-Teams und -Funktionen gebündelt, inklusive Teile der Endoskop-Produktion. Das Gebäude bietet somit bis zu 600 Mitarbeitenden Platz. Die neuen Gebäude ermöglichen es dem Unternehmen, noch enger mit seinen Kunden zusammenzuarbeiten, um die Patientenversorgung weltweit weiter zu verbessern. Intuitive verfolgt bei dem Bau neuer Gebäude eine unternehmensinterne Nachhaltigkeitsstrategie. Daher zeichnet sich das Projekt durch ein ausgewogenes Zusammenspiel von Gestaltung, Funktion, Ökonomie, Konstruktion und Gebäudetechnik aus und vereint die spezifischen Anforderungen eines Hightech Medizintechnikunternehmens mit einem hohen Grad an Nachhaltigkeit.
Das Verwaltungsgebäude – Wo Identität, Marke und Miteinander Gestalt annehmen
Die zentrale Adresse des Campus bildet das 5-geschossige Verwaltungsgebäude, das sich als prägnanter Kopf zum parkähnlich gestalteten Vorfeld orientiert. Über weich geschwungene, amorphe Wege werden Mitarbeitende wie Besuchende behutsam zum Haupteingang geführt, wo sich hinter der Fassade ein über zwei Geschosse reichendes Foyer öffnet. Durch die Raumhöhe fällt Tageslicht bis tief ins Gebäudeinnere und schafft bereits im Ankommen eine helle, offene Atmosphäre.
Im Erdgeschoss sind neben Empfang und Lobby zusätzlich großzügige und flexibel teilbare Besprechungs- und Präsentationsräume sowie die Cafeteria angeordnet. Letztere fungiert als Verbindungsglied zwischen allen Funktionsbereichen und als offener, zentraler Treffpunkt für zwanglosen Austausch zwischen Mitarbeitenden aller Abteilungen und den Kundinnen und Kunden.
Im Zentrum des Erdgeschosses liegt das Customer Experience Center als eigentliche identitätsstiftende Mitte des Hauses – am Schnittpunkt von Verwaltung und Produktion positioniert, umlaufend verglast und aus allen Bereichen visuell präsent. Bereits beim Betreten des Gebäudes richtet sich der Blick der Besuchenden auf diesen Raum, in dem die Produkte des Unternehmens präsentiert werden und der täglich Mitarbeitenden wie Kunden den Mehrwert ihrer Arbeit vor Augen führt. Unmittelbar angrenzend spannt sich ein fünfgeschossiges Atrium auf. Über sein verglastes Dach führt es Tageslicht ins Gebäudeinnere und setzt das Customer Experience Center zusätzlich in Szene. Zugleich ermöglicht es gezielte Blickbeziehungen in die darüberliegenden Ebenen für Training und Verwaltung und macht die Gebäudestruktur intuitiv erfassbar.
So erklärt sich die innere Struktur des Gebäudes den Besuchern nahezu von selbst: vom öffentlichen, kommunikativen Erdgeschoss mit dem erlebbaren Marken- und Produktkern bis hin zu den ruhigeren, stärker auf konzentriertes Arbeiten und Training ausgerichteten Ebenen in den oberen Geschossen. Dort entfalten sich abwechslungsreiche Arbeitswelten, die Zonen für Austausch, Kollaboration und kreative Zusammenarbeit mit Bereichen für fokussiertes, ungestörtes Arbeiten kombinieren.
Das Produktionsgebäude – Wo Funktionalität, Effizienz und Präzision Form erhalten
Als „vertikale Fabrik“ verbindet das Produktionsgebäude Flächen für Fertigung, Entwicklung und Büro auf mehreren Ebenen und nutzt die knappen Grundstücksressourcen im Industriegebiet effizient. Statt einer ausgedehnten, horizontalen Produktionslandschaft entwickelt sich die Fabrik gezielt in die Höhe – kurze Wege, übereinander geschichtete Funktionszonen und optimierte Materialflüsse schaffen eine hochverdichtete, doch durchschaubare Produktionsumgebung mit minimalen innerbetrieblichen Distanzen.
Nicht wie sonst irgendwo am Rand platziert, sondern als zentrales Rückgrat der gesamten Produktion und inneren Logistik steht hier das automatische Hochregallager im Kern des Konzepts. Es versorgt alle Bereiche nahtlos, verknüpft so vertikale Ebenen zu einem pulsierenden Organismus und trägt unmittelbar zur Ökonomie des Gesamtprojekts bei. Die kompakte, vertikale Organisation realisiert nicht nur höchste Flächeneffizienz und niedrige Betriebskosten, sondern minimiert zugleich Erschließungsflächen und technische Leitungswege.
Besonders die weitläufigen, hellen Produktionsräume mit direkt angeschlossenen, produktionsnahen Bürobereichen in kontrollierter, hygienischer Umgebung zeigen mit ihrer zukunftsweisenden Gestaltung Innovation und Offenheit. Sie schaffen optimale Voraussetzungen für präzise, fokussierte Arbeit an Produkten, die direkt zum Behandlungsprozess von Menschen beiträgt – und daher höchste Standards an Genauigkeit und Sauberkeit erfordert. Von nahezu jeder Stelle in der Produktion sind großzügige Ausblicke in die umgebende Landschaft und den nahen Schwarzwald erlebbar. Die freundliche, lichtdurchflutete Atmosphäre kontrastiert bewusst mit konventionellen Produktionshallen und fördert so motivierende, zukunftsorientierte Arbeitswelten, die Mensch und Maschine in harmonischem Einklang vereinen. Ein zeitgemäßes Modell industrieller Verdichtung, das Ressourcen schont, Prozesse beschleunigt und damit neue Maßstäbe setzt.
Architektur und Gestaltung
Im städtebaulichen Maßstab formuliert der Campus eine präzise Adresse im Industriegebiet Freiburg Nord. Die Baukörper (zusammen 140m lang und 50m tief) definieren einen zusammenhängenden Campus mit gut ablesbaren Raumkanten und schaffen somit großzügige Vorzonen sowie Aufenthaltsbereiche.
Das zentrale inhaltliche als auch architektonische Motiv ist die Vereinigung von Training, Verwaltung und Produktion an einem Ort. Die umlaufenden weißen Fassadenbänder der Baukörper symbolisieren diesen Gedanken der Einheit; sie fassen die unterschiedlichen Nutzungen zu einem erkennbaren Ganzen zusammen, führen als horizontale Linien um die Gebäude und machen die Zusammengehörigkeit der Funktionen nach außen ablesbar. So entsteht ein Campus, der die klassische Trennung von Wissensarbeit, Fertigung und Schulung auflöst und stattdessen ein integriertes Ökosystem aus Entwicklung, Anwendung und Wissensvermittlung schafft.
Die unterschiedlichen Arbeitswelten für Forschung, Entwicklung und Produktion sowie für die Bereiche des Vertriebs mit seinen Schulungs-, Büro- und Kommunikationszonen sind so angeordnet, dass interdisziplinäre Zusammenarbeit und informeller Austausch gefördert werden. Sichtbeziehungen und transparente Elemente erlauben Ein- und Durchblicke, ohne sensible Bereiche zu stören, und machen so die Innovationskraft des Unternehmens sichtbar. Die Architektur unterstützt auf diese Weise eine Unternehmenskultur, die Offenheit, Lernen und Verantwortung in den Mittelpunkt stellt.
Die Architektursprache ist bewusst klar, präzise und technisch anmutend gewählt – passend zur hochspezialisierten Medizintechnik und den roboter-assistierten Systemen des Unternehmens transportieren ruhig gegliederte Fassadenflächen und eine reduzierte Materialpalette den Anspruch an technische Exzellenz, Genauigkeit und Zuverlässigkeit.
Dieser stringenten, fast chirurgisch präzisen Formensprache wird eine organisch gestaltete Freianlage gegenübergestellt. Geschwungene Wegeführungen, fließende Vegetationsstrukturen und differenzierte, intime wie offene Aufenthaltsbereiche in Anmutung an die ortstypischen Auenwälder stellen die Maßstäblichkeit des Menschen in den Vordergrund und spiegeln die Auseinandersetzung des Unternehmens mit der menschlichen Fürsorge, getreu dem Leitmotiv des Unternehmens „Patients first – always“.
Der spannungsvolle Dialog zwischen technischer Klarheit und landschaftlicher Weichheit wird so zu einem räumlichen Bild für die Verbindung von Hightech und Menschlichkeit – ein Campus, der die technische Innovationskraft des Unternehmens sichtbar macht und zugleich eine einladende, motivierende Umgebung für Ausbildung, Arbeit und Begegnung schafft.
Technik und Nachhaltigkeit
Die technische Infrastruktur des Campus ist in einer Energiezentrale gebündelt; zwei Wassertanks mit einem Volumen von je 100.000 Litern dienen als Erdspeicher, ein Sprinklertank mit 676.000 Litern sowie rund 10 Kilometer Leerrohre und mehr als zwei Kilometer Medienleitungen bilden das Rückgrat der Versorgung. Diese konsequente Bündelung der technischen Systeme erlaubt eine wirtschaftliche, robuste und anpassungsfähige Konstruktion, bei der Tragwerk, Hülle und Technik integrale Bestandteile eines übergeordneten Entwurfsgedankens sind.
Das gesamte Gebäudeensemble wurde im anspruchsvollen BEG40-Standard errichtet und DGNB-Gold zertifiziert, womit ein klares Statement für ökologisches Bauen und Energieeffizienz gesetzt wird. Der Neubau kommt mit einem um etwa 60 Prozent geringeren Energiebedarf als ein konventionelles Gebäude aus; der Bedarf kann durch industrielle Abwärme des Nachbarn in Kombination mit erneuerbaren Energien gedeckt werden. Intuitive verfolgt bei dem Bau neuer Gebäude eine unternehmensinterne Nachhaltigkeitsstrategie, die die Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – Ökologie, Ökonomie und Soziokulturelles – sinnvoll ergänzt. Dies mündet in eine Konformität zur Taxonomie-Verordnung und eine ESG-Verifikation, sodass der Campus als nachhaltige Wirtschaftstätigkeit ausgewiesen wird.
Fazit
In der Summe verbindet der Intuitive Campus eine präzise, medizintechnisch inspirierte Architektursprache mit einer menschlich geprägten Freiraumgestaltung, eine kompakte „vertikale Fabrik“ -struktur mit klar organisierten Abläufen sowie ein ambitioniertes Nachhaltigkeits- und Energiekonzept mit wirtschaftlicher Konstruktion und zukunftsfähiger Gebäudetechnik.




