Heizzentrale Weil am Rhein

Projektdaten

StatusSonderpreis
KategorieRealisierte Bauwerke
BauherrInStadtwerke Weil am Rhein
PlanerInDipl. Ing. Architekt (FH) Frank Trefzer, Stuttgart und Leisinger Architektur, Lörrach
Planungs- und Realisierungszeitraum10.2019
OrtWeil am Rhein
BildnachweisFrank Trefzer

Technikplanung: EWS Energie GmbH, Herr Dr. Daniel Weiß
Bauwerkskosten: 2.230.000€ (300/400)
BGF (A): 304 m2
BRI (A): 1674 m3

Die an der Römerstraße am Rande des Neubaugebietes Hohe Straße neu entstandene Heizzentrale ist ein wichtiger Bestandteil des Nahwärmenetzes der Stadtwerke Weil am Rhein. Die unmittelbare Nähe zum angrenzenden Vitra Campus veranlasste die Stadtwerke Weil am Rhein in Zusammenarbeit mit den Architekten und unter Beratung der EWS ein Gebäude zu konzipieren, das sowohl den komplexen technischen Anforderungen als auch der gestalterischen Verpflichtung gerecht wird.

Mit einer einfachen Architektursprache und einer Reduktion auf wenige Materialien entsteht ein Gebäude mit einer klaren Ästhetik, die über die rein funktionale Unterbringung der technischen Anlage hinausgeht.

Der Sichtbetonbaukörper der Heizzentrale schafft die Städtebauliche Präsenz an der Römertraße, der darunter platzierte Glaskörper gibt dem Gebäude eine Leichtigkeit. Die reduzierte Architektur aus Sichtbeton und Profilglas präsentiert sich selbstbewusst an der Ortseinfahrt und setzt ein Städtebauliches Zeichen. Die transparente Hülle lässt bewusst die technischen Komponenten nach außen wirken und ermöglicht den Passanten Blicke in die innovative technische Anlage aus Heizkessel und ausgeklügelter Filtertechnik.

Auf Grund des knappen Grundstücks, wird die Anlagentechnik auf 4 Ebenen gestapelt. Dadurch wird die Anlage und das Gebäude sehr kompakt gestaltet und die Abläufe von der Anlieferung, über die Verbrennung der Biomasse bis zur Ausleitung der gefilterten und gereinigten Abgase effektiv
hintereinandergeschaltet.

Knapp zweidrittel des gebauten Volumens befindet sich unter der Erde. Der quer zum Gebäude liegende unterirdische Hackschnitzelbunker mit einem Fassungsvermögen von ca. 150 cbm wird über die Römerstraße angedient. Dadurch wird das aktuell entstehende Wohngebiet Hohe Straße nicht durch den LKW Anlieferungsverkehr beeinflusst. Die verschlossenen Aschecontainer werden über eine Kranbahn im überdachten Bereich der Ausfahrt auf den LKW abgesetzt und werden der weiteren Verwertung zugeführt. Auf dem Dach befindet sich eine Photovoltaikanlage.

Die neue Heizzentrale mit einer Leistung von ca. 1600 kW ist ein wichtiger Baustein beim Ausbau des Nahwärmenetzes der Stadtwerke Weil am Rhein. Zusammen mit dem BHKW können durch das Nahwärmenetz ca. 3.000 Haushalte sowie einige Großabnehmer wie Schulen, Rathaus, etc. mit einem umweltfreundlichen Mix aus Holzenergie und hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung versorgt werden. Mit dem Weiler Wärmenetz können mehr als 3.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Dies entspricht dem jährlichen Ausstoß von etwa 2.000 durchschnittlichen Autos. Die Erweiterung des Wärmenetzes ist ein wichtiger Baustein der Klimaschutz-politik der Stadt Weil am Rhein.

Das Wärmenetz der Stadtwerke Weil am Rhein wird laufend ausgebaut und umfasst derzeit eine Länge von ca. 3,6 Kilometern. Bei der Erschließung des angrenzenden Baugebietes „Hohe Straße“ wurden Wärmeleitungen so verlegt, dass alle neuen Gebäude problemlos die umweltfreundliche Wärme aus dem Netz beziehen zu können.

Die eingesetzten Holzhackschnitzel werden aus Grünschnitt und Restholz der Wälder im Landkreis Lörrach hergestellt. Besonderen Wert wurde in der Anlagenplanung auf höchste Effizienz des Systems sowie optimale Abgasreinigung gelegt. Neben einem großdimensionierten Elektrofilter der die Feinstaubemissionen um über 90 % reduziert kommt ein Kondensationswärmetauscher zum Einsatz der die Restwärme des Wasserdampfes im Abgas nutzt und so den Wirkungsgrad der Anlage um 10 bis 20 % erhöht. Ein positiver Nebeneffekt dieses System ist es das eine sichtbare Abgasfahne an der Kaminmündung vermieden wird.

Holz setzt bei der Verbrennung nur so viel CO2 frei, wie der Baum bei dessen Wachstum gebunden hat. Im Gegensatz zu fossilen Energieträgern ergibt sich mit der Energieholznutzung ein geschlossener CO2-Kreislauf. Ein weiterer Vorteil von Holz als Energieträger ist: Die regionale Wertschöpfung wird gesteigert. Es ist schlichtweg unwirtschaftlich, Energie über weite Strecken zu transportieren. Deshalb sind regionale Lieferanten im Vorteil und sorgen dafür, dass die Wertschöpfung aus der Energiebereitstellung vollständig in der Region bleibt.