Projektdaten
| Kategorie | Nachwuchs |
|---|---|
| Art der Arbeit | Bachelorarbeit |
| BetreuerIn | Prof. Dipl.-Ing. Martin Ostermann / Thea Cheret, Stefanie Röscher |
| PrüferIn | Prof. Dipl.-Ing. Martina Bauer |
| BearbeiterIn | Serhat Bayram, Dariia Brushnovska |
| Studiengang/Hochschule | Universität Stuttgart, Architektur und Stadtplanung |
Hier gibt es einige Problemstellen, die mit dem Entwurf aufgegriffen werden. Weder der stark saisonal bedingte Tourismus noch die immer mehr unter Fachkraftverlust mangelnden Pflegeeinrichtungen vermögen es aktuell, dem Ort eine Identität zu verleihen, oder ein lukratives Arbeitsangebot zu schaffen.
Brunnen ist gut angebunden, unter anderem gibt es schnelle Verbindungen nach Zürich und Luzern, diese Anbindung vermag es aber aktuell nicht, langfristig junge Menschen und neue Arbeitskräfte in den Ort zu locken, ihr Hauptverwendungszweck dient Pendlern aus Zürich. Die Bevölkerung ist zudem stark in sich gekehrt, und zeigt sich gegenüber Fremden eher abweisend, dies ist sicherlich auch dem vergleichsweisen hohen Durchschnittsalter zu verdanken. Aktuell weist Brunnen mit seiner wunderschönen Landschaft, guter Anbindung und Pflegeeinrichtungen zwar viel Potenzial auf, befindet sich aber in einem Zustand der Stagnation, oder sogar Regression.
Genannte Problemstellen sollen mit dem folgenden Entwurf gelöst werden. Um dem Schwund von Pflegekräften entgegenzuwirken, wird in dem Areal ein Pflegecampus geplant, der nicht nur eine direkte Übernahme der Pflegekräfte nach beendeter Ausbildung, sondern auch eine enge Kooperation mit den existierenden Pflegeinstitutionen während dieser ermöglicht. Ergänzt wird dieser durch weitere Ausbildungsgänge im Bereich Bauen mit biobasierten Baustoffen, sowie einem Forschungscampus der sich ebenfalls mit solchen Baustoffen auseinandersetzen, und diese erforschen soll. Diese Stoffe werden in einer kleinen Ausstellungsfläche zur Schau gestellt. So knüpft an die Geschichte des Ortes als Zementfabrik ein neues, nachhaltiges Kapitel an. Die große Industriehalle wird zum gemeinschaftlichen Treffpunkt mit öffentlicher Mensa und Forschungsbereich umgeplant. Verschiedene Wohnformen, unter anderem Clusterwohnungen, Wohngemeinschaften und Betreutes Wohnen schaffen bezahlbaren Wohnraum, der für verschiedene Bevölkerungsgruppen attraktiv ist, und eine starke Vernetzung der zukünftigen Bewohner ermöglicht. Die strukturierte Setzung der Neubauten greift die Hauptachsen der bereits bestehenden Bestandsgebäude auf die Gebäude sind in einer klaren Rastertypologie entworfen, und bilden eine große Hauptachse, die die große Industriehalle des Areals in Szene setzt. Eine klare Erschließung komplimentiert die beiden Plätze, die das Areal vor der großen Halle, sowie entlang des Flusses prägen sollen. Die Plätze werden mit diversen gastronomischen Nutzungen und Mischnutzungen belebt, um sie für die Öffentlichkeit aufzuwerten.
In diese klare Struktur wird nun ein Störfaktor eingeführt, die “Parasiten“ die sowohl mit den neuen als auch bereits bestehende Typologien interagieren, und diese durch ihre geschickte Setzung komplimentieren. Dabei entstehen Brücken, die die Gebäude untereinander verbinden, und deren Nutzungen vernetzen, so wird eine einfache gebäudeübergreifende Erschließung wichtiger Nutzungen wie zum Beispiel der Bibliothek ermöglicht. Fast wie Greifarme breiten sich die Parasiten aus, und „infizieren“ die Bestandsgebäude. Die Parasiten dienen hierbei als Schnittstelle mehrerer Nutzungen, in denen viele verschiedene Gruppen aufeinandertreffen. Durch ihre schräge Setzung schaffen sie neue Blickachsen, die sich in der aus dem Bestand abgeleiteten Achsenordnung nicht ergeben können. Die Parasiten sind aufgeständert, und besitzen eine freie Erdgeschosszone, so werden überdachte Außenflächen geschaffen, die als Freiraum dienen.
In dem ausgewählten Bestandsgebäude, das direkt am Eingang des Areals steht soll nun ein Kulturzentrum entstehen. Gleichzeitig soll die Bestandsstruktur, insbesondere dessen Transparenz, weitestgehend erhalten bleiben. Erreicht wird dies, indem an das bereits bestehende Plattformsystem angeknüpft wird.
Neue Plattformen ergänzen die bereits bestehenden, und verbinden diese über Treppen untereinander in einem spiralförmigen Aufgang. Der industrielle Charakter des Gebäudes bleibt bestehen, die Bestandsstruktur wird lediglich zu Ende gedacht, nicht ersetzt. Auf den Plattformen finden sich diverse Infostände wieder, auf denen Informationen zu Themen wie Pflege, Gesundheit, Erste Hilfe und biobasierten Baustoffen präsentiert werden, so sollen junge Menschen für diese Ausbildungsgänge interessiert werden, und den Themen eine öffentliche Plattform geboten werden, die einen Austausch, nicht nur unter angehenden Auszubilden, sondern allen möglichen Bevölkerungsgruppen ermöglicht.
Weiterhin findet auf den Plattformen ein vielseitiges Freizeit- und Kursangebot statt, das unter anderem Kurse der VHS, einen Fitnessbereich, diverse Probeflächen, sowie eine Lounge mit verschiedenen Spielmöglichkeiten beherbergt. Dieses Angebot wird in Form von Ausstellungsformaten, Dachterrassen und einer Rooftop-Bar auch nach außen getragen, das Treppensystem wird nach außen erweitert und ermöglicht die Erschließung der verschiedenen Dachflächen. Vervollständigt wird dieses Angebot durch die Parasiten, in denen sich autarke Nutzungen wiederfinden, die große, geschlossene Räume benötigen, und als Schnittstelle und Treffpunkt vieler Personen dient. Die Parasiten dienen als Ergänzung des Gebäudes, und werden aus dessen Raster extrudiert, der große Hohlraum des Gebäudes wird nach außen erweitert. Durch ihre Bauweise im roten Stahl heben sich die Parasiten von der großen Betonstruktur ab.
Gleichzeitig nehmen sie dessen Formsprache auf, indem sie immer auf einer Seite eine Schräge ausbilden. Diese stammt ganz im Sinne des auf Funktionalismus ausgelegten Gebäudes immer der Funktion, so folgt sie im Auditorium der Tribüne, und schafft im Lernbereich eine besondere Belichtung von oben. Durch die Schräge wird immer eine Seite des ansonsten massiven Parasiten nach außen geöffnet und verglast, was nicht nur dessen Hohlwirkung verstärkt, sondern auch gezielt Licht in das Gebäude leitet, welches die Plattformen im Inneren in Szene setzt. Zudem wird auch an den Städtebaulichen Kontext angeknüpft, ganz nach dessen Beispiel werden durch die Schrägen neue Blickachsen eröffnet, die der Bestand von sich aus nicht bieten kann.

