Projektdaten
| Kategorie | Realisierte Bauwerke |
|---|---|
| BauherrIn | ENRW Energieversorgung Rottweil GmbH & Co. KG |
| PlanerIn | blocher partners |
| Fertigstellung | 07.2025 |
| Ort | Rottweil-Neufra |
| Weitere Projektbeteiligte | typenraum GmbH & Co. KG | IBK Prof. Kirsch Ingenieurgesellschaft mbH & Co KG | RECK+GASS Ingenieurgesellschaft für Bauwesen mbH + Co. KG | Zeeb + Frisch GmbH | GN Bauphysik Finkenberger + Kollegen Ingenieurgesellschaft mbH | Frau Hatun Ecer-Kohler, DGNB Senior-Auditorin | Sinfiro GmbH & Co. KG | arbol Landschaftsarchitektur |
| Bildnachweis | JOACHIM_GROTHUS |
Mit dem Neubau ihres von blocher partners geplanten Betriebsstandorts in Rottweil-Neufra stellte die ENRW Energieversorgung Rottweil GmbH & Co. KG wichtige Weichen für die Zukunft. ENRW bündelt Kompetenzen an neuem Standort blocher partners realisierte ganzheitlich nachhaltige Betriebsarchitektur in Rottweil Mit dem Neubau ihres von blocher partners geplanten Betriebsstandorts in Rottweil-Neufra stellte die ENRW Energieversorgung Rottweil GmbH & Co. KG wichtige Weichen für die Zukunft. Das Unternehmen versorgt über 40.000 Menschen in den Landkreisen Rottweil, Tuttlingen und Schwarzwald-Baar mit Strom, Erdgas, Trinkwasser und Wärme und bietet darüber hinaus kommunale Dienstleistungen sowie Energieberatung und Effizienzleistungen an.
Am neuen Standort wurden die bislang dezentralen Unternehmensbereiche künftig unter einem Dach zusammengeführt. Das Projekt ist damit nicht nur architektonisch und ökologisch relevant, sondern vor allem ein strategischer Baustein zur Zukunftssicherung der Betriebsorganisation. Der bisherige Hauptsitz wurde Anfang 2025 geräumt, da auf dem Areal Teile der Landesgartenschau 2028 entstehen. Eine Standortanalyse bestätigte die Eignung des Gewerbegebiets „Berland“ in Rottweil-Neufra hinsichtlich Erschließung, Logistik und Nähe zum Versorgungsgebiet.
Ganzheitliches Betriebskonzept mit klarer Struktur
Das von blocher partners entworfene Ensemble umfasst ein dreigeschossiges Verwaltungsgebäude, eine Lagerhalle mit Logistikflächen und Werkstätten sowie einen integrierten zweigeschossigen Büroriegel. Dort arbeiten nun rund 170 Mitarbeitende auf dem Gelände. Der neue Standort vereint Innen- und Außenlager, Aufenthaltsbereiche sowie Stellplätze für Fuhrpark, Besucherinnen und Besucher und Mitarbeitende. Ergänzt wurde das Areal durch Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge und Fahrräder.
Bereits in der Planungsphase wurde großer Wert auf die Anforderungen der späteren Nutzer gelegt. In Workshops mit Mitarbeitenden und gemeinsam mit blocher partners sens wurden Bedarfe und Wünsche für die neuen Arbeitsplätze ermittelt und in das Konzept integriert. So entstand ein Campus, der den unterschiedlichen Arbeitsrealitäten von Montage, IT, Verwaltung und Beratung gerecht wird.
Architektur: funktional, transparent und nachhaltig
Die Architektur folgt einer klaren, funktionalen Logik. Das Verwaltungsgebäude basiert im Erdgeschoss auf einer Stahlbetonkonstruktion, während das 1. und 2. Obergeschoss in Holzbauweiserealisiert wurden. Diese Materialstrategie verbindet Robustheit im Sockel mit Ressourcenschonung und angenehmer Atmosphäre in den oberen Ebenen. Die Fassade unterstreicht den nachhaltigen Anspruch des Projekts: Eine Holz-Glas-Elementfassade mit Aludeckschale sowie horizontale Brüstungsbänder prägen das Erscheinungsbild und schaffe Offenheit und Transparenz. Geschlossene Bereiche sind als Aluminiumfassade ausgebildet; auf der Südseite wurden integrierte Photovoltaikflächen umgesetzt. Diese erzeugen nicht nur Energie, sondern übernehmen zugleich die Funktion eines feststehenden Sonnenschutzes – sichtbar, funktional und gestalterisch integriert. Die Lagerhalle greift die Höhenstaffelung des Verwaltungsbaus auf Transluzente Doppelstegplatten gliedern das Volumen und lassen Tageslicht tief in die Lagerbereiche einfallen.
Nachhaltigkeit als Planungsprinzip über den gesamten Lebenszyklus
Die ENRW verfolgt mit dem Neubau das Ziel eines weitgehend klimaneutralen Gebäudes. Das energetische Konzept basiert auf einer Wärmepumpe in Verbindung mit Geothermie-Erdwärmekörben sowie einem Pufferspeicher. Eine zentrale Gebäudeautomation steuert die technischen Anlagen; durch technisches Monitoring kann der Energieverbrauch dauerhaft optimiert werden. Zur Temperierung der Innenräume kommen Heiz-/Kühldeckensegel mit akustischer Wirksamkeit zum Einsatz. Manuell öffenbare Fensterflügel unterstützen den Nutzerkomfort. Ergänzt wird das Komfortkonzept durch Dreifach-Isolierverglasung, außenliegenden Sonnenschutz und innenliegen-den Blendschutz. Darüber hinaus trägt ein umfassendes Solarkonzept zur Eigenstromversorgung bei: Über dem Park-platz entstand ein Solarfaltdach mit 350 kWp, ergänzt durch Solaranlagen auf Gebäudedächern und Fassaden. Damit kann ein großer Teil des Strombedarfs für Betrieb, Heizung und den Ladepark für E-Fahrzeuge vor Ort erzeugt werden. Auch Klimaanpassung wurde konsequent mitgedacht: Geplant wurde eine Dachbegrünung auf ca. 3.900 m². Das Gebäude wurde nach den DGNB-Gold-Kriterien errichtet (aktuell im Zertifizierungsprozess).
Barrierefreiheit, Aufenthaltsqualität und moderne Arbeitswelten
Der neue Betriebsstandort erfüllt die Anforderungen der DIN 18040-1 für öffentlich zugängliche Gebäude. Sämtliche Geschosse sind barrierefrei erschlossen, Verkehrsflächen großzügig dimensioniert und Türsysteme entsprechend ausgeführt. Auch die Außenbereiche sind stufenlos zugänglich. Ein differenziertes Zutrittskonzept für Mitarbeitende, Kundschaft und Lieferverkehr wurde baulich integriert.
Im Innenraum spielt die Materialität eine zentrale Rolle: Der Holzbau sollte räumlich erfahrbar sein und die Identität des Ortes prägen. Zentraler Begegnungsraum ist der „Marktplatz“ im Erdgeschoss – ein offener Aufenthaltsbereich mit Teeküche, der auch für interne Veranstaltungen genutzt werden kann. Vier Dachterrassen in den Obergeschossen erweitern die sozialen Flächen im Freien. Die offenen Bürolandschaften sind auf moderne Arbeitsformen ausgelegt: flexible Nutzung, akustisch wirksame Zonierungen, viel Tageslicht und Rückzugsbereiche unterstützen konzentriertes und kommunikatives Arbeiten gleichermaßen.
Infrastruktur, Wirtschaftlichkeit und Standortverträglichkeit
Ein eigenes Glasfasernetz mit Backup-Leitungen sichert die digitale Infrastruktur. Die technische Gebäudeausrüstung wurde frühzeitig in die Planung integriert, um Betriebsprozesse effizient, wirtschaftlich und langfristig resilient zu gestalten. Die verkehrliche Erschließung gewährleistet die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Zum Schutz der angrenzenden Wohnbebauung wurden bereits in der Konzeptphase Schallschutzmaß-nahmen entwickelt; im Norden und Osten ist ein Lärmschutzwall vorgesehen. Mit der Zusammenführung aller Unternehmensbereiche an einem Standort verbesserte die ENRW ihre internen Abläufe, verkürzte Wege und stärkte die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Der Neubau ist damit ein Beispiel für zukunftsorientierte Betriebsarchitektur, die Funktionalität, Nachhaltigkeit, Nutzerorientierung und Wirtschaftlichkeit in einem ganzheitlichen Konzept verbindet.




