Neubau Logistik und Produktion | FreiLacke Emil Frei GmbH & Co. KG

Projektdaten

KategorieRealisierte Bauwerke
BauherrInFreiLacke | Emil Frei GmbH & Co. KG
PlanerInSchmelzle+Partner Mbb Architekten BDA
Planungs- und Realisierungszeitraum02/2017 - 09/2019
OrtBräunlingen-Döggingen
BildnachweisSteffen Schrägle

Seit 1926 steht FreiLacke für innovative Farben und Lacke. Das Familienunternehmen wird bereits in dritter Generation geführt und entwickelt am Standort Döggingen / Schwarzwald maßgeschneiderte Lösungen für Kunden aus den Bereichen Räder, Fahrzeugbau, Maschinen- und Apparatebau, Lohnbeschichtung, Funktionsmöbel, Lagertechnik sowie Bau und Sanitär. Die Produktpalette von Europas führendem Systemlack-Anbieter umfasst das gesamte Spektrum von Industrielacken, Pulverlacken und Elektrotauchlacken bis hin zu Durelastic-Oberflächenlösungen für Composites.

Dem modernen Familienunternehmen ist die langfristige Sicherung des Stammsitzes sehr wichtig. Mit dem Neubau „Phase I – Produktion und Logistik“ wurde der erste Meilenstein des mit Schmelzle+Partner Architekten entwickelten Masterplans für den Unternehmensstandort umgesetzt. Im Vorfeld des Bauvorhabens sind logistische Beziehungen analysiert und Materialflussoptimierungen erarbeitet worden. Als einer der bereits mehrfach ausgezeichneten Top Arbeitgeber Deutschlands hat das Unternehmen außerdem sehr hohe Ansprüche an die Qualität der neuen Arbeitsplätze formuliert. Weitere Bauabschnitte im Rahmen des Masterplans sind vorbereitet.

Der klar strukturierte Baukörper in Massivbauweise öffnet sich nach Osten hin mit einer großzügigen Glasfassade, nimmt dabei die Linienführung des Bestands auf, abstrahiert sie und schafft damit die neue, klare und überzeugende architektonische Corporate Identity von FreiLacke. Das Alucobond-Passepartout umrahmt den Sozialtrakt, der produktionsnahe Büros, Schlosserwerkstätten, Besprechungs- und Pausenräume beinhaltet. Durch die konisch zulaufende Fassade wird eine sichtbare Tiefe erzeugt. Ein Lichthof zwischen Bestand und Neubau sorgt dafür, dass die Mitarbeiter an den Dauerarbeitsplätzen in der Abfüllung nun unter Tageslicht arbeiten können. Die Aufenthaltsqualität in den Außenbereichen wird durch einen Freiluftpausenplatz gesteigert. Dieser ist mit umfassender Bepflanzung sowie gemütlicher Möblierung, die das Farbschema des Unternehmenslogos aufgreift, gestaltet.

Das Dach der Halle besteht aus einer weitspannenden Stahlkonstruktion mit akustisch gelochtem Trapezblech. Für nachhaltige Stromerzeugung sorgt eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Mehr als 62 % des Strombedarfs sind dadurch gedeckt. Das gesamte Projekt ist KfW 55-gefördert. Das Fensterband an der Westseite sowie die Lamellenfenster im Sozialtrakt dienen zur Nachtauskühlung. Über die Gebäudeleittechnik werden die Lamellenfenster und der Sonnenschutz vollautomatisch gesteuert, sodass das Gebäude nachts auskühlen kann und der Energieeintrag der Morgensonne minimiert wird.

Im Neubau wurden seitens der Haustechnik eine Kälteerzeugung über offene Verdunstungskühlanlagen (2,5 MW), Kühlwasserbecken (ca. 500 m³), sowie Kältemaschinen (1,0 MW) installiert, welche gemeinsam mit der bestehenden Kälteerzeugung die Bestands-Verbraucher wie auch die neu installierten Kälteverbraucher versorgt. Für die Temperierung des Hochregallagers und der Logistikfläche ist eine Betonkerntemperierung installiert. Zur Spitzenlastdeckung wird der bestehende Kessel mit 300 kW verwendet.

Eine Raumlufttechnische Anlage zur Be- und Entlüftung des Gebäudes mit Wärmerückgewinnung aus den Produktionsprozessen wurde verbaut. Die RLT-Anlagen versorgen die Produktion (31.000 m³/h), die Logistikfläche (8.000 m³/h) sowie die Sozialräume (7.000 m³/h). Die Prozessluft der Produktionsanlagen wird mit fünf dezentralen Anlagen (je 5.760 m³/h) auf 11°C gekühlt und die Abwärme aus der Produktion über ein WRG-Gerät (47.500 m³/h) wieder dem Heizungssystem zugeführt. Für die Staubaspiration wird eine bestehende Filteranlage in den Neubau umgezogen, sowie eine neue dezentrale Staubsauganlage installiert. Ein 300 m³ großes Becken dient als Pufferbehälter für die Wasserspeicherung. Das gesammelte und aufbereitete Regenwasser wird für die Nachspeisung im Kühlwasser und der Adiabaten Abluftbefeuchtung verwendet.

Produktion

In der fünfgeschossigen, voll unterkellerten Produktion findet der gesamte Produktionsablauf linear von oben nach unten statt. Zu Beginn werden die Rohstoffe im Bestandsgebäude nach Rezeptvorgabe eingewogen. Die Rohstoffmischung wird dann in einem Sammelbehälter an der Produktaufgabestation angedockt (Maschinenbestückung). Mittels Fallrohr gelangt die Rohstoffmischung zur Bestückung des Extruders und wechselt vom 1. Obergeschoss in das Erdgeschoss. Nach der Abkühlung wird die Produktion in kleine Chips gebrochen. Nach diesem Arbeitsschritt erfolgt der Übergang in die neue Produktion.

Die Pulverlackchips werden mittels pneumatischer Förderung angesaugt und zur Mühle transportiert. Diese befindet sich im 2. und 3. Obergeschoss des neuen Produktionsgebäudes. In einem Zyklon wird das Fertigprodukt in die gewünschten Korngrößen abgeschieden. Im Nachgang erfolgt der Arbeitsgang „Sieben“ im 1. Obergeschoss sowie als letztes die Abfüllung der Fertigware in diverse Liefergebinde im Erdgeschoss. Im Bereich der Südachse des neuen Produktionsgebäudes finden dann nachgelagerte Prozesse statt, die sich ebenfalls über mehrere Stockwerke erstrecken. Dazu gehören bspw. das Umfüllen von Sackware in Container, Nachmischprozesse oder der Veredelungsprozess Bonding. Anschließend wird das Endprodukt entweder verladen oder eingelagert. Durch Verbindungsbrücken zwischen Produktion und Lager kann das Hochregallager direkt angefahren werden.

Aus dem Bestand wurden die offenen, linearen und über zwei Ebenen verlaufenden Produktionslinien in sogenannte Produktionstürme verlegt, die so eingehaust sind, dass die Bestückung der Maschinen, das vermahlen, das Sieben und Abfüllen des Pulvers trennscharf und ohne Verschmutzung der Umgebung erfolgen können. Sie werden über Krananlagen angedient.
Das gesamte Untergeschoss wurde auf Grund der anstehenden hydrogeologischen Verhältnisse als „Weiße Wanne“ ausgeführt. Die neue Produktionshalle stellt einen eigenen Brandabschnitt dar und ist durch den Lichthof brandschutztechnisch vom Bestand getrennt.

Logistik

Südlich schließt sich die Logistik an die neue Produktion an, die von Osten her über Laderampen angedient wird und von wo aus Rohstoffe einlagert und fertige Produkte in die ganze Welt verschickt werden. Westlich davon ist das neue, große Lager entstanden. Für reibungslosen Lieferverkehr wurde südliche eine neue Zufahrt inkl. Wendehammer geschaffen.

Zwei separate Rohstofflager mit je einem 6 m hohen Turm für spezielle Lacke wurden in einem abgetrennten Bereich im Lager realisiert. Beim Blick in den Logistikbereich fällt besonders die Stirnseite des Hochregallagers auf. Die einzelnen Regale sind zur Produktion gerichtet bunt gefärbt und bilden das Farbspektrum des Firmenlogos ab.