Projektdaten
| Kategorie | Nachwuchs |
|---|---|
| Art der Arbeit | Semesterarbeit |
| BetreuerIn | Paul Hensgen/Manuela Schönenberger |
| PrüferIn | Prof. Adrien Verschuere |
| BearbeiterIn | Junjie Long, Hoang Huong Giang Do |
| Studiengang/Hochschule | Universität Stuttgart, Architektur und Stadtplanung |
Durch einen systematischen Rückbau sowie eine bauteilbezogene Transformation werden die ursprünglichen Infrastrukturelemente der Brücke in einen neuen architektonischen Kontext überführt. Der neu errichtete Gebäudestandort befindet sich außerhalb des ursprünglichen Brückenstandorts, in einer Entfernung von etwa 1,17 km, auf dem Gelände von Öhringen Kultura. Indem die Brücke von ihrer ursprünglichen Verkehrs- und linearen Infrastrukturfunktion entkoppelt und in einem neuen städtischen Umfeld neu zusammengesetzt und genutzt wird, untersucht das Projekt das Potenzial von Infrastrukturbauten als architektonische und räumliche Ressource, nachdem sie ihre ursprüngliche Funktion verloren haben.
Das Projekt verfolgt bewusst keinen konventionellen Abriss, sondern basiert auf der Strategie, Demontage – Transformation – Rekonstruktion“. Ziel ist es, die Lebensdauer bestehender Infrastrukturen signifikant zu verlängern, die grauen Emissionen deutlich zu reduzieren und ingenieurtechnische Relikte in tragfähige räumliche und architektonische Ressourcen zu überführen.
Priorität hat die direkte Wiederverwendung der tragenden Brückenbauteile, darunter Spannbetonträger, Fahrbahnplatten, Lager sowie Widerlagerwände, wobei die ursprüngliche strukturelle Logik und das Lastabtragungssystem weitgehend erhalten bleiben. Durch die Minimierung von Nachbearbeitung, Zerkleinerung oder Wiederaufschmelzung wird der Energieaufwand im Materialkreislauf erheblich reduziert. Gleichzeitig ist das Gebäudesystem auf hohe Reversibilität und zukünftige Anpassungsfähigkeit ausgelegt, um auf sich verändernde Nutzungsanforderungen reagieren zu können.
Raumkonzept
Das Raumkonzept zielt darauf ab, eine Abfolge von funktional nicht strikt festgelegten, atmosphärisch differenzierten offenen Räumen zu schaffen, um ein Höchstmaß an Nutzungsfreiheit und Flexibilität zu ermöglichen:
- Erdgeschoss: Einsatz eines abgehängten Deckensystems, das einen durchlässigen, spannungsvollen öffentlichen Raum erzeugt
- Obergeschoss: Ein Wintergarten fungiert als klimatischer und räumlicher Übergangsraum zwischen Innen und Außen
- Dachgeschoss: Als öffentlich zugänglicher, begrünter Stadtraum definiert und zugleich als Kompensation für die Inanspruchnahme urbaner Grünflächen
- Serviceräume (Treppenhäuser, Sanitärbereiche) sind klar von den Nutzräumen getrennt, um die atmosphärische Klarheit der bedienten Räume zu bewahren
Sekundärstruktur / Fassadenkonzept
Die Sekundärstruktur entwickelt sich aus der Primärstruktur heraus und übernimmt sowohl die Funktion der äußeren Gebäudehülle als auch die räumliche Differenzierung der Innenräume. Die Montage ist bewusst einfach und effizient konzipiert und minimiert Eingriffe sowie potenzielle Beschädigungen der bestehenden Tragstruktur. Die wiederverwendeten Betonbauteile werden mit neu hinzugefügten leichten
Stahlstrukturen, Stampflehmböden sowie einer ETFE-Kissenfassade kombiniert und bilden ein hybrides Trag- und Fassadensystem mit folgenden Eigenschaften:
- Klare Unterscheidbarkeit zwischen wiederverwendeten und neuen Bauteilen
- Deutlich verbesserte natürliche Belichtung
- Insbesondere das ETFE-Fassadensystem erzeugt durch seine Leichtigkeit und Halbtransparenz einen starken Kontrast zur Massivität des Betons und etabliert einen architektonischen Dialog zwischen Schwere und Leichtigkeit
Das Projekt strebt eine ausgewogene Balance zwischen architektonischer Ästhetik, struktureller Logik, Tragwerksmechanik, Ökonomie, Konstruktion und Nachhaltigkeit an und versteht Infrastruktur nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt architektonischer Transformation.




