Projektdaten
| Kategorie | Nachwuchs |
|---|---|
| Art der Arbeit | Bachelorarbeit |
| BetreuerIn | Dipl.-Ing. Alexander Lenk, Architekt |
| PrüferIn | Univ.-Prof. Dr. Christian Stoy, Prof. Dipl.-Ing. Martina Bauer |
| BearbeiterIn | Sina Breunig, Cosima Frank, Aicha Saadi, Selina Tamm |
| Studiengang/Hochschule | Universität Stuttgart, Architektur und Stadtplanung |
Das ehemalige Bosch-Werk stellt durch seine zentrale Lage innerhalb des Ortes, die Naturverbundenheit sowie gute Anbindungsmöglichkeiten an die nächst größere Stadt Bühl einen Ort voller Umnutzungspotenziale dar. Zusätzlich profitiert das Areal von verschiedensten Gebäudetypologien, was individuelle Ansprüche aber auch eine Vielzahl an Nutzungsmöglichkeiten mit sich bringt.
Dennoch begegnet auch das Bühlertal einigen wirtschaftlichen sowie sozialen Herausforderungen. Mit der Schließung des Bosch-Werks im Jahr 2030 droht aus dem Standort eine verlassene Industriebrache zu werden wie sie deutschlandweit mehrfach zu finden sind. Hinzu kommt eine Überalterung der Gemeinde sowie Fachkräftemangel und -überlastung im Bereich der Pflege aber auch in pädagogischer wie auch sozialer Arbeit.
Das Entwurfskonzept – WANDELWERK: Zukunftstechnologien für das Gemeinwohl
Um die räumlichen und funktionalen Potenziale des Ortes ganzheitlich zu nutzen, aber auch den aktuellen Herausforderungen durch innovative Lösungsansätze zu begegnen, vereinen wir im WANDELWERK Entwicklung und Forschung mit Pflege sowie alltagsnahen Begegnungsorten. Dabei greifen wir die industrielle Innovationsgeschichte des Areals auf und entwickeln ein identitätsstiftendes, transformatives Quartier. Aufgrund starker Nachfrage, möchten wir eine unmittelbare und zukunftsorientierte Lösung zur nachhaltigen Entlastung des sozialen Sektors im Bereich der Pflege anbieten. Deshalb vereint das WANDELWERK Entwicklung sowie Forschung im Bereich KI und Technologie, Pflege und Bildungsarbeit. Um ein kooperatives Gefüge zu ermöglichen, das den sozialen Sektor langfristig entlastet, realisieren wir ein Reallabor, in dem Pflege die Grundlage für Forschung und Entwicklung bildet und zugleich von ihr profitiert. Darüber hinaus werden Pflegekräfte an unserem Standort entsprechend ausgebildet und weitergebildet sowie vor Ort beschäftigt.
Sozial-pädagogisches Konzept
Das erweiterte Pflegeangebot begegnet den aktuellen und in Zukunft verstärkten Engpässen der Gemeinde Bühlertal. NutzerInnen profitieren von praxisnah ausgebildeten Pflegekräften sowie stetig optimierten Technologien. Das geschulte Fachpersonal kennt sich mit technologischen Unterstützungsangeboten sowohl für die BewohnerInnen als auch die Pflegenden selbst aus und kann sie gezielt anwenden sowie lehren. Gleichzeitig können sich externe Interessierte in spezifischen Lehr- und Ausstellungsräumen über KI und Technologie wie beispielsweise Robotik im Bereich der Pflege informieren.
Zusätzlich fördert unser Projekt durch verschiedene Wohnformen intergenerationalen Austausch. In jedem Wohn-Stockwerk sind Gemeinschaftsräume sowie niedrigschwellige Begegnungszonen verortet. Insbesondere die neue Laubegang-Konstruktion eröffnet neue Begegnungsfläche unter den BewohnerInnen. Zusätzlich bildet die Brücke zwischen Alt- und Hochbau eine direkte Verbindung zwischen den verschiedenen Wohnformen und in erster Linie den Menschen vor Ort.
Architektonisches Konzept
HOCHBAU
Der Hochbau des Areals bildet bereits städtebaulich einen auffallenden Hochpunkt. Die roten Fassadenelemente verstärken diesen Effekt. Unter dem Titel „Blick in die Zukunft“ wird das 7. Obergeschoss des Hochbaus öffentlich zugänglich und dient der Repräsentation der Forschung und Entwicklung des DFKIs (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) sowie des Reallabors. Neben einem Auditorium mit beeindruckender Aussicht befinden sich dort interaktive Ausstellungsflächen und gemäß des Konzepts „Bildung durch Begegnung“ ein Gemeinschaftsraum. Zusätzlich wird das Dach des Hochbaus in Form einer Dachterrasse als öffentlich wirksamer Freiraum neu interpretiert und dient als niedrigschwelliger Aufenthaltsbereich, der sowohl BewohnerInnen als auch BesucherInnen eine eindrucksvolle Aussicht bietet.
LICHTACHSEN
Den Innenraum des Shedbaus prägen zwei Lichtachsen, welche eine blendfreie Lichtführung über das Sheddach bis in das Untergeschoss ermöglichen. Die industrielle Vergangenheit des Gebäudes wird bewusst sichtbar und schafft Identität. Den Forschungs- und Entwicklungsbereich verbindet eine Lichtachse über drei Geschosse. So entstehen nicht nur visuelle sondern auch auditive Bezüge innerhalb der drei verschiedenen Arbeitsbereiche: Der Robotik-Werkstatt im Untergeschoss, der Softwareentwicklung im Erdgeschoss sowie dem Anwendungs- und Transferzentrum im ersten Obergeschoss. Die zweite Lichtachse rückt das Herz des Wandelwerks in den räumlichen Fokus: Über zwei Geschosse werden die Speisebereiche des Casinos verbunden. Dabei verbindet eine einladende Treppe die beiden Ebenen. Hier können verschiedenste Nutzergruppen wie beispielsweise Mitarbeitende, BesucherInnen, BewohnerInnen aber auch BürgerInnen aus der Nachbarschaft zu vergünstigten Preisen zusammen essen. Durch das Zusammenkommen verschiedenster Nutzergruppen entsteht hier Kommunikation und Austausch.
Umgang mit dem Bestand
Der Umgang mit dem Bestand basiert auf einer sensiblen und differenzierten Transformationsstrategie. Architektonische Eingriffe werden in Art und Umfang sorgfältig abgewogen und dienen primär der räumlichen sowie funktionalen Aufwertung der Gebäude und des gesamten Areals. Anstelle großflächiger Abriss- oder Neubaumaßnahmen stehen gezielte, punktuelle Eingriffe im Vordergrund, die die vorhandene Substanz als Ressource begreifen und weiterentwickeln.
Die bestehenden Grundrissstrukturen bieten dabei ein hohes Maß an Flexibilität: Mobile Wände im Shedbau ermöglichen variable Nutzungsszenarien, während im Hochbau Wohnungscluster gemeinschaftliche und individuelle Wohnformen unterstützen. Rückbaumaßnahmen beschränken sich auf drei notwendige Deckendurchbrüche – zwei zur vertikalen Verbindung im Bereich Entwicklung und Forschung sowie einer im betrieblichen Restaurant („Casino“) als sozialem Zentrum des Quartiers.
Ergänzend wird die Hochhausfassade erneuert und mit bodentiefen Fenstern ausgestattet, wodurch insbesondere für das integrierte Altersheim verbesserte Lichtverhältnisse und Sichtbezüge ins Grüne entstehen. Ein neu angefügter Laubengang an der Altbaufassade schafft zusätzliche Begegnungsräume. Insgesamt entsteht so eine qualitätsvolle, zukunftsorientierte Weiterentwicklung mit Fokus auf Nutzungsflexibilität statt umfassendem Neubau.
Freiraumkonzept
Das ehemalige Bosch-Areal wird durch seine öffentlichen Freiräume für BürgerInnen als auch BesucherInnen attraktiv gestaltet. Diese schaffen Begegnungszonen sowie eine Vielzahl an Aktivitäten, ermöglichen jedoch zugleich Ruhe und Rückzug. Der Inselcharakter des Bosch-Werks bricht durch gezielt gesetzte Verbindungselemente wie Brücken und Schleppstufen auf. Dabei ist auch die Bestandsbrücke im Bereich der Pforte Teil des Konzepts. Insbesondere die neuen Geschwindigkeitsbegrenzungen der Landstraße im Bereich des Bosch-Areals und eine Verkehrsberuhigung der Klotzbergstraße ermöglichen eine gefahrenlose sowie barrierefreie Erschließung und fördern somit gezielt soziale wie infrastrukturelle Integration. Um das Bosch-Werk zukünftig noch stärker mit seiner Umgebung zu vernetzen, wird das Wandelwerk nun Start- und Endpunkt einer bestehenden Rad- und Wanderroute. Das Wandelwerk bietet daher ebenfalls entsprechende Nutzungsangebote wie beispielsweise einen Fahrradverleih und Sportbedarf. Darüber hinaus ermöglicht eine Umstrukturierung der nördlichen Parksituation eine direkte Blick- und Erschließungsachse in Richtung der Kirche St. Michael und des dazugehörigen Kirchplatzes.




