Atlas Copco, Neubau Electronics Competence Center

Projektdaten

KategorieRealisierte Bauwerke
BauherrInAtlas Copco EPS GmbH
PlanerInVollack GmbH & Co. KG
Fertigstellung10.2024
OrtNeustadt ad Donau
Weitere ProjektbeteiligteGammel Engineering (HLSK Planung) | Planungsbüro Lothka (Elektro Planung) | Müller Baukonstruktionen (Tragwerksplanung) | Hofmann Röttgen (Freiraumplanung) | Zweiraumbüro (Innenarchitektur)
BildnachweisNikolay Kazakov

Auf rund 4.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche entstand ein zweigeschossiger Neubau, der das bestehende Produktions- und Verwaltungsgebäude zu einem klar gefassten, räumlich gut lesbaren Campus vervollständigt. Durch die gezielte Gliederung des Baukörpers und seine Anbindung an den Bestand entsteht eine neue grüne Mitte – der „Green Yard“ –, die sich als sozialer Treffpunkt für Mitarbeitende, Kunden und Gäste etabliert und die Zukunftsorientierung des Unternehmens räumlich erlebbar macht.

Ziel des Projekts ist ein ausgewogenes Zusammenspiel von Gestaltung, Funktion, Ökonomie und Technik, welches die spezifischen Anforderungen eines Hightech-Elektronikunternehmens mit einem hohen Anspruch an Nachhaltigkeit und Aufenthaltsqualität vereint. Die Architektur übersetzt die komplexen Prozesse von Entwicklung, Schulung, Kundenbetreuung und interner Zusammenarbeit in eine klare räumliche Ordnung und macht Innovation zu einem sichtbaren und erlebbaren Teil des Arbeitsalltags.

Architektur und städtebauliche Setzung

Im Maßstab des Campus formuliert das ECC eine präzise neue Adresse innerhalb des bestehenden Firmenensembles. Der neue Gebäudekomplex gliedert sich in drei Kuben, verbunden mit der Eingangshalle, die gemeinsam mit dem Bestandsgebäude durch ihre Anordnung auf dem Grundstück eine gemeinsame grüne Mitte erschaffen – den „Green Yard“ für Mitarbeitende, Kunden und Gäste. Dieser Green Yard ist gemeinsam mit der innovativen Photovoltaik-Fassade das neue Gesicht der Firma Scheugenpflug und zeigt eindrücklich, wie zukunftsorientiert sich das Unternehmen mit den Themen Nachhaltigkeit, Ökologie und Wellbeing positioniert.

Der Baukörper des ECC ist als Ensemble aus drei markanten Volumen organisiert, die Büro-, Schulungs- und Sozialbereiche aufnehmen und über eine verbindende Halle zu einem Ganzen zusammengeführt werden. Diese volumetrische Gliederung vermeidet den Eindruck eines monolithischen Blocks und übersetzt die funktionale Differenzierung in eine fein abgestimmte architektonische Figur. Zugleich trägt sie zu einer klaren Adressbildung nach außen und zu differenzierten Raumsequenzen nach innen bei.
Die verbindende Halle fungiert als witterungsgeschützter Verteiler- und Begegnungsraum. Wie ein räumliches Rückgrat verknüpft sie alle Funktionen miteinander und gibt den Blick frei auf die neue Mitte des Campus. Blickbeziehungen, Tageslichtführung und Wegeführung sind so angelegt, dass eine offene, kollaborative Arbeitsatmosphäre entsteht.

Innenraum, Materialität und Farbkonzept

Die innere Organisation des ECC folgt der Logik klar ablesbarer Raumfiguren. Die kubischen Baukörper präsentieren sich im Inneren mit hellen, weißen Wänden und Decken, die die einzelnen Funktionsbereiche deutlich voneinander abgrenzen. Diese monochrome Klarheit schafft ein hohes Maß an räumlicher Präzision und Konzentration – die weißen Flächen werden zur Leinwand für die technische Welt des Unternehmens.

Im bewussten Kontrast dazu bleibt die verbindende Halle dunkel gehalten. So treten die einzelnen hellen Kuben plastisch hervor und werden als einzelne „Inseln“ wahrgenommen. Die Komposition aus hellen Volumen und dunklem Hintergrund erzeugt eine klare Wahrnehmungshierarchie und unterstützt die Orientierung im Gebäude.

Während die Kuben als abgeschlossene Innenräume für konzentriertes Arbeiten, Besprechungen und Schulungen wirken, löst sich in der Halle die Grenze zwischen Innen- und Außenraum zunehmend auf. Beim Betreten der Halle sind die PV-Module der Fassade durch das Licht- und Schattenspiel bis weit in den Raum hinein erlebbar, was eine starke Verbindung zwischen Innen und Außen, Green Yard und Halle sowie oben und unten schafft – vielfältige Blickbeziehungen durch die Halle hindurch verknüpfen die öffentlichen Bereiche, Erschließungen, das Workcafé für Mitarbeitende und Gäste sowie Freiflächen zum Sitzen im Außenbereich als zentrales Element. Die reduzierten Materialien Glas, Stahl und weißer Putz stellen somit die Kernkompetenz in den Vordergrund und lassen die Raumsequenzen wirken, während ein Interior-Konzept für Wellbeing sorgt.

Grüne Mitte – Aufenthaltsqualität und Gemeinschaft

Mit der Ausbildung des begrünten Innenhofs entsteht eine neue grüne Mitte, die den industriell geprägten Standort in eine parkähnliche Struktur überführt. Der „Green Yard“ fungiert als sozialer Mittelpunkt zum Ankommen der Besucher, für informelle Gespräche, Pausen und Veranstaltungen und erweitert die Arbeitswelt des ECC konsequent ins Freie. Aufenthaltsbereiche, Wegeverbindungen und Blickachsen zwischen Innen- und Außenraum stärken das Erleben von Gemeinschaft, Transparenz und Kompetenz mit den Einblicken in die Produktwelt.

Besucherinnen und Besucher erreichen den Campus über den Green Yard und werden entlang des parkartigen Innenhofs zum Haupteingang geführt. Dieser öffnet sich achsial auf den mittleren Kubus und leitet durch den Windfang in die zweigeschossige, lichtdurchflutete Halle mit Lobby und Cafébar, wo sich eine großzügige, einladende Atmosphäre entfaltet.

Im Obergeschoss dieses Kubus gliedern sich Büroflächen und Besprechungsräume, die durch gezielt gesetzte Öffnungen stets direkte Sichtbeziehungen in die Halle und zum Green Yard ermöglichen – ein bewusster Raumdialog, der Orientierung und Austausch fördert.

Der benachbarte Kubus links fungiert als räumliches Bindeglied zwischen Bestand und Neubau. Er vereint die Mitarbeitenden im Erdgeschoss im neuen Cafeteria-Bereich – sei es am gemeinsamen Mittagstisch oder auf der fließend in den Green Yard übergehenden Terrasse. Im Obergeschoss schaffen Office-Einheiten eine funktionale Verschmelzung von Alt und Neu und stiften so Kontinuität im Arbeitsgeschehen.

Der Innenhof wird so zur identitätsstiftenden Bühne, auf der Kommunikation, Austausch und Zusammenarbeit sichtbar werden. Er spiegelt die Unternehmenskultur im Außenraum wider und macht die Verbindung von technischer Präzision und menschlicher Nähe räumlich erfahrbar – ein Campus, der gleichermaßen Arbeitsumgebung, Lernort und Ort der Begegnung ist und flexible Nutzung je nach Szenario zulässt.

Kundenerlebnis und Markenraum – Die Ausstellungsfläche als Herzstück

Zentrale Bühne des ECC ist die großzügige Ausstellungsfläche im Erdgeschoss des äußersten Kubus, die als funktionales und emotionales Herz des Neubaus wirkt. Bereits nach dem Betreten der Lobby öffnet sich dieser Bereich fließend und gibt den Blick auf die Produktwelt des Unternehmens frei. Hier werden Innovationen, Anlagen, Roboter und Equipment zur Kundennutzung präsentiert. Die räumliche Choreografie führt Besuchende wie von selbst zur Kernkompetenz von Scheugenpflug und macht die technologischen Lösungen unmittelbar erlebbar.

Die Ausstellungsfläche ist aber weit mehr als nur ein musealer Präsentationsraum: Hier wird aktiv geschult, beraten und gemeinsam mit Kunden an Anwendungen gearbeitet. Entstanden ist hier eine moderne Kundenerlebniswelt, die Mitarbeitende und Besuchende gleichermaßen einbindet und jederzeit die neuesten Entwicklungen des Unternehmens in den Mittelpunkt stellt. Durch ihre zentrale Position und die durchgehende Sichtbarkeit aus vielen Bereichen des Gebäudes wird diese Fläche zum identitätsstiftenden Mittelpunkt des ECC und zum räumlichen Ausdruck der Marke.

Technik und Nachhaltigkeit

Die Architektur des ECC macht die Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens sichtbar und integriert technische Performance in eine eigenständige Gestaltungssprache. Die elektronische Kompetenz des Unternehmens wird mittels der Architektur zum Ausdruck gebracht: Das Zusammenfassen der drei Kuben mit einem alles verbindenden Foyer ermöglicht eine Verglasung Richtung Süden und ein bauwerkintegriertes Photovoltaiksystem (BIPV) mit 98 Modulen und 38 kWp. Die Module in der Gebäudehülle sind nach außen ein sichtbares Zeichen für intelligente Architektur, Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Es entsteht ein technisch anmutendes Gebäude in einem grünen Kontext mit einer effizienten Energiebilanz, ergänzt durch eine PV-Überdachung des großen Mitarbeiterparkplatz unmittelbar neben dem Gebäude. Hiermit kann fast 90 Prozent des Gebäudeenergiebedarfs des Neubaus und der zugehörigen Außenanlage abgedeckt werden. Der Neubau erfüllt den KfW-40-Standard und wurde mit dem LEED-Platin-Zertifikat ausgezeichnet. Damit werden hohe Anforderungen an Energieeffizienz, Ressourcenschonung und langfristige Wirtschaftlichkeit erreicht. Die technische und konstruktive Planung erfolgte integral und modellbasiert: Eine BIM-gestützte Vorgehensweise (OpenBIM, ausgezeichnet mit dem BIM-Preis Bayern 2024 in der Kategorie ländlicher Raum) bringt Architektur, Gebäudetechnik und Tragwerk frühzeitig in Einklang und ermöglicht eine hohe Planungs- und Ausführungsqualität.

Mit der parkartig geprägten Campusstruktur und der performativen Gebäudehülle trägt das ECC darüber hinaus zur Aufwertung der umgebenden Industrie- und Gewerbelandschaft bei. Der Standort entwickelt sich so von einem rein funktionalen Produktionsumfeld hin zu einem qualitätsvollen Arbeits- und Entwicklungsort, an dem das Unternehmen gemeinsam mit Partnern an den Lösungen von morgen arbeitet.

Fazit

In der Summe verbindet das Electronics Competence Center eine klar gegliederte, technisch geprägte Architektursprache mit einer grünen, menschorientierten Campusmitte. Der gegliederte Baukörper mit nuanciertem Farb- und Lichtkonzept, die performative PhotovoltaikFassade, die vielschichtige Innenraumorganisation und der „Green Yard“ als neue Mitte, schaffen ein integriertes Arbeits- und Erlebnisumfeld, das die Identität von Atlas Copco EPS GmbH räumlich verdichtet. Fassade, die vielschichtige Innenraumorganisation und der „Green Yard“ als neue Mitte schaffen ein integriertes Arbeits- und Erlebnisumfeld, das die Identität von Scheugenpflug räumlich verdichtet.