Firmensitz Testo erster und zweiter Bauabschnitt

Projektdaten

KategorieRealisierte Bauwerke
BauherrInTesto SE & Co. KGaA
PlanerInSacker Architekten GmbH
Planungs- und Realisierungszeitraum02.2019
OrtTitisee
BildnachweisJulia Gross, Sacker Architekten GmbH

Testo ist ein weltweit führender Hersteller von portablen und stationären Messgeräten und stellt innovative Messlösungen für Klima und Umwelt bereit. Gleichwertig innovativ zu den technischen Entwicklungen präsentiert sich auch die Architektur des neuen Firmenstandorts, dessen erster Bauabschnitt 2011 und zweiter Bauabschnitt 2019 von Sacker Architekten fertiggestellt wurde. Modern und markant stehen die zwei Gebäude vor der imposanten Kulisse des Schwarzwalds, direkt an der B31 zwischen Titisee und Neustadt. In den kommenden Jahren sollen die zwei Finger um zwei weitere Bauten erweitert werden. Bei Fertigstellung aller vier Gebäudeeinheiten werden die fächerförmig angelegten Gebäudefinger über gläserne Verbindungsstege an den Längsseiten miteinander verbunden sein.

Zurückhaltende Größe

Mit seiner Formensprache setzt das Bauwerk einen deutlichen Akzent in der Landschaft, bettet sich aber sogleich durch die gewählte Materialität harmonisch in die Landschaft ein. Zwischen den späteren vier Baukörpern bleibt genug Freiraum, der immer wieder ein Wechselspiel zwischen Architektur und Natur ermöglicht und den Ausblick auf die Wiesen, Wälder und Berge der Umgebung bietet. Der Neubau der Testo AG zeichnet sich durch sein Gleichgewicht aus: Weder versteckt er sich vor der gewaltigen Naturkulisse, noch drängt er sich durch störende Baumassen in den Vordergrund. Erster und zweiter Bauabschnitt bilden eine Gesamtfläche von 25.700 m². Im Rahmen des ersten Bauabschnitts wurde der zweite Flügel von Westen realisiert. Oberhalb der Tiefgarage und des Sockelgeschosses befinden sich fünf Geschosse inklusive großzügiger Betriebskantine, einem Fitnessbereich für Mitarbeiter und einer Produktionsstätte – nur fünf von den insgesamt sieben Stockwerken sind nach außen hin sichtbar. Zusätzlich beschränkt sich das vierte Obergeschoss auf die südliche Hälfte der Gebäudegrundfläche. Auch die dynamisch nach außen geneigten Nord- und Südfassaden verringern optisch die Gebäudemasse.

Multifunktional unter einem Dach

Testo vereint vielfältigste Funktionen unter einem Dach und bietet Flächen für Verwaltung, Entwicklung, Forschung und Produktion. Die Mitarbeiter, aber auch Besucher der Testo, betreten das Gebäude über ein doppelgeschossiges Foyer im Erdgeschoss, das durch seine Großzügigkeit zum Blickfang im Gebäude wird. Im ersten bis vierten Obergeschoss liegen die Büroräume – Großraumarbeitsplätze als auch Einzelzimmer – die den Ansprüchen nach intelligenten Büroraumsystemen und digitalen Kommunikationstechnologien gerecht werden. Gearbeitet wird auf diesen Ebenen in allen Bereichen, auch in der Entwicklung und der Forschung. Lediglich Labortätigkeiten finden nicht hier, sondern in den geschützten Räumen im Sockelgeschoss statt. Die Büroeinheiten öffnen sich über eine Glasfront zu den begrünten Lichthöfen. Die einzelnen Ebenen wirken in beiden Gebäuden, obwohl getrennt, verbunden. Gemeinschaftsbereiche fördern die Kommunikation der Mitarbeiter.

Auch das Bedürfnis nach Entspannung kommt im neuen Firmensitz der Testo AG nicht zu kurz: Die Mitarbeiter können nicht nur in den Cafeterien, die auf den Brücken im Luftraum angeordnet sind, oder im Betriebsrestaurant mit zugehöriger Terrasse im Erdgeschoss vom Stress der Arbeit abschalten, sondern auch im Fitnessraum im Sockelgeschoss. Von der großzügigen Dachterrasse auf der Vorstandsebene lässt sich der Blick auf die Umgebung genießen.

Materialien, die sich in die Natur einfügen

Die abwechslungsreiche Gestaltung der Fassade wirkt sich günstig auf die optische Verringerung der Baumasse aus. Die glatte Natursteinfassade aus Kirchheimer Muschelkalk wechselt mit den Fensterreihen, einer je nach Größe konstruierten Pfosten-Riegel-, oder Rahmenkonstruktion mit Paneelen aus Messing, die in Teilbereichen geschlossen bleiben. Schallgedämpfte Lüftungsklappen im Fensterrahmen werden automatisch geöffnet, über die der Komplex belüftet und gekühlt werden kann.

Das Konzept „Green Building“

Verantwortungsbewusst zeigt sich der Neubau auch im Umgang mit Umwelt und Ressourcen. Das Klimakonzept sieht eine natürliche Lüftung, Bauteilaktivierung, Nachtauskühlung und die Nutzung von Prozesswärme vor. Ein Sprinklerwassertank dient der Kältespeicherung. Der Gesamtenergiebedarf wird durch diese Maßnahmen insgesamt signifikant gesenkt – ein minimaler Einsatz an Energieressourcen schafft optimale Umwelt- und Arbeitsbedingungen.

Über eine zentrale Regelung wird in Abhängigkeit der Außen- und Innentemperatur die Grundlüftung und Nachtluftspülung gesteuert. Jedoch kann der Nutzer am Arbeitsplatz sein Wunschklima auch lokal selbst steuern, indem er die Fenster öffnet. Die Luft strömt über die Öffnungsflügel in der Fassade ein und zieht über die Dachoberlichter in den Lichthöfen ab. Aber auch bei geschlossener Bürotür ist dieser Luftweg dank integrierter schallgedämmter Überstromelemente möglich.

Die Sichtbetondecke erfüllt mit abgehängten Metalllamellen die Anforderungen an die Raumakustik, zusätzlich agiert die Deckenoberfläche als Speichermasse für die thermische Bauteilaktivierung. Durch umlaufende Verglasungen und die innen liegenden Lufträume mit Oberlichtern werden außerdem alle Arbeitsplätze mit Tageslicht beleuchtet. Außerdem erfüllt das Regenwassermanagement die Anforderungen an das Wasserschutzgebiet. Das Regenwasser wird gereinigt, sodass es kontrolliert ins Grundwasser abgegeben werden kann.

Nach der Fertigstellung der insgesamt vier geplanten Gebäudefinger könnten in Titisee insgesamt 1.200 neue Arbeitsplätze bei der Testo entstanden sein. Dadurch würde der Wirtschaftsstandort Titisee immens wachsen. Trotz dieser Größe stehen jedoch die Belange von Mensch und Natur im Vordergrund.