Die Firma Chemoform

Die Chemoform AG gehört zu den großen Anbietern für die komplette Palette leistungsfähiger und innovativer Produkte für Sauberkeit, Hygiene und Pflege in Schwimmbädern. Zur Firma gehören auch eine ganze Reihe weiterer Unternehmen in den Bereichen Schwimmbadwasserpflege, Sauna/Wellness, Pools und Zubehör, die auch komplette Schwimmbadsysteme sowie -technik entwickeln und fertigen.

Ersatz einer Lagerhalle

Auf dem Areal werden Produkte und Zubehör von anderen Standorten zwischengelagert und final an die Kunden ausgeliefert. Die Lagerhalle aus den 1960er Jahren war in die Jahre gekommen und konnte Anforderungen an Brandschutz und Anlagensicherheit  nur mit großem Aufwand erfüllen. Um den Leitgedanken Sicherheit der Firma Chemoform auch in den Gebäuden umzusetzen, wurde die bestehende Lagerhalle zu einem Großteil abgebrochen und an gleicher Stelle ein Neubau platziert. Die bisherige Nutzung wurde mit einer Verwaltungsstruktur zur Bündelung der Standorte ergänzt. Abläufe und Warenströme wurden ebenso optimiert mit Einbindung der Versorgung der Produktion, sowie der Lagerkapazitäten.

Lange, große Flachdachbauten und Sheddach-Konstruktionen, sowie die angrenzende Bahnstrecke der Neckar-Alb Bahn prägen das Areal. Der Neubau bildet durch die Körnung und Gliederung des Baukörpers eine moderne Architektursprache aus, nimmt Bezug auf die Industriearchitektur der angrenzenden Bestandsgebäude, und schafft ein entsprechendes, kräftiges Signet. Das Erscheinungsbild ist geprägt durch eine reduzierte und geordnete Materialwahl. Hierzu zählen die transparenten Glasfassaden, die im Erdgeschoss im Bereich der geschlossenen Fassaden durch einen anthrazitfarbenen Sockel ergänzt werden, sowie die weißen Oberflächen der vorgehängten Glasfassade und Fassadenbänder.

Die Oberlichter der Logistikhalle prägen als Taktgeber den Rhythmus des Daches und gewährleisten durch transluzente Palycarbonatplatten die natürliche Belichtung der Logistikhalle. Nahezu unbehandelte Holzwerkstoffplatten und auch das sichtbare Holztragwerk innerhalb der Logistikhalle erzeugen eine nahbare Atmosphäre. Das Wechselspiel von rauer und unbehandelter zu glatter und bearbeiteter Oberfläche im Innenraum nimmt Bezug auf den ursprünglichen Industriecharakter des Gebäudes und der Umgebung. Die sorgfältige Anordnung von Arbeitsplätzen, Fitnessbereich und Mitarbeiterverpflegung im Verwaltungsbereich führen zu einer zeitgemäßen Arbeitsplatzgestaltung.

Energie und Klimaschutz

Der ressourcenschonende Umgang mit Materialien, Umwelt und Baustoffen wurde von Anfang an in den Entwurfsprozess mit eingebunden. So wurden Abbruchmaterialen aus dem Bestandsgebäude zerkleinert und als Tragschicht unterhalb der Bodenplatte wiedereingebaut. Das Tragwerk der Logistikhalle und Galerien wurde als Holztragwerk und somit als CO2 Speicher ausgebildet.

Der Gesamtenergiebedarf des Neubaus wird durch ein innovatives Energiekonzept abgedeckt. Es werden mehrere Komponenten zur Bereitstellung von Wärme und Kälte verwendet. Flächendeckend wird über eine Bauteilaktivierung in den Decken der Wärme und Kühlbedarf des Gebäudes reguliert. Die notwendige Versorgung findet über Fundamentabsorber im Bereich der Tiefgarage und Hochregallagers statt. Aufgrund der Einbindung in den Schwankungsbereich des Grundwassers werden die Leitungen nur mit Wasser gefüllt. Die zusätzliche Wärmeversorgung wird durch eine Holzvergaseranlage abgedeckt.

Die gesamte Anlage wird vorwiegend natürlich be- und entlüftet. Vereinzelt wird über dezentrale Lüftungsgeräte die Zu- bzw. Abluft zur Verbesserung der Luftströmung ergänzt.

Im Jahrtausend der Städte versuchen viele Firmen systemische Lösungen für nachhaltige Stadtentwicklung auf den Markt zu bringen. Wie besser könnte sich eine lokal verankerte, aber global agierende Firma repräsentieren als durch ein Stück lebendige Stadt, in der Produkte und Dienstleistungen ein natürlicher Teil des Alltags sind und so gezeigt, geprüft und verbessert werden können?

V-Zug als innovativer Hersteller von Haushaltsgeräten kann diese Vision konkret umsetzen, das Areal wird zum öffentlich einsehbaren Labor. Die Arealtransformation zum Tech Cluster Zug bedeutet für V-Zug nicht nur ein Portfolio von Immobilien, sondern durch die Ansiedlung verwandter Firmen und Start-Ups sowie von Wohnnutzungen auch ein Netzwerk von Beziehungen, Ideen und Lernmöglichkeiten, welches nachhaltig über die Zeit aufgebaut und gepflegt werden kann.

Dichte und Massstab urbaner Industrie

Der Entwurf für das TCZ weist eine hohe Dichte auf (AZ bzw. GFZ bis 3.0). Räumlich werden Produktion, Arbeiten, Wohnen und gemeinschaftliche Funktionen an einem engmaschigen Netz von Gassen, Plätzen und intimen Höfen angeordnet. Die Erdgeschosse bleiben dabei grossteils der Industrie vorbehalten, werden an Schnittstellen zur Stadt jedoch mit urbanen, publikumswirksamen Nutzungen ergänzt. Jedes Baufeld wird von mehreren, unterschiedlich hohen Gebäudetypologien gebildet, die rings um einen Hof zu einer Einheit zusammengeschlossen werden. Dies gewährleistet in den Gassen und Plätzen einen angenehm menschlichen Massstab trotz industrieller Grossformate.

Das Areal weist zwei verschiedene Typen von Freiräumen auf: Angrenzend an die umgebenden Strassen gibt es kleine städtische Plätze mit Baumgruppen, die als Schnittstellen mit der umgebenden Stadt fungieren. Hier befinden sich publikumswirksame Nutzungen und die Adressen der Firmen. Im Arealinneren gibt es von Aussen nicht direkt einsehbare, offene Platzflächen, die flexibel und informell nutzbar sind und auch der urbanen Industrie zur Verfügung stehen.

Transformation «am offenen Herzen»

Eine Arealentwicklung braucht Zeit. Noch länger dauert es aber Wertschöpfungsketten, Netzwerke und Stadtatmosphäre an einem Ort anzusiedeln und sich entwickeln zu lassen. Heute befindet sich ausschliesslich die Produktion der V-Zug auf dem Areal – in Zukunft wird sich diese auf etwa ein Drittel der Arealfläche konsolidieren und nur noch ein Player innerhalb des neu entstehenden Tech Cluster Zug werden. Schritt für Schritt wird das Areal freigelegt und öffentlich zugänglich, zunächst für Zwischennutzungen als Inkubatoren im Bestand, später für Neubauten.

In einem ersten Schritt wird in die existierenden Hallen das Gassen- und Platzgefüge der späteren Überbauung eingeschnitten und das Areal öffentlich zugänglich gemacht. Start-up Firmen finden hier erste günstige Flächen; schrittweise können existierende Hallen mit neuen Gebäudegruppen ersetzt werden. V-Zug agiert als Intendanz, so dass Beziehungen, Synergien und Potenziale in der Transformation nicht verloren gehen. Das Areal entwickelt sich zu einem Mosaik unterschiedlicher Möglichkeiten und Raumangebote.

Mit jeder verwirklichten Etappe verwebt sich der Technologiecluster mehr mit seiner städtischen Umgebung. Es wird offener und durchlässiger. Neue Mitarbeiter und Bewohner beleben das Quartier, haben Lunch im Tech-Café, lassen ihre Wäsche reinigen oder bringen den Nachwuchs in die Kita. In der Umgebung können sich in der Folge weitere kleine Dienstleister ansiedeln. Das TCZ dient als Vorbild für Produktion im urbanen Umfeld. Die Wertschöpfung im Quartier steigt.

Das Ziel der Transformation ist der CO2-freie Betrieb des Areals. Im Untergeschoss wird in einem das Areal vernetzenden Motherboard ein Energienetz gelegt, das an den See angeschlossen ist. Aufgrund der Mischnutzung können synergetische Effekte durch die Kaskadierung von Energieflüssen genutzt werden.

Nachhaltige Mobilität für das Quartier – versteckte Logistik im urbanen Umfeld

Das Areal ist ein Vorreiter für nachhaltige Mobilität. Der zum Tech Cluster gehörende Mobility Hub Zug Nord am Rande des Siedlungsgebiets fängt den MIV ab, von dort erreicht man das TCZ einfach zu Fuss. Ergänzend gibt es einen selbstfahrenden E-Kleinbus (derzeit in der Erprobungsphase mit Fahrer), der das TCZ direkt an den Bahnhof Zug anbindet. Der ÖV wird so gestärkt.

Das Mobility Hub weist im Erdgeschoss eine Ladennutzung und ein Bistro auf. Im 1.OG befindet sich eine Übergabestation für autonome Fahrzeuge, die selbständig in den weiteren Obergeschossen parken können. Von dort führt eine Fussgängerbrücke direkt weiter in die Stadt hinein und zum TCZ. Hosoya Schaefer plant den Mobility Hub, er befindet sich in der Ausführungsplanung und soll 2022 fertiggestellt werden.

Die Logistik urbaner Industrie belastet oft die Umgebung. Zwei interne, parallele Gassen mit Wende-Loops auf den inneren Plätzen wickeln den LKW-Verkehr im TCZ effizient ab, so dass empfindliche Stadtnutzungen nicht beeinträchtigt werden. Auf der Nordseite am Siedlungsrand gibt es eine zentrale Arealein- und -ausfahrt.

Ablauf und Stand der Planung 2020

Hosoya Schaefer gewann den Wettbewerb im Jahr 2013. Anschliessend wurden von Hosoya Schaefer drei mögliche Entwicklungsszenarien für das Quartier entwickelt, auf denen die Vorgaben des Bebauungsplans aufgebaut wurden. Dieser wurde 2017 verabschiedet. Seitdem wurde im Norden des Areals der flexibel nutzbare, mehrgeschossige Industriebau «Mistral» errichtet und 2019 fertiggestellt.

Im Bau befindet sich die neue Presserei der V-Zug, in Planung befinden sich das Bürogebäude «Zephyr» und der Mobility Hub. Der Transformationsprozess ist aufgrund der laufenden Produktion komplex – Hosoya Schaefer plant und koordiniert diesen Prozess für das gesamte Areal fortlaufend unter Einbezug aller Fachplaner. Das Planungsteam: