Projektdaten
| Kategorie | Realisierte Bauwerke |
|---|---|
| BauherrIn | RECK-Technik GmbH & Co. KG |
| PlanerIn | Christine Reck Architekten GmbH BDA |
| Fertigstellung | 04.2025 |
| Ort | Betzenweiler |
| Bildnachweis | Christine Reck |
Ein über 50 Jahre alter Bestand hatte das Ende seines baulichen und technischen Zyklus erreicht und erforderte eine Neukonzeption. Die Auseinandersetzung mit den grundlegenden Anforderungen eines Industriegebäudes und die Beantwortung der wiederkehrenden Fragestellung nach „Was ist notwendig und was nicht?“ führten zu einer konsequenten Umsetzung, durch die Kosten und Ressourcenverbrauch deutlich reduziert werden konnten, ohne die geforderte Funktion einzuschränken. Statt vollständigem Abriss entstand integratives Weiterbauen im Bestand. Neues entstand nur dort, wo es notwendig war.
Der unterkellerte Bestandsgebäudeteil aus den Endsiebzigern, mit für das Gesamtareal weiter relevanten Nutzungseinschreibungen, konnte gesichert und erhalten bleiben und wird vom neuen Bau so überdeckt, dass hier die Bestandsdachflächen ohne Abbruch oder Sanierung bestehen bleiben konnten. Umgesetzt wurde ein offenes, funktional optimiertes Tragwerk, das langfristig flexible Lager- und Logistikflächen ermöglicht.
Im Zuge der Analyse stellten die ArchitektInnen fest, dass für die vorgesehene Nutzung keine temperierte Gebäudehülle mit Dämmung und Beheizung erforderlich ist. Die gelagerten Produkte müssen im internationalen Transport – per Schiff, Flugzeug oder LKW – großen Temperaturdifferenzen zwischen −29 °C bis +57 °C dauerhaft schadlos standhalten. Da am Standort keine derartigen klimatischen Extremwerte auftreten, konnte auf die thermisch konditionierte Gebäudehülle verzichtet werden. Das im Lager- und Logistikbereich tätige Personal wechselt regelmäßig zwischen Innen- und Außenbereichen und ist mit entsprechender Bekleidung ausgestattet.
Eine vollständig klimatisierte Gebäudehülle aus Boden, Wand und Dach hätte sowohl in der Errichtung als auch im Betrieb erhebliche Kosten verursacht, ohne einen funktionalen Mehrwert zu generieren. Nicht erforderliche Bauteilschichten wurden daher konsequent reduziert. Hoch belastbare Industriebodenflächen konnten ohne zusätzliche Dämmung wirtschaftlich umgesetzt werden.
Arbeitsplätze im Wareneingang befinden sich in einer separat aufgestellten, kompakten Kabine, thermisch getrennt und beheizt. Die bestehende Ölheizungsanlage im Bestandsbereich wurde durch eine moderne, effiziente Luftwärmepumpe ersetzt.
Notwendiger Schutz von Material und Personal vor Feuchtigkeit und Nässe wird über die Überdachung der Flächen optimal erreicht. Die wirtschaftlich elementierte Konstruktion ruht wandlos auf Stützen, die nicht nur das Dach tragen, sondern zugleich zentrale elektrische Komponenten wie Wechselrichter, Server und Stromversorgungspunkte aufnehmen. Das multifunktionale Dach schützt bei Bedarf vor Witterung und erzeugt gleichzeitig elektrische Energie über installierte Photovoltaikmodule mit mehr als 600 kWp. Zusammen mit bestehenden regenerativen Anlagen entsteht ein nahezu energieautarker Betriebsstandort.
Maximale Nutzflächen mit hoher Flexibilität für zukünftige Anforderungen entstehen durch den Verzicht der seitlichen Raumabgrenzungen. Tageslicht kann ungehindert einfallen. Teure Tore entfallen, ebenso wie deren laufender Unterhalt.
Etwa 1.700 m² nutzbare Flächen im Bestand vergrößern sich auf rund 3.600 m² Lagerfläche – mehr als eine Verdopplung. Weiter wird die mögliche Lagerhöhe in Regalen aufgrund der neuen Raumhöhen verdoppelt, wodurch die Lagekapazitäten deutlich gesteigert werden. Die bestehende Geländetopografie wird gezielt in den Ladebereichen genutzt.
Auf Vorschlag der ArchitektInnen können die außerhalb der Betriebszeiten leerstehenden überdachten Kommissionierflächen optional für interne Veranstaltungen genutzt werden. Kurz nach Einzug zeigte sich diese Flexibilität beim Betriebssommerfest, das geschützt vor aufkommendem Gewitterregen stattfand.
Im Ergebnis zeigt das neue Industriegebäude: Architektur beginnt mit der Analyse. Und sie gewinnt an Qualität, wenn sie den Mut hat, radikal zu denken und Überflüssiges wegzulassen.




