Projektdaten
| Kategorie | Städtebauliche Anlagen |
|---|---|
| BauherrIn | HOS Anlagen und Beteiligungen GmbH & Co. KG |
| PlanerIn | Schmidt Plöcker Architekten PartG mbB |
| Fertigstellung | 2026 |
| Ort | Wendlingen a. Neckar |
| Weitere Projektbeteiligte | Rustler Schriever Architekten PartG mbB (Entwurfsplaner | Gewinner städtebaulicher Wettbewerb) | albrings + müller ag (Bauherrenvertretung) | Gustav Epple Bauunternehmung GmbH (Generalunternehmer) | Dr. Raquel Jaureguízar (Projektleitung) |
| Bildnachweis | HOS | Daniel Stauch Photography |
Gebäudetechnik, Ökonomie und Nachhaltigkeit demonstriert. Auf rund 9.000 m ² wird ein prägender Industriebau zu einem modernen Arbeits- und Community-Standort transformiert – als Initialzündung für ein gemischt genutztes, zukunftsfähiges Stadtquartier im Sinne der IBA ’27. Unter dem Leitmotiv „den Faden weiterspinnen“ wird die industrielle Baugeschichte nicht konserviert, sondern als identitätsstiftende Ressource in eine produktive Zukunft überführt.
Gestalt und Weiterbauen im Bestand
Die charakteristische Klinkerfassade, historische Stahlträger und großformatige Sprossenfenster bleiben erhalten und prägen die Atmosphäre. Neue Eingriffe sind klar ablesbar und respektieren Proportion und Struktur des Bestands. Die schlichte Aufstockung d es ehemaligen Batteurbaus fügt sich selbstverständlich ein; die ehemals äußere Fassade bleibt im Inneren sichtbar und verbindet Alt und Neu eindrucksvoll.
Ein zentrales Element ist die Restaurierung der historischen Stahl – Panzerfenster: Durch den Einsatz von Vakuumglas werden energetische Anforderungen erfüllt, ohne die architektonische Identität zu verlieren.
Funktion, Flexibilität und soziale Mischung
Die robuste Industriearchitektur mit großen Spannweiten und hohen Decken ermöglicht flexible, teilbare Büroflächen, Co – Working- Spaces, Veranstaltungsbereiche und eine öffentlich zugängliche Kantine als sozialer Mittelpunkt. Neue Installationsschächte und barrierefreie Erschließung sichern langfristige Anpassungsfähigkeit. Mit einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung und einer Inklusionskantine wird das Gebäude zu einem Ort gelebter Vielfalt. Start-ups, Handwerk, Kreativwirtschaft und soziale Einrichtungen arbeiten hier Tür an Tür – ein baulich unterstütztes Modell der produktiven Stadt.
Konstruktion, Technik und Ressourcenschonung
Der Bestand wird konsequent als materielle Ressource verstanden. Historische Bauteile bleiben erhalten oder werden konstruktiv weiterverwendet; Erneuerungen erfolgen mit Blick auf Dauerhaftigkeit und Lebenszyklusqualität. Die Gebäudetechnik knüpft an die industrielle Energiegeschichte an: Drei historische Wasserturbinen erzeugen rund 3 Mio. kWh Strom pro Jahr. Ergänzt durch Photovoltaik und die geplante Nutzung von Flusswärme mit Wärmepumpen entsteht schrittweise ein energiepositives, perspektivisch CO ₂- negatives Quartier. Optimierte Gebäudehülle, Vakuumverglasung und die thermische Speichermasse des Bestandsreduzieren den Energiebedarf erheblich.
DEN FADEN WEITERSPINNEN – Entwicklung des Gesamtquartiers
Die Transformation des Hochbaus ist Teil einer übergeordneten Quartiersstrategie. Der 2022 ausgelobte städtebauliche Wettbewerb mit landschaftlichem Ideenteil bildet den strategischen Rahmen für ein lebendiges, produktives und klimapositives Stadtquartier. Neben dem Bestandsensemble wird auch das angrenzende Brachareal qualitätsvoll nachverdichtet.
Bereits heute sind zentrale Bausteine aktiviert:
Das Textilfachgeschäft „Luxorette“ führt die Geschichte des Ortes fort. Die Stiftung „Leben inklusiv e.V.“ etabliert inklusive Arbeits- und Gastronomieangebote. Der Kreisjugendring Esslingen stärkt das Quartier als Ort der Jugendbeteiligung und Bildungsarbeit. Mit dem Batterie-Start-up „Batene“ zieht zugleich technologieorientierte Forschung ein, die an innovativen Energiespeichern arbeitet. Das sanierte Baumwollmagazin („Pentagon“) beherbergt junge Unternehmen. Die revitalisierten alten Werkstätten wurden zu flexibel nutzbaren Veranstaltungs- und Eventflächen umgebaut und erweitern das Spektrum öffentlicher und kultureller Nutzungen; weitere geplante Angebote wie das Quartierscafé stärken die Aufenthaltsqualität.
So entsteht Schritt für Schritt ein gemischt genutztes Quartier, das Arbeiten, Forschen, Produzieren, Inklusion und Öffentlichkeit räumlich und programmatisch verknüpft.
Übertragbarkeit und Vorbildcharakter
Die Revitalisierung ist bewusst als Modellprojekt angelegt. Ziel ist nicht die isolierte Sanierung eines Einzelgebäudes, sondern die Entwicklung eines übertragbaren Transformationsansatzes für historische Industriestandorte:
- Weiterbauen statt Abriss
- Bestand als energetische und kulturelle Ressource
- Energieproduktion im Quartiersmaßstab
- Flexible, umnutzbare Strukturen
- Verbindung von Innovation, Handwerk und Inklusion
Damit entsteht nicht nur ein revitalisiertes Baudenkmal, sondern ein skalierbares Entwicklungsmodell für die nachhaltige Reaktivierung industrieller Kulturlandschaften im urbanen Kontext







