Projektdaten
| Kategorie | Realisierte Bauwerke |
|---|---|
| BauherrIn | Joh. Vögele KG |
| PlanerIn | Hippmann Architekten BDA |
| Fertigstellung | 01.2025 |
| Ort | Ahrensburg |
| Weitere Projektbeteiligte | DSH Ingenieure GmbH, Kempten im Allgäu Holzbau Saurer GmbH & Co. KG, Höfen |
| Bildnachweis | Markus Guhl |
So wurde auch das neue Logistikgebäude in Schleswig-Holstein unter diesen Prämissen umgesetzt und verkörpert somit auch im Bereich Architektur die Firmenphilosophie. Zum ersten Mal wurde in Deutschland ein Gefahrgutlager in Holzbauweise umgesetzt und stellt damit einen Meilenstein in der modernen Holzbauarchitektur dar. Die besondere Gebäudetypologie unterliegt höchsten Anforderungen an Brand- und Gewässerschutz, was die Planung und Ausführung maßgeblich prägte. Die Umsetzung erforderte einen unkonventionellen Planungsprozess mit teils völlig neuen Ansätzen, um alle technischen und gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, ohne dabei Abstriche in Funktionalität, Gebrauchstauglichkeit oder architektonischer Qualität machen zu müssen. Bereits in der Leistungsphase 2 wurde der Prüfsachverständige für Brandschutz eingebunden, um eine frühzeitige Abstimmung aller Planungsbeteiligten sicherzustellen und den gesamten Planungs- und Bauprozess zu optimieren. Das Gebäude wurde zudem als konsequent recycle- und trennbare Konstruktion entwickelt und folgt damit einem zukunftsorientierten Material- und Ressourcenkonzept.
Architektur
Städtebaulich fügt sich der Baukörper zurückhaltend, aber eigenständig in das Industriegebiet ein. Seine schlichte Außenhülle verleiht ihm eine harmonische Anmutung. Die Kombination aus horizontalem Brandriegel und vertikalen Holzlatten-Elementen verleiht dem Gebäude eine klare Sprache.
Der erste Bauabschnitt des Gefahrgutlagers mit integrierten Büro-, Labor- und Sozialräumen liegt im Südwesten des Grundstücks, erstreckt sich über zwei oberirdische Geschosse und ist nicht unterkellert. Betreten wird das Gebäude über ein großzügiges, zweigeschossiges Foyer mit sichtbarer Holzbalkendecke und Oberlicht. Von hier gelangt man direkt ins Logistikbüro, das mit seinem Blick auf die Anlieferzone einen guten betrieblichen Überblick ermöglicht, sowie in die Warenannahme oder ins Obergeschoss. Die zwei Gefahrgutkammern mit je 490 m² werden über Fenster und Oberlichter mit natürlichem Tageslicht versorgt. In ihnen werden hauptsächlich ätherische Öle gelagert, umgeschlagen und kommissioniert, die hauptsächlich der Lebensmittelindustrie zur Verfügung gestellt werden. Diese Stoffe werden gemäß Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) als Gefahrstoffe mit entsprechenden Gefährlichkeitsmerkmalen eingestuft und stellen damit besondere Anforderungen an Planung, Konstruktion und Betrieb.
Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit war von Beginn an kein nachträglicher Gedanke, sondern integraler Bestandteil der Planung. Die Wahl der Holzbauweise steht dabei im Mittelpunkt: Holz als nachwachsender Rohstoff bindet CO₂ langfristig und weist im Vergleich zu konventionellen Baustoffen eine deutlich bessere Ökobilanz auf. Zudem wurde das Gebäude als KfW-Effizienzgebäude 40 konzipiert. Gebäudehülle und anlagentechnische Konfiguration sind passivhaustauglich und gewährleisten einen äußerst geringen Energiebedarf.
Die Wärme- und Kälteversorgung erfolgt zu einhundert Prozent regenerativ über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach in Kombination mit stromgeführten Wärmepumpen und einer raumlufttechnischen Anlage mit Abwärmenutzung. Unterstützt wird dieser Ansatz durch reversierbare Wärmepumpen, die mit lokal erzeugtem Photovoltaikstrom betrieben werden und sowohl effizientes Heizen als auch Kühlen ermöglichen. Der Einsatz von Materialien wie Lehmputz und Linoleum in den Innenräumen rundet das ökologische Gesamtkonzept ab: natürlich, emissionsarm und langlebig. Das Gebäude zeigt, dass auch im industriellen Bereich, auch unter den besonderen Anforderungen eines Gefahrgutlagers, eine nachhaltige Bauweise möglich ist.
Ökonomie
Nachhaltiges Bauen und wirtschaftliches Denken schließen sich nicht aus. Die Holzbauweise bietet durch den hohen Vorfertigungsgrad der Elemente einen entscheidenden Vorteil: Bauteile werden weitgehend in der Werkstatt vorgefertigt und auf der Baustelle nur noch montiert. Das verkürzt die Bauzeit erheblich, reduziert Fehlerquellen und minimiert Beeinträchtigungen des laufenden Betriebs auf dem angrenzenden Gelände. Auch im Betrieb wirkt sich das energetische Konzept langfristig wirtschaftlich aus. Die regenerative Eigenenergieversorgung senkt den externen Energiebezug deutlich und erhöht die Unabhängigkeit von Energiepreisentwicklungen.
Flexibilität
Ein weiterer Aspekt, der bei der Planung bewusst mitgedacht wurde, ist die Anpassungsfähigkeit des Gebäudes. Die klare, stützenfreie Grundstruktur der Lagerhalle ermöglicht eine flexible Nutzung und Belegung der Flächen, was ein entscheidender Vorteil in einer Branche ist, in der sich Logistikanforderungen stetig verändern. Sollten zukünftig andere Lagerkapazitäten oder veränderte Abläufe erforderlich sein, kann das Gebäude ohne große Eingriffe angepasst werden. Auch die Tragstruktur in Holz unterstützt diesen Gedanken. Im Vergleich zu massiven Betonkonstruktionen lassen sich Holzbauten leichter rückbauen, umnutzen oder erweitern. Das Gebäude ist damit nicht nur für den heutigen Bedarf gebaut, sondern offen für das, was zukünftig gebraucht wird.
Konstruktion und Gebäudetechnik
Das Gebäude wurde überwiegend in Holzbauweise errichtet. Der Erschließungskern mit Treppe und Aufzug wurde in Beton ausgeführt, um die notwendige Stabilität, Aussteifung und die brandschutztechnischen Anforderungen sicherzustellen. Die Haustechnik ist eng auf die besonderen Anforderungen des Gefahrgutlagers abgestimmt: Ein kombiniertes Lüftungs- und Stickstoff-Löschsystem sorgt für zuverlässige Frischluftversorgung, angenehmes Raumklima und wirksamen Schutz im Ernstfall. Sämtliche Bereiche des Gebäudes einschließlich der Zufahrt sind barrierefrei erschließbar.
Materialität
Im Inneren entsteht durch die Wahl natürlicher Materialien eine Atmosphäre, die man in einem Industriebau nicht unbedingt erwartet und die genau deshalb wirkt. Sichtbare Holzbalkendecken im Foyer, ein Lounge-Bereich, ein betriebsinternes Café und eine Loggia schaffen Orte, an denen man sich auch im Arbeitsalltag wohlfühlt. Holzdecken, Holzverkleidungen, Lehmputz und Linoleumboden in den Büro- und Aufenthaltsbereichen sorgen für hohe Aufenthaltsqualität.
Das Brandschutzkonzept schrieb im Erdgeschoss eine Metallfassade vor, im Obergeschoss war eine Holzfassade möglich. Die gestalterische Lösung hier war, beide Materialien so aufeinander abzustimmen, dass sie optisch ineinander übergehen und das Gebäude als einheitliches Ganzes erscheint, ohne dass die unterschiedlichen Anforderungen von außen ablesbar werden. Technik und Gestaltung greifen hier, wie im gesamten Projekt, nahtlos ineinander.




