Projektdaten
| Status | Nominierung |
|---|---|
| Kategorie | Realisierte Bauwerke |
| BauherrIn | Harbert Management Corporation |
| PlanerIn | Auer Weber |
| Fertigstellung | 11.2024 |
| Ort | Tremblay-en-France |
| Weitere Projektbeteiligte | MAGELLIM REIM (Immobiliengesellschaft) | DVVD (Partner Architekten) | GSE (Bau Unternehmen) |
| Bildnachweis | Nicolas Grosmond |
Auf einer Fläche von 198 Hektar entsteht in der Gemeinde Tremblay-en-France in den kommenden Jahren ein zukunftsfähiges, grünes Stadtviertel, das sowohl ein attraktives Wirtschafts- und Innovationszentrum bieten soll. Geplant ist ein Nutzungsmix aus Gewerbe, Hotels, Bürogebäuden und einem Konzerthaus. Ein zentrales Anliegen bei der Realisierung des Projekts ist die ökologische Nachhaltigkeit: der Einsatz von erneuerbaren Energien, die Gestaltung großzügiger Freiflächen, sowie eine nachhaltige Bauweise.
Hohe Funktionalität und Flexibilität durch vertikale Organisation
Am Rand des zukünftigen Quartiers ist mit dem kürzlich fertiggestellten mehrgeschossigen Industriebau ein neuer Stadtbaustein entstanden, der zwischen einem urbanen Umfeld und der offenen Landschaft vermittelt. Drei Bauvolumen in Holz-Hybrid-Bauweise, die auf einer Fläche von 22.830 m2 Gewerberäume, Lagerhallen und Büros beherbergen, ordnen sich entlang der Straßenachsen. Zur Straße hin präsentiert sich das Gebäudeensemble mit einer repräsentativen Schaufassade, die geprägt ist von einer Holzverkleidung, opaken Oberflächen aus Polycarbonat sowie großzügigen Fensterfronten und erinnert somit eher an einen edlen Showroom als an einen funktionalen Gewerbehof. Der Anlieferungsverkehr wird hingegen im Inneren des Gebäudekomplexes auf einem großzügigen Hof abgefertigt und nach außen hin abschirmt.
Die vertikale Organisation des Gebäudekomplexes auf zwei Ebenen ermöglicht eine Kombination verschiedener Funktionsbereiche und lässt eine effiziente und vielfältige gewerbliche Nutzung auf einer reduzierten Grundfläche zu. Diese schafft eine außergewöhnliche Kompaktheit, die den Herausforderungen im städtischen Umfeld und der ökologischen Nachhaltigkeit im besonderen Maße gerecht wird.
Während die großen Lagerflächen im Erdgeschoss über einen innenliegenden Lieferhof mit LKWs angefahren werden können, ergänzen weitere, kleinere Gewerbeeinheiten auf der darüberliegenden Ebene das Raumangebot, die auch für kleine und mittlere Unternehmen attraktiv sind. Diese sind über eine befahrbare Rampe erschlossen und ermöglichen eine direkte Anlieferung und Abholung mit kleineren Sprintern. Eine schmale Galerieebene bietet in den Gewerbebereichen beider Geschosse Platz für Büroräume. Ausgehend von einem Grundrissraster von 8 x 8 Metern können die Räume sowohl vertikal als auch horizontal nach Bedarf flexibel eingeteilt werden. Durch die Möglichkeit im 2. Obergeschoss auf halber Raumhöhe Mezanningeschosse einzuziehen, können Werkstatt- oder Gewerberäume sowie Büroflächen horizontal organisiert werden.
Das mehrgeschossige, helle und freundliche Gebäude strukturiert den Ort, indem es sich subtil in seinen Kontext einfügt, ihn städtebaulich aufwertet und gleichzeitig in einen Dialog mit der Landschaft des Sausset-Tals tritt. Öffnungen zwischen den einzelnen Gebäuden ermöglichen Durchblicke und Durchwegungen zu den angrenzenden Grünräumen. Dachgärten, Terrassen und begrünte Freiflächen rund um das Gebäude schaffen eine hohe Aufenthaltsqualität für die Mitarbeitenden. Insgesamt wurden etwa 25 % der Grundstücksfläche begrünt – dies verleiht der Anlage ein einzigartiges Gesicht und stellt eine Verbindung zwischen dem urbanen Kontext und der umgebenden Landschaft dar.
Materialität: Reduktion und Klarheit
Die Klarheit des Gebäudes spiegelt sich auch in der Wahl und Reduktion der schlichten Materialien wider: Holz, Beton und Polycarbonat charakterisieren das Gebäude. Geschlossene Flächen wechseln sich mit Öffnungen und lichtdurchlässigen Fassadenelementen aus Polycarbonat ab, die den Raum nach außen hin öffnen und dem monolithischen Baukörper eine Leichtigkeit und Durchsichtigkeit verleihen. Auch die Verwendung von vorgefertigten Elementen führt die Idee der Reduktion konsequent fort und ermöglicht eine schnelle und optimierte Umsetzung.
Das mit Holz verkleidete Sockelgeschoss des Kopfbaus, der sich an der Straßenkreuzung befindet, öffnet sich durch eine großzügige und einladende Glasfassade zur Hauptachse Rue du Sausset hin. Dort sind Büros und Co- Working Spaces untergebracht sowie Räumlichkeiten für eine Restaurantnutzung vorgesehen.
Das Obergeschoss, in dem sich die Gewerbeeinheiten und Büroflächen befinden, sind mit Polycarbonat verkleidet, was der Fassade eine Durchlässigkeit verleiht. Um eine besonders flexible Organisation im Inneren zu ermöglichen und gleichzeitig die ausreichende natürliche Belichtung durch die Lichtdurchlässigkeit des Polycarbonats zu erhalten, weisen die Öffnungen in den Obergeschossen eine doppelte Höhe auf. Die Leichtigkeit vermittelnde Material ermöglicht eine angenehme diffuse Beleuchtung der Gewerbeflächen.
Begrünte Loggien, Terassen und Fensterbänder strukturieren das Gebäude horizontal. Große Fensteröffnungen und eine Staffelung der oberen Baukörper auf der Talseite stellen einen Bezug zur Landschaft her und lassen das Gebäude in Dialog mit der Natur und dem Chemin des Saints-Pères treten.
Ökonomie des Gebrauchs – ein Gebäude als langfristige Ressource
Ökonomisch überzeugt das Projekt durch:
- kompakte, flächeneffiziente Organisation
- flexible und reversibel nutzbare Grundrisse
- robuste Materialien
- kurze Bauzeiten
- langfristige Drittverwendungsfähigkeit
Der Fly Parc ist kein Solitär, sondern ein übertragbares Modell, das sich an vielen europäischen Standorten
einsetzen lässt, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen: Flächenknappheit, Funktionsmischung, Re-
Industrialisierung.
Auszeichnungen
Das Projekt erfüllt die angestrebten Anforderungen an die Nachhaltigkeit und wurde mit den Auszeichnungen BREEAM (Niveau Very Good), BiodiverCity-Label und E+C—Label zertifiziert. Beim internationalen Architekturpreis Grands Prix SIMI 2024 wurde das Gebäude als einer von drei Finalisten in der Kategorie „Immeuble Light Industrial“ ausgezeichnet.
Ein Modell für Europas produktive Stadt
Mit seiner architektonischen Klarheit, seiner funktionalen Intelligenz, seiner ökonomischen Vernunft und seinem ökologischen Anspruch steht der Fly Parc exemplarisch für eine neue Generation innerstädtischer Gewerbebauten. Er zeigt, dass Industrie sichtbar, nachbarschaftsverträglich, landschaftsverbunden und ästhetisch anspruchsvoll sein kann.
Er zeigt, dass Kompaktheit kein Verlust, sondern eine Ressource ist. Und er zeigt, dass Zusammenarbeit über Grenzen hinweg zu Lösungen führt, die übertragbar, lebbar und zukunftstauglich sind. Der Fly Parc ist damit nicht nur ein gebautes Projekt, sondern ein Statement: für eine europäische Stadt, die produktiv bleibt – und zugleich verantwortlich, offen und lebenswert.




