TRUMPF Ausbildungszentrum, Ditzingen

Projektdaten

KategorieRealisierte Bauwerke
BauherrInTRUMPF GmbH + Co. KG, Ditzingen
PlanerInBarkow Leibinger
Fertigstellung09.2023
OrtDitzingen
Weitere ProjektbeteiligteDrees & Sommer (Bauleitung & Haustechnikplanung) | sbp schlaich bergermann partner (Tragwerksplanung) | Breinlinger Ingenieure (Tiefbauplanung) | Peter Stanek (Brandschutz) | Horstmann + Berger (Bauphysik) | P&H Hönes (Elektroplanung) | Licht Licht Studio Dinnebier (Lichtplanung) | Kucharzak Fassaden Engineering (Fassadenplanung) | Holzbau Amann (Holzbau) | capattistaubach (Landschaftsarchitektur)
BildnachweisSimon Menges & Nino Tugushi

Beiden Gebäuden gemeinsam sind ihre polygonale Form und ihre Holz- Hybridkonstruktion ebenso wie ihre Funktion als soziales Zentrum für die Mitarbeitenden.

Die neue Lernwerkstatt umfasst Schulungs-, Besprechungs- und Sozialräume sowie Werkstätten und Maschinenhallen für den Unterricht. Im Neubau werden bis zu 100 Nachwuchskräfte in die gesamte Prozesskette des Hochtechnologieunternehmens eingeführt und erlernen die Grundlagen des Werkzeugmaschinenbaus. Herzstück des Gebäudes ist ein Auditorium, das als Veranstaltungsraum bis zu 400 Personen fasst.

Mit großformatigen Verglasungen öffnet sich das Ausbildungszentrum zum umliegenden Campus, in dessen Parklandschaft es eingebettet ist. Der neu gestaltete Vorplatz verbindet den nördlichen Eingang mit dem Dienstleistungszentrum, während ein terrassierter Garten im Nordwesten als Übergang zum etwas höher gelegenen Betriebsrestaurant dient. Dieser Garten ist direkt mit einem außen liegenden Pausenbereich verbunden, der teilweise durch Dachüberstände geschützt ist. Neben einer Tischtennisplatte bietet dieser Bereich auch Raum für Lehr- und Arbeitsaktivitäten.

NUTZUNG

Die Grundrissfigur des Ausbildungszentrums entspricht einem Sechseck mit sechs wabenförmigen Raum-Modulen, die um das zentrale, ebenfalls hexagonale Auditorium gruppiert sind. Der doppelgeschossige Veranstaltungsraum kann für Unterricht, Pausen und firmeninterne Events genutzt werden. Die Sitztreppen schaffen eine Verbindung zwischen Erd- und Obergeschoss. Über Vorhänge lässt sich das Auditorium, das über unterschiedliche Fensteröffnungen Blickbeziehungen in die Umgebung ermöglicht, vollständig vom Außenraum abtrennen. Im Oberlicht, das im Auge der Dachkonstruktion sitzt, filtert eine kristallin geformte, textile Diffusor-Konstruktion das einfallende Tageslicht und sorgt für eine angenehme Lichtstimmung.

Die sechs Waben sind als ein- oder zweigeschossige Volumen ausgebildet, deren Raumhöhe je nach Nutzung variiert: Während die Werkstätten doppelgeschossig angelegt sind, bleiben Lehrräume und Empfangsbereich eingeschossig. Das Foyer dient als zentrale Verteilerzone und Ausstellungsfläche und geht fließend in den Vorplatz über. Die angrenzende Teeküche mit direkter Verbindung zum Außenbereich dient den Auszubildenden zur Erholung. Für größere Veranstaltungen steht ein großzügiger Garderobenbereich zur Verfügung. Die Umkleideräume der Auszubildenden befinden sich im Untergeschoss, wo auch der Zugang zum unterirdischen Tunnelsystem des Campus liegt. Dieses ermöglicht einen einfachen und geschützten Weg zu Büros und Produktionsanlagen – selbst bei widrigen Wetterbedingungen.

Im Obergeschoss befinden sich großzügige und flexibel nutzbare Seminarräume, die miteinander vernetzt sind. Durch Vorhänge lassen sich einzelnen Zonen je nach Bedarf für unterschiedliche Nutzungsszenarien verbinden oder abtrennen. Neben den Arbeitsbereichen gibt es auch Schulungsräume, darunter einen Bandproberaum, die von den Auszubildenden selbst mitgestaltet wurden. Die naturbelassenen Holzoberflächen tragen im gesamten Gebäude zu einer warmen und angenehmen Arbeitsatmosphäre bei.

KONSTRUKTION

Alle Holzbauteile wurden vom ausführenden Holzbauunternehmen vorgefertigt und in kurzer Zeit vor Ort montiert. Stützen, Unterzüge und Dachträger bestehen aus Brettschichtholz, die Außenwände wurden in Holztafelbauweise und teilweise als Fachwerkkonstruktion ausgeführt. Die Zwischendecken in den zweigeschossigen Waben wurden als Holz-Beton-Verbundkonstruktion realisiert. Auch die Tribünenkonstruktion im Auditorium besteht aus Brettsperrholzelementen. Besonderes Augenmerk galt der Dachkonstruktion und den Dachträgern, die radial auf das zentrale Oberlicht zulaufen. Sie lagern auf den Außenwänden und den Innenstützen auf und kragen bis zum Oberlicht weit ins Auditorium hinein. Die Innenstützen, die kranzförmig um das Auditorium gestellt wurden, dienen als Drehpunkt für die unterschiedlichen Winkel, die durch das Auffächern/ den Twist der Balkenkonstruktion entstehen. Das Oberlicht versorgt den Raum nicht nur mit natürlichem Licht, sondern diente während der Bauphase auch als zentraler Kranstandort.

FASSADE

Die Außenfassade umschließt den Bau als kristallin anmutende Hülle, deren sechs Stirnseiten als große, vollverglaste Schaufenster ausgebildet sind. Zwischen ihnen liegen V-förmige Wandscheiben, auf denen das Holzdach aus strahlenförmig angeordneten Holzträgern aufliegt. In den Bereichen der doppelgeschossigen Werkstätten löst sich die tragende Konstruktion in ein Holzfachwerk auf, wodurch noch mehr Tageslicht ins Innere strömt. Zusätzliche Leichtigkeit geht von transluzenten Profilgläsern aus, die vor den Wandscheiben liegen.

NACHHALTIGKEIT

Auf dem Gründach erzeugt eine Photovoltaik-Anlage mit 150 Kilowattpeak (kWp) rund 150.000 kWh Strom pro Jahr. Das entspricht einem jährlichen Energieverbrauch von 50 Vier-Personen-Haushalten und sichert damit 40% des Strombedarfs des Ausbildungszentrums. Das begrünte Dach dient als Regenwasserspeicher, kühlt die PV-Anlage und verbessert gleichzeitig das Mikroklima. Für den Neubau des Ausbildungszentrums wurde die vorher als Parkplatz genutzte und asphaltierte Fläche entsiegelt und landschaftlich in die mit hohen Gräsern bewachsene Parkanlage integriert. Durch einen verkleinerten Keller, der nur die notwendigsten Nutzungen aufnimmt, konnte der Aushub reduziert werden.