PWO Progress-Werk Oberkirch AG

Projektdaten

KategorieRealisierte Bauwerke
BauherrInPWO Progress-Werk Oberkirch AG
PlanerInGrossmann Architekten
OrtOberkirch
BildnachweisJürgen Grossmann

Die vorgefundene Situation lässt sich als ziemlich unvermitteltes Aufeinandertreffen eines großen Industriebetriebes mit starker Verkehrsbelastung und einer kleinteiligen, dörflichen Baustruktur beschreiben. Dorf und Gewerbe – ein archetypisches Problemfeld, für das hier eine gleichermaßen praktikable wie architektonisch hochwertige Lösung erarbeitet wurde. Die vorher über das gesamte Werksgelände verteilten Verwaltungsbereiche der Firma wurden nun im Sinne der Betriebsstrukturen optimiert zusammengefasst.

Zentrales Anliegen unseres Entwurfs für ein neues Verwaltungsgebäude der PWO AG war uns deshalb, eine auf städtebaulicher wie auch funktionaler Ebene wirksame, gut austarierte Schnittstelle zwischen den gewaltigen Dimensionen der Werkanlage und der Kleinteiligkeit der dörflichen Bebauung von Stadelhofen zu entwerfen.

Wir verzichteten bewusst darauf, einen weithin sichtbaren Eyecatcher mit großen Prestigeambitionen auf der grünen Wiese zu planen, sondern engagierten uns – auch im Interesse von Nachhaltigkeit und Ökologie – die beengten Ressourcen im Norden des Werksgeländes, quasi mitten im Dorf gelegen, optimal zu akquirieren; dort wo vor hundert Jahren die Firmengeschichte ihren legendären Anfang als Luftpumpenwerk nahm.

Neben den städtebaulichen Notwendigkeiten war es Zielvorgabe, den Schwerlastverkehr, der vorher durchs Dorf zum Werk donnerte, aus dem Ort herauszubringen. Es galt also, eine Großform mit 70 Metern Länge, die Raum für 150 Mitarbeiter bieten sollte so zu gliedern, dass ein Anschluss an die kleinteilige Umgebung stattfinden kann, ohne den Anspruch auf eine sich überzeugend artikulierende Gesamtform aufzugeben. Es sollte ein Gebäude entstehen, das groß und klein zugleich ist.

Das vierstöckige Bauwerk reduziert seine Masse durch ein eingezogenes Sockel- und ein zurückgestuftes Attikageschoss optisch wirksam auf zwei Stockwerke, deren üppige Glasflächen von einem kraftvollen Rahmen gefasst werden. Ein fest installierter Sonnenschutz detailliert die rießigen Verglasungen, schafft eine feine horizontale Schichtung und verhindert den Eindruck eines klotzigen Glaspalastes, der meist mit ziemlicher Härte in die Umgebung strahlt.

Ein lichtes, komplett bis oben durchgestecktes Foyer empfängt den Besucher mit eleganter Geste, wozu vor allem eine filigrane Treppenanlage, die raumbetonenden, nach oben entschwindenden Lichtsegel und auch der gläserne Aufzugsturm beitragen. Quadratische Bodenfließen in einer stattlichen Abmessung von 120 cm evozieren Großzügigkeit beim ersten Eindruck.

Die Arbeitsbereiche sind geprägt von kommunikativ konzipierten Großraumsituationen, die durch intime, schallabsorbierende Ruhe- und Gesprächsinseln einen individuellen und phantasievollen Gegenpool erhalten.

Von den Terrassenflächen des zurückspringenden Attikageschosses lässt man den Blick nach Süden über das gesamte Werksgelände gleiten oder aber man entspannt die Gedanken beim Weitblick nach Norden über die Dächerlandschaft von Stadelhofen bis zu den Höhenzügen des Schwarzwalds.