Neubau Logistik | zieflekoch GmbH

Projektdaten

KategorieRealisierte Bauwerke
BauherrInzieflekoch GmbH
PlanerInSCHMELZLE+PARTNER MBB ARCHITEKTEN BDA
Planungs- und Realisierungszeitraum02.2017 - 09.2017
OrtWaldachtal-Cresbach
BildnachweisBernhard Kahrmann

„Sie umsorgen Ihre Gäste. Wir umsorgen Sie.“ Seit mehr als 85 Jahren bietet das traditionsreiche Familienunternehmen hochwertige Gesamtlösungen für Hotel-, Klinik- und Objekteinrichtungen mit eigener Fertigung. Heute leistet zieflekoch mit über 120 Mitarbeitern von der Planung über die Produktion bis hin zur Lieferung und Montage alles aus einer Hand und erreicht bei Branchenbewertungen regelmäßig beste Platzierungen in Bezug auf Image und Service.

Die stetige Expansion verlangte bereits 2010 eine Erweiterung der Produktionshalle. Mit dem Erwerb eines benachbarten Grundstücks war diese Planung möglich geworden. Im gleichen Zuge sollte das gesamte Areal umstrukturiert werden. Um künftige Bauten sinnvoll zu integrieren, entwarfen Schmelzle+Partner einen Masterplan, der neben der neuen Produktion auch die Zufahrt, Parkplätze sowie Anlieferung und Versand neu organisierte.

Während die „alten“ Gebäude ihrer Bestimmung gemäß weiter betrieben werden, soll der Gesamtkomplex modular wachsen. Das 250 m lange zieflekoch-Areal ist im Norden begrenzt durch eine NATO-Pipeline, im Süden und Osten durch eine Kreis- bzw. Landstraße, im Westen teils durch Wohnbebauung. Wachstum ist nach Norden und Westen möglich. Hier stehen noch ca. 120 m Grundstückslänge für Erweiterungen zur Verfügung.

Mit der Erstellung der Produktionserweiterung als Bauabschnitt 6 des Masterplans wurde gleichzeitig eine neue architektonische Corporate Identity definiert. Nach Aussage des Bauherrn sollte das Gebäude mit einer „nicht übertriebenen, aber besonderen und eigenen Architektursprache“ den Mittelstandscharakter des international tätigen Unternehmens widerspiegeln. Als charakteristisches Gestaltungselement – und gleichzeitig Sinnbild für das Schreinerhandwerk – sollte das Element Holz eine bedeutende und wiederkehrende Rolle in künftigen Gebäuden spielen. Umgesetzt wurde diese Anforderung von den Architekten durch schräg stehende Baumstamm-Stützen. Die lediglich geraspelten Eichenstämme sitzen mit jeweils 25 cm Durchmesser statisch tragend hinter der Glasfassade der Produktionshalle. Auch im Neubau des Lagers wurde dieses Element mit eingebaut.

Brandschutztechnisch bietet die neue Lagerhalle mit einer Fläche von 60 x 60 m und einer Höhe von 6 m als Bauabschnitt 7 einen Brandabschnitt mit der Produktionshalle und dem integrierten automatischen Plattenlager. Ziel war es, Platz für die Logistik des expandierenden Unternehmens zu schaffen, alltägliche Lageraufgaben zu automatisieren und durch Spannweiten größer als 20 m eine dauerhaft flexible Nutzung des Lagers zu ermöglichen. Entsprechend dimensionierte Stahlträger mit HEA-Profil überspannen den gesamten Grundriss stützenfrei, sodass die Halle flexibel nutzbar ist. Frei von Innenwänden beinhaltet sie Lagerregale sowie einen zentral positionierten Lagerlift, der die Halle um 11 m überragt. Der Lagerlift lagert per Computerpanel gesteuert vollautomatisch Klein- und Halbfertigteile ein und stellt sie – quasi an den Bauabschnitt 6 angedockt – auf Knopfdruck für die Produktion bereit.

Im Bauabschnitt 7 findet zudem die gesamte An- und Auslieferung statt. Der Betonboden, der mit einer Betonkernaktivierung im Niedertemperaturbereich versehen ist, ist auf Schwerlast (5 t/m²) ausgelegt. Die Halle verfügt zudem über ein 8 m breites Zentraltor auf Hallenbodenniveau, das über eine Rampe angedient werden kann. LKW können auf beiden Seiten gleichzeitig be- und entladen werden. Zusätzlich besitzt das Lager sechs Laderampen mit Überladebrücken. Deren Anfahrt liegt 1,2 m unter Hallenboden auf Hofniveau. Mit Sektionaltoren, die auf Hofniveau herunterfahren, sind die Laderampen komplett thermisch getrennt, das Be- und Entladen findet hier also im warmen Innenraum statt.

Für ein Gebäude dieser Art ungewöhnlich ist der hohe Tageslichtanteil, der durch Oberlichter, Fenster zwischen den sechs neuen Überladebrücken, das transparent ausgeführte, 8 m breite Sektionaltor und nicht zuletzt durch die sich nach Süden öffnende, auf den Betonsockel aufgesetzte Glasfassade erreicht wird. Abgesehen von den erwähnten Öffnungen ist die außen schwarz, innen weiß gestrichene Betonfassade komplett geschlossen, da das Unternehmen den Platz an den Wänden für Regale braucht. Aus diesem Grund wurde auch der Glasdurchbruch erst in einer Höhe von 2 m vorgenommen; im Bereich darunter stehen ebenfalls Regale. Der Glasfassadenausschnitt darüber greift wieder das Motiv der fast rohen Eichenstämme aus Bauabschnitt 6 auf: die 27 schrägen Holzstützen sind, mit tragender Funktion und statisch aussteifend, auf der 2 m hohen Betonfassade aufgesetzt.

Die Dachkonstruktion der Halle besteht aus einer Stahlkonstruktion mit akustisch gelochtem Trapezblech – zur Minimierung der Lärmbelastung –, Mineralwolle und Folienabdeckung. Auch Fotovoltaik wurde auf dem Dach umgesetzt. Geheizt wird das Gebäude durch eine Holzhackschnitzelanlage, welche durch eigene Holzabfälle, die in zwei 20 m hohen Silos lagern, betrieben wird. Auf dem eigenen Gelände hat das Unternehmen auch ein System zur Regenwasserrückhaltung und -versickerung realisiert. Eine Herausforderung beim Bau stellte die Topographie des Grundstücks dar: Um das Gelände zu halten und den neu organisierten Hof möglich zu machen, planten die Architekten eine 8 m hohe Stützmauer aus Bruchsteinen.

Das Bauvorhaben wurde außerdem dazu genutzt, um eine AdBlue-Tankstelle für die Lastkraftwagen des Unternehmens einzurichten und südöstlich weitere Parkplätze für Besucher, Gäste und Firmenfahrzeuge zu schaffen. Damit wird das Firmengelände an dieser Stelle sinnvoll räumlich abgerundet.

Bis dato sitzen auf dem Gelände insgesamt sieben Gebäude. An Nutzungen sind hier Verwaltung und Büros, Sozialräume, Lager, die automatisierte Möbelproduktion, eine Ausstellung sowie die Tankstelle untergebracht. Die Planungen für eine erneute Erweiterung der Verwaltung, Produktion und Showroom sind derzeit aber bereits im Gange und sollen bis 2022 umgesetzt werden. Zudem nimmt der Hotel- und Objekteinrichter aktuell eine komplette Erneuerung der Energieversorgung vor und modernisiert die technische Infrastruktur des Gesamtkomplexes.