Projektdaten
| Kategorie | Nachwuchs |
|---|---|
| Art der Arbeit | Semesterarbeit |
| BetreuerIn | Dipl.-Ing. Alexander Lenk, Architekt |
| PrüferIn | Univ.-Prof. Dr. Christian Stoy, Prof. Dipl.-Ing. Martina Bauer |
| BearbeiterIn | Julia Hasselwander, Marlene Faßnacht, Marissa Schmid, Charlotte Geiger |
| Studiengang/Hochschule | Universität Stuttgart, Architektur und Stadtplanung |
Ziel ist es, Leerstand zu vermeiden, vorhandene Bausubstanz qualitätvoll weiterzuentwickeln und ein wirtschaftlich tragfähiges sowie langfristig flexibles Nutzungskonzept zu etablieren. Ausgangspunkt unserer Arbeit war eine intensive Analyse der räumlichen, sozialen und ökonomischen Gegebenheiten sowie die Auswertung eines von Bosch initiierten Bürgerworkshops. Daraus entstand ein Entwurf, der die Potenziale des Ortes aufgreift und in ein zukunftsorientiertes Gesamtkonzept überführt.
Unser Leitthema „wine life balance“ bündelt die drei zentralen Aspekte, die das Bühlertal prägen: Wein, Gemeinschaft und Gesundheit. Es dient als konzeptionelle Klammer für Architektur, Nutzung und Wirtschaftlichkeit. Das Areal liegt in unmittelbarer Zentrumsnähe und besitzt durch seine Lage an der Landesstraße eine hohe Sichtbarkeit. Gleichzeitig wurde diese Straße bislang als trennendes Element wahrgenommen. Unser Entwurf versteht das Grundstück daher als verbindendes Gelenk zwischen zwei Ortshälften. Eine klare, durchgängige Achse führt durch das Quartier und schafft visuelle sowie funktionale Bezüge. Eine großzügige Treppenanlage verbindet den zentralen Platzbereich mit der höher gelegenen Talgarage und öffnet den Raum in Richtung Landschaft.
Durch die vorgeschlagene Verkehrsberuhigung mit Tempo 30 sowie einem Kreisverkehr wird die Querung erleichtert, die Aufenthaltsqualität gesteigert und das Areal stärker in den Ortsraum integriert. Das Boschareal transformiert sich so vom isolierten Gewerbestandort zu einem lebendigen Zentrum für alle Generationen.
Das Bühlertal ist von Weinbergen umgeben; der Weinbau ist identitätsstiftend und kulturell tief verankert. Dieser Kontext findet im Entwurf eine architektonische Übersetzung. Im obersten Geschoss des Hochhauses entsteht der „Weinblick“ – ein öffentlich zugänglicher Aufenthaltsort mit Panoramablick über die Weinlandschaft. Der Ausblick wurde im Workshop als besonders wertvoll hervorgehoben und bildet nun einen emotionalen Höhepunkt des Quartiers. Der „Weinblick“ fungiert als Treffpunkt, Veranstaltungsort und identitätsbildender Raum für Einheimische wie Gäste und schafft ein neues Wahrzeichen im Ortsbild.
Im Zentrum des Konzepts steht der Mensch. Ein Bestandsgebäude wird vollständig in gemeinschaftliche Wohnformen für Seniorinnen und Senioren umgenutzt. Die geplanten Wohngemeinschaften ermöglichen ein selbstbestimmtes, modernes Leben im Alter – mitten im Ort statt am Rand. Gemeinschaftsräume fördern soziale Interaktion, während private Rückzugsorte Individualität sichern. Ziel ist es, Einsamkeit vorzubeugen und neue Modelle des Zusammenlebens zu etablieren. Ergänzend dazu werden im Hochhaus mehrere Geschosse für temporäre Wohnformen genutzt. Unterschiedliche Apartmenttypen sprechen diverse Zielgruppen an – vom Wochenendgast bis zur Urlauberfamilie. Entscheidendes Merkmal ist die Flexibilität: Sämtliche Einheiten sind so konzipiert, dass sie bei Bedarf in reguläre Mietwohnungen umgewandelt werden können. Das Nutzungskonzept bleibt damit anpassungsfähig gegenüber demografischen oder wirtschaftlichen Veränderungen.
Die ehemalige Kantine wird zum „Inklusionscafé“ transformiert – einem offenen Ort der Begegnung. Hier können insbesondere ältere Menschen ihre Fähigkeiten einbringen, backen, Kurse anbieten oder ihr Wissen weitergeben. Das Café́ fördert Teilhabe, stärkt Selbstwirksamkeit und verbindet Generationen. Gemeinsam mit dem angrenzenden „Platz der Motoren“ bildet es das soziale Herz des Quartiers. Ein weiterer Wunsch der Bürgerschaft war eine kostengünstige, zentrale Nahversorgung. Der integrierte Lebensmittelmarkt reagiert auf dieses Bedürfnis und ist räumlich in das Ensemble eingebunden sowie langfristig umnutzbar, wodurch die bauliche Struktur resilient bleibt.
Als anerkannter Luftkurort bietet das Bühlertal ideale Voraussetzungen für gesundheitsorientierte Angebote. Der geplante „Vitalbereich“ umfasst Saunen, Ruheräume, Kursangebote wie Yoga, Pilates und Tanz sowie physiotherapeutische Einrichtungen. Eine Außensauna mit Liegebereich öffnet den Raum zur Natur und schafft eine Verbindung zwischen Innen- und Außenraum.
Ergänzend dazu werden auch ehemalige Bosch-Parkplätze in der umliegenden Natur in das Konzept integriert. Dort entstehen „Saunen im Weinfass“ sowie „Whirlpools im Weinfass“, eingebettet in Wald und Landschaft. Diese können unkompliziert per App gebucht werden und erweitern den Vitalbereich über das eigentliche Areal hinaus in die Umgebung. So wird die Natur selbst Teil des architektonischen Konzepts und das Thema „Balance“ räumlich erlebbar gemacht.
Der Vitalbereich ergänzt das betreute Wohnen und steigert zugleich die touristische Attraktivität. Als aktives Pendant entsteht die „Aktivhalle“ mit einem zentralen Kletterstein, der sich vom Untergeschoss bis ins Obergeschoss zieht und ein markantes Raumerlebnis schafft. Ergänzend dazu entwickelt sich entlang des Treppenhauses des Hochhauses eine außenliegende Kletterwand, die sich bis zum Dach erstreckt und als weithin sichtbares Highlight fungiert.
Fensteröffnungen zwischen Treppenraum und Kletterwand ermöglichen Blickbeziehungen zwischen den Treppenläufern und den Kletternden und schaffen so eine besondere räumliche Dynamik. Ergänzt durch Sportflächen und einen Ninja-Parcours bietet die Aktivhalle wetterunabhängige Trainingsmöglichkeiten und knüpft an die Wander- und Kletterkultur der Regionen. Ein Fahrradladen mit Verleih fungiert als Start- und Endpunkt für Outdoor-Aktivitäten und stärkt die Vernetzung mit dem Landschaftsraum.
Ein bedeutender Teil des Bestands wird als „Talgarage“ mit Oldtimerstellplätzen und Ausstellung weitergenutzt. Die Lage an einer beliebten Strecke für Oldtimerfahrer macht diese Nutzung wirtschaftlich plausibel. Ein integriertes Café́ sowie eine flexibel abtrennbare Eventhalle ermöglichen Veranstaltungen, Tagungen, Feiern oder Hochzeiten. Die Talgarage wirkt als überregionaler Anziehungspunkt und schafft zusätzliche Einnahmequellen.
Der Entwurf basiert auf der Weiternutzung und Transformation des Bestands und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Ressourcenschonung. Bestehende Tragstrukturen werden erhalten und adaptiert, neue Eingriffe klar ablesbar ergänzt. Flexible Grundrisse, Umnutzungsoptionen und hybride Raumstrukturen gewährleisten langfristige Anpassungsfähigkeit.
Ökonomisch basiert das Konzept auf einem Nutzungsmix aus Wohnen, Gewerbe, Tourismus und Gesundheitsangeboten. Unterschiedliche Einnahmeströme stabilisieren das Gesamtprojekt und reduzieren Abhängigkeiten. Synergien zwischen den Funktionen erhöhen die Aufenthaltsdauer und Attraktivität des Areals.
„Transformationräume“ versteht das ehemalige Boschareal als Chance für einen ganzheitlichen Neuanfang. Durch die Verbindung von Wein, Gemeinschaft und Gesundheit entsteht ein identitätsstiftendes Zentrum für das Bühlertal. Der Entwurf reagiert sensibel auf lokale Bedürfnisse, stärkt bestehende Qualitäten und schafft zugleich neue Perspektiven. Es entsteht ein Ort der Begegnung, der Aktivität und der Erholung – für Jung und Alt, für Bewohner und Gäste – im Sinne einer echten „wine life balance“.













