Pfalzgraf Konditorei

Projektdaten

KategorieRealisierte Bauwerke
BauherrInPfalzgraf Konditorei GmbH
PlanerInSCHMELZLE+PARTNER MBB ARCHITEKTEN BDA
Fertigstellung06.2025
OrtPfalzgrafenweiler
Weitere ProjektbeteiligteIngenieurbüro Isenmann Planungsgesellschaft mbH, INGENIEURBÜRO FÜR BAUPHYSIK HORSTMANN+BERGER, Geisel GmbH Ingenieurbüro für Grossküchentechnik, GEPLAN DESIGN Planungsgesellschaft mbH, Bugenings & Eisenbeis GmbH & Co. KG
BildnachweisSteffen Schrägle, Bernhard Kahrmann & Niklas Brumund

Die aktuelle Erweiterung BA III der Pfalzgraf Konditorei basiert auf einem Masterplan, der bereits 2007 entwickelt wurde. Mit dem nun realisierten Bauabschnitt wird diese Planung räumlich und funktional konsequent vollendet.

Am 23. Mai 2015 zerstörte ein Großbrand die gesamte Produktionsstätte mit über 20.000 m² Fläche.
Eine der größten Brandkatastrophen in Baden-Württemberg nach dem Zweiten Weltkrieg. In enger
Zusammenarbeit mit rund 30 Partnern wurde ein hochkomplexer Sanierungs- und Neubauprozess
umgesetzt. Bereits nach neun Monaten konnte die Produktion wieder aufgenommen werden. 2020
war die Wiederaufbauphase formal abgeschlossen.

Mit der Fertigstellung des BA III im Jahr 2025 schließt sich nun die Baulücke zwischen den statisch
vorbereiteten Bauabschnitten 1 und 2. Bereits vorbereitete Übergänge werden genutzt, Produktion und
Lagerflächen zu einem durchgängigen Ensemble zusammengeführt. Durch die Erweiterung wurde
die Voraussetzung geschaffen, die Tageskapazität auf 40.000 Kuchen und Torten zu steigern.
Die Umsetzung erfolgte im laufenden Betrieb. Während auf einer Gebäudeseite produziert wurde,
wurden auf der anderen Stahlbetonwände neu betoniert und ergänzt ohne Unterbrechungen der
Fertigung.

Architektonisch prägend ist der gebogene Stahlbau, der das über der gesamten Produktion verlaufende
Technikplenum aufnimmt und die äußere Gebäudekontur definiert. In diesem Plenum bündeln sich
unterschiedlichste technische Anforderungen: Von großdimensionierten Lüdungsgeräten und Kanälen
bis zu kleineren Leitungsführungen. Die variierenden Höhen und Volumina erklären die geschwungene
Dachform.

Weiße Aluverbundpaneele sowie eine Stehfalzblechverkleidung an der Nordfassade und auf dem Dach
fassen das Volumen zu einem klar ablesbaren, industriell geprägten Baukörper zusammen. Großzügige
Fensterbänder an der Ost- und Westfassade führen Tageslicht tief in das Gebäude und sichern eine
natürliche Belichtung auch in tieferen Raumschichten.

Die Reinraumproduktion bestimmt Materialität und Organisation. Über den Produktionsbereichen
verlaufen begehbare Hygienepaneeldecken, sodass Revisionsarbeiten vom Technikplenum aus
erfolgen können, ohne den Betrieb zu beeinträchtigen. Ein „schwarzes“ Treppenhaus erschließt das
Technikplenum separat für externe Wartungseinsätze. Ein „weißes“ Treppenhaus dient der internen
Erschließung innerhalb der sauberen Zone. Die konsequente Trennung sichert dauerhad hohe
hygienische Standards.

Im Innenraum dominieren weiße Hygienepaneele und technisch präzise Oberflächen. Um die kühle
Materialität auszubalancieren, wurde der im Gefälle verlegte Polyurethantboden in einem warmen
Farbton ausgeführt und die Beleuchtung entsprechend abgestimmt. So entsteht trotz hochfunktionaler
Umgebung eine angenehmere, subjektiv wärmere Raumatmosphäre.

Große Spannweiten ermöglichen flexible Produktionsflächen; Innenwände aus demontierbaren
Hygienepaneelen erlauben Anpassungen ohne Eingriffe im Tragwerk.

Die gesamte Dachfläche wurde mit einer Photovoltaikanlage (429 kWp) belegt. Ergänzt wird das
Energiekonzept durch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sowie eine vollflächige
Betonaktivierung, die nach der nächtlichen Reinigung eine schnelle Trocknung ermöglicht.

Der Bauabschnitt 3 markiert den Abschluss eines langfris2g entwickelten Masterplans: Technisch
präzise umgesetzt und auf zukünftige Produk2onsanforderungen ausgerichtet.

Zudem erfüllt der BA III die Anforderungen des Qualitätssiegels QNG-Plus und steht damit für hohe
ökologische, ökonomische und soziale Standards sowie langfristige Nutzungsflexibilität.