Projektdaten
| Kategorie | Städtebauliche Anlagen |
|---|---|
| BauherrIn | Wirtschaftsagentur Wien |
| PlanerIn | ATP architekten ingenieure |
| Fertigstellung | 10.2024 |
| Ort | Wien |
| Bildnachweis | ATP / Kuball | Pierer |
Der Campus – bestehend aus drei Gebäuden – bietet zukunftsweisende räumliche und technische Strukturen für forschungsintensive Unternehmen, Start-ups und universitätsnahe Einrichtungen der Bereiche Industrie 4.0, IoT und smarte Produktion.
Architektonische Gestalt – Funktionale Form und städtebauliche Intelligenz
Der Entwurf bricht bewusst mit der klassischen Blockrandtypologie. Die drei Gebäude sind fächerartig als H-förmige Baukörper entlang eines fünfeckigen Grundstücks angeordnet. Diese „Sprengung des Blockrandes“ erzeugt differenzierte Gebäudeteile, schafft attraktive Durchwegungen sowie klare Bezüge zum Campus und ermöglicht eine optimale Grundstücksausnutzung. Die Knickungen passen Volumen und Raumkanten flexibel an die Geometrie des Areals an und erzeugen ein Ensemble, das zugleich funktional, identitätsstiftend und stadträumlich offen ist. Die Architektur setzt auf eine industrielle Sprache, die den Werks- und Forschungscharakter betont: Während Bauteil 1 eine einheitliche Metallfassade aus vertikalen bronzefarbenen Aluminiumprofilen mit Fassadenbegrünung erhielt, betonen die Bauteil 2 und 3 bewusst den industriellen Charakter durch den monolithischen Sockel sowie die vertikalen Fensterschlitze. Das Ergebnis ist ein kohärentes, aber differenziertes Erscheinungsbild, das die Entwicklungsetappen lesbar macht und dem Ort einen eigenständigen Charakter verleiht.
Funktionale Qualität – Flexibilität von der Werkhalle bis zum Think Tank
Herzstück des Projekts ist die hohe funktionale Adaptierbarkeit. Das Raumgefüge unterstützt variable Nutzungsmodelle – von High-Tech-Werkstätten über Robotik-Labore bis zu offenen F\&E-Teamflächen.
Multifunktionale Produktionsflächen
- Verstärkte und abgesenkte Bodenplatten (Nutzlast 10 kN/m²) ermöglichen Maschinenaufstellung, Laborgeräte oder Robotik-Anlagen.
- Großformatige Türanlagen schaffen direkte Andienung und erleichtern den Transport schwerer Geräte.
- Jede Einheit verfügt über separate IT-Räume mit aktiver Kühlung und gewährleistet technische Hochverfügbarkeit.
Flexible Bürostrukturen
Die Obergeschosse bieten variabel teilbare Flächen, die klassische Bürostrukturen ebenso ermöglichen wie Open-Space-Layouts oder hybride Modelle aus Office- und Produktionsbereichen. So können Mieter:innen wachsen, umorganisieren und ihre Flächen bedarfsgerecht entwickeln. Foyers, Begegnungsbereiche und Kommunikationszonen fördern Austausch, Innovation und interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Werkhöfe
Die H-Form der Baukörper ermöglicht zusätzliche Werkhöfe. Diese halböffentlichen Außenräume ergänzen den Arbeitsbereich, fördern Austausch und schaffen urbane Aufenthaltsqualitäten.
Europaweit einzigartiger Lichtwellenleiter Herausragend ist das Lichtkonzept im Foyer des tz2, das Sonnenlicht über Kollektoren am Dach einfängt und über Lichtwellenleiter tief in den Innenraum geleitet – ein ästhetisches wie funktionales Innovationselement.
Ökonomie und Effizienz – Integrale Planung als Kosten- und Qualitätsgarant
Die Integrale Planung ist zentraler Bestandteil des Projekterfolgs. Durch das Arbeiten im BIM-Modell als digitalem Zwilling konnte ATP über alle Disziplinen hinweg Varianten simulieren, Optimierungen vornehmen und Material- wie Energieverbrauch reduzieren. Ökonomische Vorteile zeigen sich unter anderem in:
- optimierten Tragstrukturen, die trotz hoher Lastanforderungen schlanke Konstruktionen ermöglichen,
- modularen Flächenlayouts, die ohne große Eingriffe an neue Nutzeranforderungen angepasst werden können,
- ganzheitlicher Lebenszyklusbetrachtung, die Betriebskosten deutlich reduziert,
- Effizienzsteigerung durch integrales TGA- und Fassadenengineering, abgesichert durch dynamische Gebäudesimulationen und Lebenszykluskostenberechnungen. Der Kunde profitiert von hoher Kostensicherheit, während die Nutzer:innen eine wirtschaftlich nachhaltige Arbeitsumgebung erhalten.
Konstruktive Innovation – Tragwerk, Lasten und Robustheit
Das Tragwerk ist auf maximale Flexibilität ausgelegt. Wichtige konstruktive Qualitäten:
- tragfähige Bodenplatten und Decken für hohe Punkt- und Flächenlasten,
- robuste, wartungsarme Fassadensysteme aus Metall und WDVS,
- klare konstruktive Struktur, die große Spannweiten und freie Grundrisse ermöglicht,
- durchdachte Erschließungskerne für flexible Raumaufteilung und kurze Wege.
Die bauliche Lösung erfüllt sowohl die Anforderungen innovationsgetriebener Mietunternehmen als auch die Kriterien eines langlebigen, robusten Industriebauwerks. Gebäudetechnik – Effiziente, intelligente und zukunftsfähige Systeme Die technische Gebäudeausrüstung ist integraler Teil der architektonischen Vision und setzt auf:
Energie- und Ressourceneffizienz
- Nutzung standortbezogener Ressourcen: Grundwasser (Wärmepumpen), Abwärme, Photovoltaik,
- Bauteilaktivierung zur klimafreundlichen Temperierung,
- hocheffiziente Lüftungssysteme mit 90 % Wärmerückgewinnung (tz1),
- energieoptimierte Beleuchtung, ergänzt durch das innovative Tageslichtsystem im tz2.
Intelligente Steuerung
- bedarfsgeführte Lüftung, Heizung und Kühlung,
- BIM-basierte Betriebsoptimierung zur langfristigen Reduktion des Energieverbrauchs,
- Vorbereitung auf BIM-basiertes Facility Management für den Betrieb der Zukunft.
Nachhaltigkeit – Vom Plus-Energie-Haus zum zertifizierten Campus
Nachhaltigkeit ist kein nachgelagertes Ziel, sondern zentraler Leitgedanke.
Ökologische Standards
- tz1 ist das erste Plus Energie Bürohaus Österreichs und erhielt zahlreiche Auszeichnungen wie die höchstmöglichen Punkte bei klimaaktiv (Passivhaus und Gold), das ÖGNB Gebäudequalitätszeichen und das Zertifikat TQB (Total Quality Building)
- Bauteil 2 erhielt ebenso ÖGNB-Gold: tz2 mit 935/1.000 Punkten, tz3 mit 943/1.000 Punkten; Das tz2 wurde zudem als eines der 30 nachhaltigsten Gebäude Österreichs ausgezeichnet.
Ressourcenschonende Materialwahl
Begleitendes Produktmanagement stellte sicher, dass ausschließlich emissionsarme, umweltverträgliche Materialien eingesetzt wurden – ein wesentlicher Beitrag zur Raumluftqualität und zur Minimierung ökologischer Belastungen.
Lebenszyklusorientierung
- Durch planungsbegleitende Analysen (TGA- sowie Fassaden-Varianten, dynamische Gebäudesimulation, Ökobilanzierung) konnten Energiebedarf und Energieeffizienz optimiert werden.
- Begleitendes Produktmanagement stellte sicher, dass ausschließlich emissionsarme, umweltverträgliche Materialien eingesetzt wurden – ein wesentlicher Beitrag zur Raumluftqualität und zur Minimierung ökologischer Belastungen.
- Die energieschonenden Maßnahmen aus dem ersten Bauteil wurden mit der Betriebsführung kritisch überprüft, optimiert und in den weiteren Bauteilen um neue Elemente ergänzt.
Flexibilität – Voraussetzung für Zukunftsfähigkeit
Das Technologiezentrum Seestadt ist auf maximale Flexibilität und Zukunftssicherheit ausgelegt:
- anpassungsfähige Grundrisse ohne statische Einschränkungen,
- optionale Erweiterbarkeit technischer Infrastruktur,
- kombinierbare Nutzungsformen (Büro – Produktion – Labor – Werkhalle),
- Freiraumflexibilität durch Werkhöfe, Außenarbeitsbereiche und offene Kommunikationszonen,
- modulares Gebäudekonzept, das zukünftige technische Anforderungen unterstützt.
Diese Qualitäten ermöglichen eine nachhaltige Nutzung über Jahrzehnte hinweg – unabhängig von technologischen Veränderungen oder neuen Arbeitsmodellen.




