Produktionshallen und Büros im Bayerischen Wald

Projektdaten

StatusNominierung
KategorieRealisierte Bauwerke
BauherrInSesotec Immobilien GmbH + Co. KG
PlanerInDietrich Untertrifaller Architekten GmbH
Fertigstellung08.2025
OrtSchönberg
Weitere ProjektbeteiligteMPS ARCHONIC (Projektsteuerung) | Bollinger+Grohmann (Tragwerksplanung) | Brüninghoff Group (Generalübernehmer) | Lehner+Herrenbauer Ingenieure (Haustechnik) | Schnell Ingenieure (Elektroplanung) | KAUPA Ingenieure (Brandschutzplanung) | logo verde (Landschaftsarchitektur)
BildnachweisDavid Matthiessen

und sich behutsam in die Umgebung einfügt. Der Hersteller und Entwickler von Anlagen zur Fremdkörpererkennung, -sortierung und -analyse erweiterte im Norden eines bestehenden Gewerbegebiets seine Produktionsstätten um das Werk 2, entworfen von Dietrich Untertrifaller und MPS ARCHONIC. Der Neubau umfasst in einem ersten Bauabschnitt drei Hallen für Fertigung, Montage, Produktinspektion und -entwicklung sowie Flächen für Lagerung und Logistik. Gleichzeitig beherbergt der einheitlich gestaltete, kompakte Baukörper einen zweigeschossigen Bürotrakt für Verwaltung, Planung und Service.

Städtebau und landschaftliche Einbettung

Mit Respekt vor dem benachbarten Naturschutzgebiet reagiert der Entwurf auf den Ort und bindet die Landschaft in die Gestaltung ein. Entgegen der ursprünglichen Vorgabe aus dem Bebauungsplan wurde das Gelände nicht geebnet, und die Hanglage bewusst genutzt. Die Topografie wird zum formgebenden Merkmal und bestimmt die Raumanordnung innerhalb des gebauten Volumens. Weitere landschaftliche Elemente wie der angrenzende Wald oder ein wiederhergestellter Bachlauf geben die Position des Gebäudes vor, das sich in seiner homogenen Außenwirkung passend in den umliegenden Naturraum einbettet.

Die Wegführung um das Gebäude sowie die kompakte Anordnung der einzelnen Funktionsbereiche – darunter die Haupterschließung im Norden, ein nicht einsehbarer Ladehof hangseitig im Süden sowie der langgezogene Büroriegel westlich der Hallenbereiche – bilden gemeinsam mit den drei Hallen ein schlüssiges Ensemble. Der unversiegelte Parkplatz hinter dem Gebäude sowie das klar strukturierte Tragwerk halten Fläche für mögliche Erweiterungsstufen und der Verzicht auf eine Zaunanlage um das Gelände widersetzt sich dem typologischen Standard und unterstreicht den Wunsch, sich in den Kontext zu integrieren.

Gebäude und Hülle

Parallel zum Hang erstrecken sich die eingeschossigen Hallen, je nach Produktionsablauf mit gestaffelten Höhen von 12 und 9 Metern. Das Werk wird zum Schaufenster, bewusst wird Einblick in die Fertigung gewährt. Dadurch wird der Arbeitsprozess zu einem Bestandteil der Architektur, Repräsentation wird Teil der abschließenden Produktinspektion. Gleichzeitig erlaubt ein durchgehendes Fensterband den Blick aus der nordseitigen Endfertigungshalle in die Naturlandschaft des Bayerischen Waldes. Im Süden schließt der von der Hülle eingefasste optisch abgeschirmte Ladehof für Transportlogistik und LKW-Laderampen den Gebäudekomplex zum Hang hin ab. Als Verbindung der unterschiedlichen Nutzungssegmente ist der Bau von außen einheitlich gestaltet. Dunkle Mäanderbleche bilden die äußere Wetterschicht, diese werden von einer Aluminiumkonstruktion getragen. Die opaken Wandflächen harmonieren dabei mit den verglasten Bereichen, die wiederum mit der allgegenwärtigen Naturlandschaft verschmelzen. Nach Westen ist das oberste Bürogeschoss von einem bündigen, durchgehenden Belichtungsband mit einer äußeren Schicht aus Prallscheiben gekrönt. Der obere Abschluss des darunterliegenden Geschoßes mit dem anliegenden Einfahrtstor zum Ladehof geht in einer konsequenten Linie in den anschließenden Hang über. Das aufgrund der Hanglage im Norden und Westen freigelegte Untergeschoss nimmt die Sozialräume und eine Cafeteria für die Belegschaft sowie die Haustechnik auf.

Materialität

Der Gebäudeteil für Büros folgt konsequent nachhaltigen Konstruktionsprinzipien. Die Tragstruktur setzt sich aus Brettschichtholz-Stützen und Holz-Beton-Verbunddecken zusammen. Die vorgefertigten Bauteile sind um Holzrahmenbauelemente ergänzt. Diese werden werkseitig bereits mit einer integrierten Mineralwolldämmung und vormontierten Fenstern gefertigt, und on-time zur Endmontage geliefert und versetzt. Lediglich der Sockel und die aussteifenden Kerne sind in Stahlbeton ausgeführt. Die erstmals eingesetzte, kreislauffähige Holz-Beton-Verbunddecke des Herstellers Brüninghoff erlaubt aufgrund der Fügung mit reversiblen KVB-Verbindern die sortenreine Trennung von Holz und Beton sowie die spätere Wiederverwendung der Bauteilkomponenten. Die im Bürotrakt unverkleidet belassenen Bauelemente unterstreichen den puristischen Ansatz und industriellen Charakter, erleichtern die Rückbaubarkeit und schaffen eine einheitliche und warme Atmosphäre.

Die drei Hallen sind als Skelettkonstruktion in Stahlbeton ausgeführt. Dabei verbinden sich Betonfertigteil Stützen im Rastermaß 7,5 Meter als vertikale Tragelemente mit Spannbetonbindern als horizontale Elemente, die teils über eine Weite von bis zu 32 Metern spannen. Bei der Gestaltung der Industriehallen standen Arbeitsatmosphäre und Aufenthaltsqualität ebenso im Vordergrund wie Nutzungsneutralität für regelmäßige Prozessoptimierung. Der Entwurf folgt auch dort dem Konzept neuer Arbeitswelten.

Nachhaltigkeit

Durch den effizienten Materialeinsatz, den hohen Vorfertigungsgrad und hohen Anteil an nachwachsenden Rohstoffen wird das Gebäude einem aktuellen ökologischen, wirtschaftlichen, ressourceneffizienten und zeitökonomischen Anspruch gerecht. Zirkularität wird nicht durch Vorgaben und Zertifizierungen, sondern aus Überzeugung gelebt. Das Dach bietet ausgiebig Fläche für Photovoltaik. Ergänzt um Geothermie kann das Gebäude ohne Energie aus fossilen Rohstoffen betrieben werden. Maßnahmen zur Regen und Grauwassernutzung ergänzen das Konzept. Architektonisch wird es so beispielgebend für einen nachhaltigen, zeitgemäßen Industriebau, der respektvoll mit der Landschaft umgeht und sich in diese einfügt.

Prozess

Sowohl in der Planung, im Bauprozess als auch in der Umsetzung verschränken sich vielfältige Aspekte nachhaltigen Bauens. Die Nutzerperspektive floss in die Entwurfsfindung ein, hierarchiefreie Strukturen während der Planungsphase widerspiegeln auch die Firmenkultur und Arbeitsphilosophie des Unternehmens. Transparenz und Repräsentation bis in die Tiefen der Produktionshallen zeugen von Offenheit. Auch baulich zeigt sich ein flexibler Ansatz. Die Rückbau- und Recyclingfähigkeit der Materialien sowie frühzeitig mitgedachtes Erweiterungs- und Umbaupotenzial erlauben es, Industriebau neu zu denken.