TRUMPF Campus, Ditzingen – Masterplan

Projektdaten

KategorieStädtebauliche Anlagen
BauherrInTRUMPF GmbH + Co. KG, Ditzingen
PlanerInBarkow Leibinger
Fertigstellung01.2026
OrtDitzingen
BildnachweisDavid Franck | Stefan Müller | Simon Menges & Nino Tugushi

TRUMPF ist ein weltweit führendes Unternehmen der Fertigungstechnik. Durch die Einführung der Lasertechnologie ab den 1970er-Jahren erlebte das mittelständische Familienunternehmen ein enormes weltweites Wachstum. Als das Büro Barkow Leibinger in den späten 1990er-Jahren mit der Arbeit am Masterplan begann, war der Bestand am Stammsitz geprägt von der im Industriebau typischen Trennung zwischen „White-Collar“- und „Blue-Collar“-Bereichen – also großen Hallen für die Arbeiter in Blaumännern und separat stehenden, kleinmaßstäblichen Bürogebäuden für die Verwaltungsmitarbeiter mit ihren weißen Hemdkragen.

Um die notwendigen Erweiterungen realisieren zu können, erwarb TRUMPF ehemals landwirtschaftlich genutzte Flächen westlich des bisherigen Firmengeländes. Barkow Leibinger entwickelte einen sogenannten „Soft Masterplan“, ein planerisches Grundgerüst, das flexibel auf künftigen Erweiterungsbedarf und unterschiedliche Raumprogramme reagieren kann. Bis heute wurde die Laserfabrik diesem Konzept folgend in drei Bauphasen erweitert. Entlang einer zentralen Entwicklungsachse erstrecken sich die neuen Hallenkomplexe, in denen die strikte Trennung zwischen Büro- und Produktionsbereichen aufgehoben ist.

Jeder Bauabschnitt auf dem Campus hat eine eigenständige architektonische Identität und konnte frei von zwingenden Vorgaben einer „Corporate Identity“ entwickelt werden. So entstand ein Campus von hoher architektonischer Vielfalt, auf dem innovativ Konstruktionsweisen und Arbeitsplatzkonzepte umgesetzt wurden. Eine grundlegende Überzeugung der Unternehmensleitung ist, dass hochwertige Architektur und damit die räumliche Qualität des Arbeitsplatzes unmittelbar die Qualität der Arbeit beeinflusst.

Der gesamte Campus ist über ein Tunnelsystem verbunden, über das Personen- und Warenströme wetterunabhängig von Gebäude zu Gebäude geführt werden können. Neu hinzukommende Gebäude werden jeweils an dieses Infrastruktursystem angeschlossen, dessen zentrales Rückgrat die Verbindungsachse zwischen den östlichen und westlichen Werkteilen bildet.

Es gilt der Grundsatz, dass Fabrikgelände niemals vollendet sind, sodass das „Soft- Masterplanning“-Konzept die besten Voraussetzungen für fortlaufende Planungen und die Zukunft schafft. Der Campus ist kein abgeschlossenes Ensemble, sondern ein fortlaufender Prozess: Jedes Gebäude besitzt eine eigene Identität und bleibt zugleich Teil einer übergeordneten räumlichen Ordnung. Das „Soft Masterplanning“ schafft die strukturellen Voraussetzungen für Wachstum, Transformation und kontinuierliche Weiterentwicklung.

2000 beginnt mit dem ersten Bauabschnitt der Laserfabrik die Umsetzung dieser Strategie. Entlang der neuen Achse entstehen Hallen, die Produktion, Entwicklung und Verwaltung räumlich verschränken. Transparente Zonen, Sichtbezüge und hybride Arbeitsbereiche lösen die klassische Dichotomie von „White Collar“ und „Blue Collar“ auf. Die Architektur artikuliert Prozess, Präzision und industrielle Logik – nicht als Repräsentation, sondern als gebaute Organisation.

2003 folgt das Vertriebs- und Servicezentrum. Der Bau schafft eine Büroarbeitswelt für rund 300 Mitarbeitende, organisiert flexible, teamorientierte Arbeitsbereiche über ein Split-Level-System und integriert Lobby, Auditorium sowie Ausstellungsflächen. Eine Doppelfassade fungiert als akustischer Filter und klimatische Pufferzone. Das Gebäude markiert den östlichen Auftakt des Campus.

Durch die Umnutzung einer ehemaligen Gewürzmühle aus den 1970er-Jahren wurde der Standort nach Osten zu einem Campus erweitert. Zwischen 2005 und 2007 wurde der Bestandsbau im Zuge von Teilrückbau, Sanierung und Erweiterung zum Dienstleistungszentrum umgebaut und dient seither Schulungsbereichen für Fortbildungen und Kundentrainings.

Zwischen 2007 und 2009 entstanden am TRUMPFHauptsitz die neue Hauptpforte und das Betriebsrestaurant „Blautopf“. Die Pforte übernimmt die Funktion des zentralen Eingangsbereichs, während das fünfeckige Betriebsrestaurant als zentrale Mitte des Campus mit bis zu 700 Sitzplätzen, variabler Bestuhlung für Veranstaltungen und großzügigen, lichtdurchfluteten Innenräumen die Arbeitswelt bereichert.

2009–2010 bündelt das Entwicklungszentrum Forschung, Labore und Werkstätten in einem integrativen Gefüge. Das Gebäude verdichtet die internen Arbeitsprozesse und markiert einen weiteren Baustein innerhalb der Gesamtstrategie. 2015 entsteht eine neue Werkhalle, die die Produktionsflächen entlang der Entwicklungsachse ergänzt. In den Jahren 2015– 2017 wird die Laserfabrik erneut erweitert;

2017 wird das Logistikzentrum an der westlichen Kante des Areals realisiert. Mit seiner großmaßstäblichen Grundfläche organisiert es Material- und Warenflüsse neu und ist infrastrukturell an das bestehende System angebunden. Die Halle bietet großzügige, freie Flächen für Lager- und Transportsysteme, darüber liegt eine Bürospange mit Großraumbüros und Nebenräumen, westlich ist eine unterirdische Technikspange angeordnet.

Das 2018 fertiggestellte Parkhaus verweist mit seiner aus lasergeschnittenen Metall-Finnen bestehenden Fassade auf die Kernkompetenz des Unternehmens. Der Neubau (66 × 82 m) wurde in Stahl- und Stahlbeton-Systembauweise effizient errichtet, besteht aus zwei versetzten Baukörpern zum Erhalt eines Nussbaums und umfasst elf Splitlevel-Ebenen mit über 900 Auto-, 172 Fahrrad- sowie bis zu 400 E-Ladeplätzen.

Der 2019 errichtete Betriebskindergarten ist eine eingeschossige, vorgefertigte Massivholzkonstruktion für 75 Kinder. Das Gebäude fügt sich mit niedrigem Baukörper und begrüntem Satteldach sensibel in die Umgebung ein, ist leimfrei aus PEFC-zertifiziertem Holz gefertigt, auf Wiederverwendung ausgelegt und wird nachhaltig per Pelletheizung betrieben (KfW-55-Standard).

Das 2021 eröffnete Fitness- und Betriebssportzentrum steht für die vertikale Verdichtung des Campus und den Wandel der Unternehmenskultur hin zu mehr Austausch und Mitarbeiterorientierung. Der 7.400 m² große Holzbau wurde auf das Dach des Logistikzentrums gesetzt und umfasst Fitness-, Kurs- und Yogabereiche sowie eine 3-Feld-Sporthalle. Die leichte Leimholzkonstruktion reduziert Gewicht und CO2, während begrünte Dachflächen und großzügige Verglasungen Funktionalität, Lärmschutz und Aufenthaltsqualität verbinden.

2023 wird das Ausbildungszentrum fertiggestellt. In polygonaler Holz-Hybridbauweise umfasst es Schulungs-, Besprechungs- und Sozialräume sowie Werkstätten und Maschinenhallen, in denen bis zu 100 Nachwuchskräfte die Grundlagen des Werkzeugmaschinenbaus erlernen. Herzstück des Gebäudes ist ein hexagonales Auditorium für bis zu 400 Personen.

2024 werden die neue Werkhalle als letzter Abschnitt der Produktionshalle und die neue Pforte fertiggestellt. Die Werkhalle vereint – wie schon in den Bauabschnitten zuvor – Büro- und Produktionsflächen, ist an das bestehende Tunnelsystem angeschlossen und setzt die durch die früheren Bauabschnitte etablierte Verbindung von Arbeitswelten und Produktionsbereichen fort.

Ein unterirdisches Tunnelsystem verbindet alle Gebäude des Campus zu einem witterungsunabhängigen Netzwerk. Neue Baukörper werden an dieses infrastrukturelle Rückgrat angeschlossen und fügen sich nahtlos in die zentrale Entwicklungsachse ein, wodurch Material-, Personen- und Warenströme effizient und flexibel über das gesamte Gelände geführt werden können.