Projektdaten
| Kategorie | Realisierte Bauwerke |
|---|---|
| BauherrIn | Abfallwirtschaft Stuttgart, vertr. durch das Hochbauamt |
| PlanerIn | Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten |
| Fertigstellung | 05.2025 |
| Ort | Stuttgart |
| Weitere Projektbeteiligte | IB Fritz Spieth (Freianlagen/Verkehrsplanung) | Brüssau Bauphysik (Bauphysik) | IB Werner Schwarz (ELT) | IB Henne + Walter (HLS) | BKSi (Tragwerksplanung) |
| Bildnachweis | Zooey Braun |
Die zentrale Aufgabe bestand darin, eine präzise und ausgewogene Positionierung zwischen diesen gegensätzlichen städtebaulichen Kontexten zu finden – und zugleich den Anliegen sowie Sorgen der Anwohnerschaft gegenüber der neuen Betriebsstelle gerecht zu werden. Trotz der begrenzten Grundstücksgröße sollten die vielfältigen funktionalen und gestalterischen Anforderungen von Abfallwirtschaft und Tiefbauamt in einem stimmigen Gesamtkonzept vereint werden.
Das Grundstück gliedert sich in zwei Hauptbereiche: Entlang der Gingener Straße ist das Betriebsgebäude mit zwei Ober- und einem Untergeschoss platziert. Es nimmt sämtliche beheizten Nutzungen auf und dient gegenüber der Nachbarschaft als baulicher Schallschutz gegenüber dem Betriebshof Im südlichen Bereich des Grundstücks liegt quer zur Haupterschließung ein ca. 3.000 qm großes Fahrzeugdach. Es überspannt alle Stellplätze für die Fahrzeugflotte der Abfallwirtschaft am Standort in Wangen sowie die angeschlossenen Werkstätten, das Behälterlager und die Behälterwaschanlage. Bereits im Wettbewerbsverfahren wurde eine platzsparende Typologie für die Fahrzeug-Parkierung definiert: Jeweils drei Fahrzeuge der Abfallwirtschaft parken hintereinander in einer Reihe. Dabei ist jedem Müllfahrzeug eine feste Parklinie, jedoch keine feste Position innerhalb dieser Linie zugeordnet, sodass es bei Ankunft – unterstützt durch eine klare Einbahnstraßenführung – stets die erste freie Position einnehmen und später ohne Rangieren wieder ausfahren kann. Insgesamt stehen so 42 Stellplätze zur Verfügung, darunter drei frostfreie für die Behälterwaschfahrzeuge.
Die freibleibende Fläche im Norden des Grundstücks wird sowohl von der Abfallwirtschaft als auch vom benachbarten Betriebshof des Tiefbauamts als multifunktionale Bewegungsfläche und Lagerfläche für unterschiedliche Zwecke genutzt. Die kompakte Anordnung der Baukörper und eine optimierte Verkehrsführung reduzieren Rangierflächen und ermöglichen eine klare Zonierung der Betriebsstelle. Im Erdgeschoss des Betriebsgebäudes befindet sich die Kantine, das erste Obergeschoss beherbergt die Verwaltung der Betriebsstelle, das Archiv und das Kleiderlager. Alle Büro- und Besprechungsräume sind vornehmlich zur Hofseite hin ausgerichtet. Das Untergeschoss enthält nach zwei große Umkleidebereiche mit Wasch- und Duschräumen für Männer, sowie einen kleinen Umkleidebereich für Damen, Trocknungsräume mit Trocknungsystemen für Arbeitsbekleidung sowie Lager und Technikflächen.
Die Tragkonstruktion des Betriebsgebäudes besteht aus einem Stahlbetonskelett mit massiven Erschließungskernen. Die Außenwände sind als hochgedämmte Holztafelbaukonstruktionen ausgebildet. Die Elementierung in große, transportfähige Einheiten hate eine wirtschaftliche Umsetzung und schnelle Montage sichergestellt. Die vertikale Fassadenbekleidung wird durch Lisenen einheitlich strukturiert und besteht aus biozidfrei lasierter Fichtenholz- Brettern auf hinterlüfteter Unterkonstruktion.
Für Fahrzeugdach wurde eine wirtschaftliche und leistungsfähige Hybridkonstruktion mit Kragstützen aus Stahlbeton und einem Holztragrost aus Brettschichtholzbindern (Spannweiten bis 12 m) gewählt. Das Flachdach ist extensiv begrünt und mit Photovoltaik-Modulen ausgestattet, die jährlich rund 292.000 kWh klimaneutralen Strom erzeugen.
Des Weiteren nimmt das Fahrzeugdach die Ladeinfrastruktur auf, um elektrobetriebene Abfallsammelfahrzeuge in den Parkreihen direkt beladen zu können. Die unter dem Dach liegenden Funktionsbereiche – Werkstätten, Lager und Garage – sind als Brettsperrholz- bzw. Holzrahmenkonstruktionen ausgeführt.
Das Materialkonzept berücksichtigt sowohl funktionale als auch ökologische Anforderungen. Der Einsatz von Holz als nachwachsendem Rohstoff leistet einen Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen und entspricht den Nachhaltigkeitszielen der Stadt Stuttgart.
Der neue Abfallwirtschaftshof Stuttgart wurde so konzipiert, dass Lärm- und Verkehrsbelastungen für die Anwohner:innen auf ein Minimum reduziert werden. Nach einer umfassenden Standortsuche und intensiver Überzeugungsarbeit entstand ein wirtschaftlich realisierter, robuster und funktionaler Gebäudekomplex, der zugleich hohen Anforderungen an Nachhaltigkeit gerecht wird.




